Ein Auszubildender arbeitet an einem Stromkasten | dpa

Ausbildungsmarkt Corona-Delle im dualen System

Stand: 13.04.2022 16:00 Uhr

In Deutschland sind 2021 erneut weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als vor der Pandemie. Zugleich sank die Zahl der Bewerbungen. Auch schlossen weniger weniger Nachwuchskräfte ihre Ausbildung erfolgreich ab.

Seit Beginn der Corona-Krise fällt es Unternehmen in Deutschland schwerer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Zwar haben im vergangenen Jahr hierzulande 467.100 Menschen einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen - und damit mehr als 2020, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das Niveau aus dem Vorkrisenjahr 2019 wurde aber erneut nicht erreicht.

Zum selben Ergebnis kommt auch eine neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), welche in Nürnberg vorgestellt wurde. Demnach gab bei der Befragung des Instituts fast die Hälfte der Betriebe an, dass die Zahl der Bewerbungen zurückgegangen sei. Etwa 40 Prozent berichteten außerdem, dass die Qualität der Bewerbungen abgenommen habe.

Weniger abgeschlossene Ausbildungen

Gleichzeitig sank nach Angaben der Betriebe auch die Zahl der abgeschlossenen Berufsausbildungen: So konnte gerade in einmal 38 Prozent der ausbildenden Betriebe eine Nachwuchskraft ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Zwei Jahre zuvor hatte dieser Anteil noch bei 55 Prozent gelegen. Als Gründe nannten die Betriebe die kleineren Ausbildungsjahrgänge und pandemiebedingte Einschränkungen wie verschobene Prüfungen oder Inhalte, die sich nicht in der vorgesehenen Zeit vermitteln ließen.

Grundsätzlich leidet das duale Ausbildungssystem unter der Konkurrenz akademischer Bildungswege und den sinkenden Zahlen bei den Schulabsolventen. Die Zahl der Bewerber ist seit Jahren tendenziell rückläufig. In der Corona-Krise sind zudem zahlreiche Informationsveranstaltungen an den Schulen sowie Betriebspraktika ausgefallen. Gerade deshalb betonte IAB-Direktor Bernd Fitzenberger die Relevanz des dualen Systems bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels. Doch sowohl die Besetzung der Ausbildungsplätze als auch der erfolgreiche Abschluss habe in der Pandemie deutlich gelitten.

Betriebe wollen attraktiver werden

So berichtete etwa ein Drittel der Betriebe, dass es in der Corona-Krise schwieriger gewesen sei, mit potenziellen Bewerbern in Kontakt zu treten: 43 Prozent boten weniger oder gar keine Praktika für Schüler an - vor allem die Unternehmen, die besonders unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie litten.

Um Ausbildungsplätze dennoch zu besetzen, versuchen viele Betriebe nach eigenen Angaben, attraktiver für die Bewerbenden zu werden, zum Beispiel durch eine bessere Bezahlung und Zusatzleistungen. Gut die Hälfte der Betriebe gab auch an, Kompromisse bei der Qualität der Bewerbungen einzugehen, zum Beispiel beim Schulabschluss. "Dies ist ein wichtiger Schritt, da den vielen unbesetzten Ausbildungsplätzen gleichwohl eine hohe Anzahl an unversorgten Ausbildungsplatzsuchenden gegenübersteht, bei denen es sich oftmals um Jugendliche mit einem niedrigen Schulabschluss handelt", sagte IAB-Forscherin Ute Leber.