Mobilfunkmast des Anbieters Vodafone | REUTERS

Probleme mit Funklöchern Wie sinnvoll sind offene Netze?

Stand: 20.07.2021 14:43 Uhr

In ländlichen Gegenden Deutschlands ist der Handyempfang immer noch lückenhaft, etwa in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten der Eifel. Vodafone schlägt nun eine Öffnung der Netze vor.

Mobilfunknutzer brauchen in einigen Gegenden Deutschlands weiterhin Geduld. Besonders auf dem Land gibt es noch immer Funklöcher. Wie aus einem im Juni veröffentlichten Bericht der Bundesnetzagentur hervorgeht, ist die Versorgung auf elf Prozent der Landesfläche schlecht oder inexistent. 3,8 Prozent der Fläche gelten dem Bericht zufolge als Funkloch: Hier ist gar kein Empfang oder nur mit dem langsamen Standard 2G möglich.

Auch in den Unwettergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist der Mobilfunkempfang lückenhaft, weil viele Masten umgeknickt wurden. Um schnell Abhilfe zu schaffen, hat der Mobilfunkanbieter Vodafone nun vorgeschlagen, die Netze der einzelnen Betreiber zu öffnen. "Wir wären bereit dazu", sagte ein Vodafone-Sprecher. Das hieße, dass Kunden der Konkurrenz mit dem Vodafone-Netz verbunden würden, wenn ihr Anbieter keine funktionierenden Antennen in Reichweite hat. Im Fachjargon wird das vor allem im grenzüberschreitenden Mobilfunk genutzte Verfahren Roaming genannt.

Netzbetreiber zurückhaltend - entweder alle oder keiner?

Sprecher der Deutschen Telekom und von Telefónica (O2) äußerten sich zurückhaltend. Man stehe im Austausch mit den anderen Netzbetreibern und erörtere, "was technisch möglich und sinnvoll ist, um den Menschen vor Ort möglichst schnell zu helfen", sagte ein Telekom-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Telefónica äußerte sich ähnlich. Priorität habe der Wiederaufbau der eigenen Anlagen. Die Techniker der drei Netzbetreiber sind seit Tagen in den Katastrophengebieten unterwegs und arbeiten an der Wiederherstellung ihrer Netze.

Dennoch diskutieren die Firmen auch die Möglichkeit von Roaming. Teilnehmerkreisen zufolge ist der Ausgang völlig offen. Von Telefónica hieß es, "die sehr komplexe und zeitlich aufwendige Implementierung" von Roaming wäre in den Katastrophengebieten "nur gemeinschaftlich durch alle Netzbetreiber zu realisieren". Wenn einer der drei Netzbetreiber sein Netz öffnet, müssten die beiden anderen das auch tun. Denn täte die Konkurrenz es nicht, würde ihm eine Überlastung seines Netzes drohen. Die Antennen seien auf die Bedarfe der jeweiligen Netzbetreiber ausgerichtet, sagt der Telekom-Sprecher. "Wenn nun auf eine Antenne auf einmal das Dreifache an Kunden zugreifen würden, dann würde diese Antenne keine ausreichende Kapazität mehr bieten." Dafür seien die Netze nicht ausgelegt.

Nachholbedarf in vielen Gegenden

Der Sprecher des Bonner Konzerns lässt Zweifel erkennen, ob ein kurzfristiges Katastrophengebiet-Roaming überhaupt eine große Verbesserung brächte. Denn wenn ein Ort verwüstet sei und die Stromversorgung dort noch immer nicht funktioniere, oder wenn Kabeltrassen über Brücken zerstört seien, dann betreffe das alle Anbieter gleichermaßen, sagte er. Durch die Unwetter gingen insgesamt mehrere Hundert Mobilfunkstationen vom Netz, inzwischen sind die meisten aber wieder in Betrieb.

Dennoch sind sich alle Experten einig, dass Deutschland bei der flächendeckenden Versorgung mit Mobilfunknetzen weiterhin Nachholbedarf hat. Laut Bundesnetzagentur gelten 7,2 Prozent der gesamtdeutschen Fläche als graue Flecken. Hier kann nur eines der drei Mobilfunknetze im 4G-Standard empfangen werden, ob von der Telekom, Vodafone oder von Telefónica. Der Bundesnetzagentur zufolge sind es besonders die südlichen Bundesländer, die relativ schlecht versorgt sind. Auf 15,5 Prozent der Fläche Bayerns ist maximal ein einziges Handynetz zu empfangen, auch in Baden-Württemberg (15,1 Prozent) und Rheinland-Pfalz (15,9 Prozent) stehen die Chancen auf guten Empfang in den ländlichen Gegend eher schlecht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 19. Januar 2021 um 18:49 Uhr.