Das VW-Stammwerk in Wolfsburg. | picture alliance/dpa

Fehlende Teile aus Ukraine bei VW Zulieferer ächzen unter Produktionsstopps

Stand: 15.03.2022 14:52 Uhr

VW-Fabriken müssen wochenlange Zwangsstopps einlegen, weil wichtige Teile aus der Ukraine fehlen. Darunter leiden auch deutsche Zuliefer-Firmen, denn Volkswagen storniert Aufträge im großen Stil.

Von Hilke Janssen, NDR

In einer normalen Woche werden bei der Firma KKT Frölich in Osterode am Harz bis zu 40.000 Umlenkhebel für den VW-Konzern gebaut. Unscheinbare Kunststoffteile für Getriebe, tausendfach verbaut in Modellen von VW, Audi oder Skoda. Doch über Nacht hat Volkswagen sämtliche Bestellungen für den Monat März storniert - ohne Ausgleichszahlung. Und ohne eine Garantie, dass die bestellten Teile zu einem späteren Zeitpunkt doch noch gekauft werden.

Ein Fünftel des Umsatzes bricht weg

Firmenchef Sven Vogt ist frustriert. Dass VW sämtliche Bestellungen von einem Tag auf den anderen gestoppt hat, bedeutet für ihn, dass 20 Prozent seines Monats-Umsatzes wegbrechen. Zwei von drei Produktionsanlagen stehen still. Gleichzeitig muss Vogt im März aber seine eigenen Lieferanten, die Rohstoffe und Teile liefern, weiterbezahlen.

"Wir wissen gar nicht, was von VW in Zukunft noch abgenommen wir", sagt Vogt. Die Firma KKT Frölich kann die weggebrochenen Aufträge abfangen, weil Volkswagen nicht der einzige Kunde ist. Als Vorsitzender des Arbeitgeberverbands der Deutschen Kautschukindustrie kennt Vogt aber die Lage in vielen anderen Zuliefer-Betrieben in Norddeutschland. Die Situation sei "verheerend", vor allem in den kleinen und mittleren Unternehmen.

Firmen "bis obenhin verschuldet"

Seit der Corona-Krise seien diese Firmen ohnehin schon "bis obenhin verschuldet", beschreibt Vogt die Lage. Wenn große Autobauer nun noch ihre Aufträge stornieren, wüssten die Unternehmen nicht mehr, "wie sie Ende März die Löhne, die Lieferanten und die Stromrechnungen bezahlen sollen".

Volkswagen ist von den wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs besonders betroffen. Weil wichtige Kabelbäume aus der Ukraine nicht mehr geliefert werden, muss VW in einigen Werken Zwangspausen einlegen. Unter anderem ruht die Fertigung von Elektroautos in Dresden und Zwickau. Im Stammwerk in Wolfsburg stehen die Bänder still. Auch die Marken Audi, Porsche und VW Nutzfahrzeuge können nicht wie gewohnt produzieren. Je nach Standort gilt der Stillstand wochen- oder tageweise.

Zwischen Flaute und Sonderschichten

Wie es weitergeht, ist offen. Zum konkreten Einzelfall kann Volkswagen sich nicht äußern. Allgemein heißt es aber vom Unternehmen, es stehe in engem Austausch mit seinen Zulieferern, um eventuelle Auswirkungen von Produktionsanpassungen für das gesamte Netzwerk zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten. "Die Sicherung des Lieferantennetzwerks hat gerade in Zeiten der Pandemie, unter den Bedingungen des Halbleiter-Engpasses sowie im Ukraine-Konflikt oberste Priorität", so der Konzern.

Autozulieferer wie KKT Frölich in Niedersachsen können jetzt nur abwarten und hoffen. Firmenchef Vogt ärgert sich dennoch über den Umgang der mächtigen Großkunden mit der aktuellen Lage. Ware werde spontan abbestellt, aber gleichzeitig maximale Flexibilität verlangt. Man schwanke zwischen Flaute und plötzlichen Sonderschichten am Wochenende, zwischen Null und Hundert", beklagt Vogt. Das sei mit den Mitarbeitern kaum noch zu organisieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. März 2022 um 07:35 Uhr.