Hände träufeln Lösung in einen Corona-Test | dpa

Verbände schreiben Merkel Firmen sprechen von Test-Fortschritten

Stand: 06.04.2021 10:59 Uhr

Laut Wirtschaftsverbänden bieten inzwischen 80 bis 90 Prozent der Firmen ihrem Personal bereits jetzt oder in Kürze Corona-Tests an. Eine Umfrage unter Mitarbeitern kommt zu einem ganz anderen Ergebnis.

Die deutsche Wirtschaft setzt die Selbstverpflichtung zu Angeboten regelmäßiger Corona-Test für Mitarbeiter nach eigenen Angaben inzwischen weitgehend um. "Zwischen 80 und 90 Prozent der deutschen Unternehmen testen oder bereiten den Teststart unmittelbar vor", erklären die Spitzenverbände der Wirtschaft in einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert. Der Testappell zeige "trotz kurzer Vorbereitungsphase" Wirkung.

Laut einem "Sachstandsbericht", der auf aktuelle Firmenbefragungen verweist, testen derzeit 87 Prozent der Betriebe insgesamt und 91 Prozent der Unternehmen in der Industrie ihre Beschäftigten bereits regelmäßig auf eine Corona-Infektion oder sie planen dies in Kürze zu tun.

"Wir wollen nicht verschweigen, dass es auch Herausforderungen gibt", schrieben die Verbände". "Dazu zählen Lieferschwierigkeiten und Beschaffungsprobleme, aufwändige Organisation der Tests in Betrieben sowie eine zögerliche Annahme des Testangebots bei Beschäftigten und zusätzlich rechtliche Unsicherheiten."

Mangelnde Verfügbarkeit bleibt Problem

Am 9. März hatten die Spitzenverbände an die Unternehmen appelliert, ihren Beschäftigten Selbsttests, und wo dies möglich sei, Schnelltests anzubieten, um Infektionen frühzeitig zu erkennen. Eine Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags hatte Mitte März ergeben, dass zum damaligen Zeitpunkt gut die Hälfte der Betriebe regelmäßig Tests anbot oder plante, dies in Kürze zu tun. Bis dahin hatte allerdings nur rund ein Fünftel der befragten Unternehmen bereits eine Teststrategie umgesetzt. Verbände wie der Handelsverband Deutschland (HDE) hatten die mangelnde Verfügbarkeit von Tests für die Betriebe angemahnt.

Das aktuelle Schreiben an Kanzlerin Merkel ist unterzeichnet von den Präsidenten Rainer Dulger (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände), Siegfried Russwurm (Bundesverband der Deutschen Industrie), Peter Adrian (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) und Hans Peter Wollseifer (Zentralverband des Deutschen Handwerks).

Umfrage zeichnet ganz anderes Bild

Ein völlig anderes Bild als die Wirtschaftsverbände zeichnet die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung auf Basis einer Online-Erhebung, die auf der Auswertung von 2832 Datensätzen des Portals lohnspiegel.de in der zweiten März-Hälfte beruht. Demnach bekommen nur 23 Prozent der in Präsenz Beschäftigten vom Arbeitgeber mindestens einmal wöchentlich einen kostenlosen Corona-Schnelltest angeboten.

Für weitere sechs Prozent würden Schnelltests zwar schon angeboten, jedoch noch nicht im vorgesehenen Umfang. Weitere 17 Prozent der Beschäftigten gaben an, dass der Arbeitgeber die Einführung bereits angekündigt, aber noch nicht umgesetzt habe. Für eine Mehrheit von 54 Prozent der Arbeitnehmer gebe es jedoch weder betriebliche Schnelltests noch seien diese angekündigt.

Debatte über Testpflicht

Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ sei, erlaube die hohe Fallzahl einen detaillierten Einblick in die Arbeitsbedigungen, erklärte die Hans-Böckler-Stiftung. Trotz eindringlicher Appelle laufe demnach das Testprogramm in den Betrieben bisher nur schleppend an. Die "enttäuschend geringe Umsetzungsquote" zeige, dass eine verbindliche Regulierung für eine "konsequente und rasche Einführung" von betrieblichen Schnelltests notwendig sei, erklärte Elke Ahlers vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Stiftung.

Eine Testpflicht für Betriebe halten die Wirtschaftsverbände laut ihrem Schreiben an die Bundeskanzlerin dagegen nicht für sinnvoll. Der Bedarf an Selbsttests könne derzeit noch nicht in ausreichendem Maße gedeckt werden. "Daran wird auch eine gesetzliche Test-Pflicht für Betriebe nichts ändern."

Politik muss über Umsetzung entscheiden

Die Bundesregierung hatte vor zwei Wochen nach Beratungen mit den Ländern angekündigt, auf der Grundlage des Berichts sowie auf der Grundlage einer eigenen Erhebung zu bewerten, ob ein "regulatorischer Handlungsbedarf" in der Arbeitsschutzverordnung bestehe. Gesetzliche Vorgaben für Tests in Firmen wären dann möglich.

Laut dem Beschlusspapier von Bund und Ländern sollen Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice arbeiten, mindestens einmal und bei entsprechender Verfügbarkeit zwei Mal pro Woche Tests angeboten und bescheinigt werden. In der vergangenen Woche hatte sich Kanzlerin Merkel unzufrieden mit den bisherigen Testangeboten der Unternehmen gezeigt. Sie hatte gleichzeitig deutlich gemacht, dass bei ungenügender Umsetzung durch die Wirtschaft eine gesetzliche Regelung für Testangebote an die Mitarbeiter zeitnah kommen könnte.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. April 2021 um 16:00 Uhr.