Das VW-Modell ID3 | dpa

Produktion von Batteriezellen VW plant sechs "Gigafabriken"

Stand: 15.03.2021 16:08 Uhr

Volkswagen eifert immer stärker dem Rivalen Tesla nach: Bis 2030 will der Konzern sechs Fabriken zur Fertigung von Batteriezellen aufbauen. Auch ein europaweites Netz von Schnelllade-Stationen für Elektroautos soll entstehen.

Volkswagen hat seine weitere Strategie für Batteriezellen und den Ausbau des Elektroauto-Ladenetzes präsentiert. Dazu soll, gemeinsam mit Partnern, bis zum Ende des Jahrzehnts ein Netz eigener Batteriezellfabriken entstehen. Neben der beabsichtigen Produktion im Werk Salzgitter plant der Konzern fünf weitere Standorte für eine Versorgung mit der zentralen E-Technologie, kündigte Technikvorstand Thomas Schmall an.

Insgesamt sollen die bis Ende des Jahrzehnts geplanten sechs Zellfabriken eine Gesamtkapazität von 240 Gigawattstunden pro Jahr haben. Neben Salzgitter, das ohne einen externen Partner betrieben wird, wird es auch eine Fabrik in Nordschweden geben. Dort kooperiert Volkswagen mit der Firma Northvolt, um eigene, sogenannte "Premium-Zellen" herzustellen. Die Produktion soll 2023 starten und schrittweise auf bis zu 40 GWh Jahreskapazität ausgebaut werden. Auch in Salzgitter will VW "perspektivisch" bis zu 40 GWh pro Jahr fertigen.

Wo die vier anderen Werke entstehen werden, steht noch nicht fest. Im Gespräch war zuletzt eine Fertigung bei Seat in Spanien. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh fordert einen zweiten Standort in Deutschland.

Batterien sollen billiger werden

Ziel von VW ist es zudem, die Vielfalt der verwendeten Varianten beim Bau der Batterien zu verringern. Im Durchschnitt will der Konzern damit die Kosten auf deutlich unter 100 Euro pro Kilowattstunde senken. "Damit wird die E-Mobilität endgültig erschwinglich und zur bestimmenden Antriebstechnologie", so Schmall.

Die von VW angekündigten Investitionen gelten auch als Antwort auf die Pläne des US-Rivalen Tesla. Dessen Chef Elon Musk hatte erklärt, dass sein neues E-Auto-Werk bei Berlin auch die weltgrößte Batteriefabrik werden solle. Volkswagen führt ab 2023 nun auch einen einheitlichen, eigenen Zelltyp ein.

18.000 öffentliche Schnellladepunkte geplant

Seine Batterie-Offensive flankiert Volkswagen mit dem Ausbau des Schnellladenetzes. Dazu hat das Unternehmen Kooperationen mit den Energieunternehmen BP (Großbritannien), Iberdrola (Spanien) und Enel (Italien) vereinbart. Bis 2025 sollen rund 18.000 öffentliche Schnellladepunkte in Europa entstehen, darunter 8000 gemeinsam mit Shell. Das entspricht einer Verfünffachung des Schnellladenetzes gegenüber heute und rund einem Drittel des für 2025 prognostizierten Gesamtbedarfs auf dem Kontinent.

4000 Schnelllader sollen an Tankstellen von BP und Aral entstehen, ein Großteil davon in Deutschland und Großbritannien. Auch in den USA und China wird das öffentliche Schnellladenetz rasch ausgebaut.

Tausende Stellen fallen weg

Zuvor war bekannt geworden, dass sich der Konzern mit dem Betriebsrat über einen weiteren Stellenabbau geeinigt hat. Danach sollen Angebote zur Altersteilzeit nun auch für den Jahrgang 1964 geöffnet werden. Zudem sollen älteren Beschäftigten neue Angebote für einen Vorruhestand unterbreitet werden.

Wieviele Stellen auf diese Weise eingespart werden, hängt davon ab, wie viele Arbeitnehmer die Angebote letztlich annehmen. In einer internen Mitarbeiterinformation, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, rechnet der Betriebsrat vor, dass über die zusätzlichen Altersteilzeitprogramme "eine niedrige vierstellige Zahl von Beschäftigten" aufhören könnte. Das "Handelsblatt" berichtet unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass bis zu 5000 Arbeitsplätze zur Disposition stünden. Rund 3000 Mitarbeiter könnten von dem Angebot einer vorzeitigen Altersteilzeit Gebrauch machen.

Nur sozialverträglicher Stellenabbau

Dem Betriebsrat zufolge könnten zudem bis zu 900 Beschäftigte kurzfristig in Rente gehen. Eine VW-Sprecherin und ein Sprecher des Betriebsrates sagten übereinstimmend, dass es sich nicht um eine neue Runde des Stellenabbaus handele. Tatsächlich sind betriebsbedingte Kündigungen bei Volkswagen bis zum Jahr 2029 ausgeschlossen.

Ein Stellenbau in den deutschen VW-Werken kann deshalb nur sozialverträglich erfolgen, wie etwa ein Angebot zur Altersteilzeit. Frühere Jahrgänge können davon schon seit geraumer Zeit Gebrauch machen. Weil das aber noch nicht alle betroffenen Mitarbeiter getan haben, soll der Druck auf sie erhöht werden, nun doch zu gehen.

Hintergrund der Beschlüsse ist, dass die Kosten bei Volkswagen im Vergleich zur Konkurrenz als zu hoch gelten. Im Dezember hatte das Management um Vorstandschef Herbert Diess deshalb beschlossen, bis 2023 die Fixkosten im Unternehmen um insgesamt fünf Prozent zu senken. Als Etappensieg des Betriebsrats galt dabei die Zusage des Vorstands, neue Einsparungen nur im Rahmen bestehender Programme umzusetzen und dabei vorrangig die seit Jahrzehnten bei VW übliche Praxis der Altersteilzeit zu nutzen. Zu den aktuellen Vereinbarungen zählt auch eine Verlängerung des sogenannten "Level Freeze"-Programms, mit dem Personalobergrenzen eingefroren werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. März 2021 um 15:00 Uhr.