VW-China-Chef Stephan Wöllenstein präsentiert auf einer Automesse in Shanghai den  ID 6 SUV | dpa

Marktanteil 2021 gesunken Absatzeinbruch für VW in China

Stand: 11.01.2022 09:28 Uhr

Der Volkswagen-Konzern hat in seinem wichtigsten Absatzmarkt einen Rückschlag erlitten. In China gingen die Verkaufszahlen in vergangenen Jahr deutlich zurück. Nur Sportwagen verkauften sich besser.

Während der Gesamtmarkt für Autos in China 2021 um vier Prozent gewachsen ist, gingen die Absatzzahlen des größten deutschen Autokonzerns in dessen wichtigstem Absatzmarkt deutlich zurück. Um 14 Prozent sank der Absatz des Volkswagen-Konzerns im vergangenen Jahr in der Volksrepublik, wie der noch amtierende VW-China-Chef Stephan Wöllenstein vor Journalisten in Peking berichtete. Laut Wöllenstein sind dafür vor allem der Mangel an Halbleitern und die Probleme in den Lieferketten verantwortlich. "Es war ein ziemlich schwieriges Jahr", so Wöllenstein.

Weil der Gesamtmarkt trotz der Probleme für die Hersteller wuchs, schrumpfte der Anteil der Volkswagen-Marken in China auf elf Prozent. In den vorangegangenen Jahren hatte er stets zwischen 14 und 15 Prozent gelegen.

Volumenmodelle machen Sorgen

Ein Blick auf die einzelnen Konzernmarken zeigt, dass vor allem die Volumenmarken Volkswagen und Skoda von den Rückgängen betroffen waren. Dagegen konnte sich die Marke Audi mit einem Minus von 3,6 Prozent noch etwas besser behaupten. Nur die Sportwagen von Porsche verbuchten in China ein Absatzplus von acht Prozent, Luxuskarossen der Marke Bentley verkauften sich sogar um 43 Prozent besser als 2020.

VW hat in China wie auch die anderen deutschen Hersteller mit gleich mehreren Entwicklungen zu kämpfen. Um den lukrativen Absatzmarkt gibt es unter den internationalen Autokonzernen einen immer härteren Wettbewerb. Dazu kommen immer mehr Autos von chinesischen Herstellern. Aus gutem Grund, denn in China verkauft VW rund 40 Prozent seiner Fahrzeuge. Und auch ein Gutteil der Erträge für den Konzern kommen aus dem Reich der Mitte mit seinem gigantischen Potenzial.

Autobauer müssen schnell investieren

Zum anderen nimmt China immer mehr Einfluss auf die Struktur seines Automarktes. So hat China ausländischen Konzernen seit diesem Jahr mehr Investitionen in die landeseigene Autoindustrie ermöglicht. Die deutschen Autobauer haben bereits Investitionen angekündigt.

BMW hatte kürzlich mitgeteilt, seine Präsenz in China auszuweiten und noch mehr Modelle im Land zu produzieren. Im ersten Quartal des nächsten Jahres will BMW seinen Anteil am Joint-Venture mit dem chinesischen Partner um 25 Prozent erhöhen. Der Münchener Autobauer würde dann 75 Prozent des Gemeinschaftsunternehmens kontrollieren und wäre der erste westliche Autohersteller mit diesem Privileg. Auch Daimler und Volkswagen haben den Wunsch geäußert, die Mehrheit ihrer chinesischen Joint-Ventures zu übernehmen.

Nicht zuletzt ist China auch der wichtigste Markt für Elektroautos geworden und forciert den Trend zur E-Mobilität. Entsprechend verzeichnete Volkswagen hier zum Jahresende einen Absatzanstieg der Elektro-Modelle der ID-Reihe. Das Ziel für 2021, in China 80.000 bis 100.000 E-Autos verkaufen, hat der Konzern mit "etwas mehr als 70.000" aber ebenfalls verpasst. Laut Wöllenstein will man den Absatz der Modelle mit Elektromotor in diesem Jahr mindestens verdoppeln.

VW-Manager wird abgelöst

Auch mit den anderen Konzernmarken will VW im laufenden Jahr wieder zum Angriff blasen: Die Nachfrage sei weiter da, so der Manager. Während der Gesamtmarkt um vier Prozent wachsen soll, will Volkswagen um 15 bis 16 Prozent zulegen. Die erhoffte Wende wird Wöllenstein aber nur bis zur Jahresmitte begleiten. Der China-Chef von VW wird im August abgelöst.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Januar 2022 um 14:00 Uhr sowie Inforadio um 13:37 Uhr.