Mitarbeiter der Deutschen Post demonstrieren bei einem Warnstreik in den Abendstunden vor dem Paketzentrum in Osterweddingen.  | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Tarifverhandlungen der Post ver.di schließt weitere Streiks nicht aus

Stand: 23.01.2023 13:49 Uhr

Nach dem Warnstreik der Gewerkschaft ver.di müssen die Postmitarbeiter zunächst Millionen liegengebliebene Sendungen zustellen. Vor der nächsten Tarifrunde könnte es aber zu weiteren Arbeitsniederlegungen kommen.

Die Postkunden sollten sich nach dem dreitägigen Warnstreik von Post- und Paketzustellern auf weitere Protestaktionen der Gewerkschaft ver.di einstellen. Sie behält sich weitere Protestaktionen bei der Deutschen Post vor der dritten Verhandlungsrunde Anfang Februar vor.

Die Tarifverhandlungen sollen am 8. und 9. Februar 2023 fortgesetzt werden. Neue Streiks seien nicht ausgeschlossen, betonte ein ver.di-Sprecher: "Zu konkreten Planungen äußere ich mich nicht."

Zugestellt bis Dienstagabend

Zunächst geht es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Post aber darum, die nach dem dreitägigen Warnstreik liegengebliebenen Sendungen zu bearbeiten - drei Millionen Briefe und eine Million Pakete sind jetzt zuzustellen. Die betroffenen Sendungen entsprechen Unternehmensangaben zufolge etwa 15 Prozent des Tages-Durchschnitts bei den Paketen und sechs Prozent bei den Briefen.

Man werde diese Sendungen bis spätestens Dienstagabend zustellen, versicherte ein Post-Sprecher. "Da solche Arbeitskampfmaßnahmen auch schon in früheren Jahren hin und wieder stattgefunden haben, gibt es eingespielte Prozesse, um dadurch aufgelaufene Rückstände so schnell wie möglich abzubauen."

"Klares Signal an Arbeitgeber"

Ver.di hatte Brief- und Paketzentren von Donnerstag bis Samstag bestreikt. Die Gewerkschaft fordert in Tarifverhandlungen 15 Prozent mehr Geld bei einer Vertragslaufzeit von einem Jahr für die 160.000 Beschäftigte im Inland. Die Ausbildungsvergütungen sollen um monatlich 200 Euro angehoben werden.

Die Gewerkschaft will die Warnstreiks als "klares Signal an die Arbeitgeber" verstanden wissen. Diese hätten in der zweiten Verhandlungsrunde deutlich gemacht, dass sie nicht bereit und in der Lage seien, die Reallohnverluste der Tarifbeschäftigten auszugleichen. "Das ist eine Provokation, auf die die Beschäftigten nun eine klare Antwort geben", so ein Sprecher.

"Realitätsferne Forderung"

Die Post hatte die Gehaltsforderung bereits mehrfach als realitätsfern abgewiesen. Das Unternehmen hatte angekündigt, in der dritten Verhandlungsrunde ein Angebot auf den Tisch legen zu wollen.

Der Konzern erwartet für das Jahr 2022 einen Rekordgewinn von etwa 8,4 Milliarden Euro. "Auch vor diesem Hintergrund sind unsere Tarifforderungen notwendig, gerecht und machbar", so Ver.di-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Januar 2023 um 14:10 Uhr in den Nachrichten.