Die Vorstandsmitglieder der Veganz Group AG, Möller, Brachmüller, Bredack und Bea (v.l.n.r.), vor der Frankfurter Börse | dpa

Veganz geht an die Börse Vegane Lebensweise in Aktienform

Stand: 10.11.2021 14:43 Uhr

Als erster deutscher veganer Lebensmittelhersteller ist Veganz an die Börse gegangen. Die Kursentwicklung am ersten Handelstag der Aktie enttäuschte die Anleger. Wie sind die Perspektiven der Unternehmens?

Von Bianca von der Au, ARD-Börsenstudio

Camembert aus Cashewnüssen oder veganer Lachs aus Algen - das ist das Geschäftsmodell des Berliner Unternehmens Veganz. Die Nachfrage nach veganen Fisch- und Käsealternativen ist groß. Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz von Veganz auf 27 Millionen Euro. Allerdings fuhr das Unternehmen gleichzeitig einen Verlust von fünf Millionen Euro ein.

Der Börsengang soll dem Unternehmen nun frisches Kapital bringen. Veganz-Gründer Jan Bredack will mit den Einnahmen von eine Produktion für veganen Käse, Fisch und Fleisch bei Berlin aufbauen.

"Unsere Vision ist es, möglichst vielen Menschen pflanzliche Ernährung zugänglich zu machen. Und um jetzt das zarte Pflänzchen richtig zum Blühen zu bringen, ist es wichtig, auch aus dem Kapitalmarkt eine gewisse Resonanz zu erfahren", sagt Bredack. Er nennt noch einen zweiten Grund für den Börsengang: Ziel sei, "unseren vielen Fans und Kunden, Kundinnen die Chance" zur Beteiligung zu geben - über den Kauf einer Veganz-Aktie.

Kurs fällt deutlich unter Ausgabepreis

Der erste Kurs der Aktien blieb mit 86,90 Euro leicht unter dem Ausgabepreis von 87 Euro. Im weiteren Handelsverlauf rutschte der Kurs sogar bis auf 82,90 Euro ab.

Dennoch schien der Zeitpunkt für einen Börsengang insgesamt günstig. Die Boston Consulting Group geht davon aus, dass der Markt für alternative Proteine bis 2035 auf 290 Milliarden US-Dollar weltweit wächst. BCG-Partner Benjamin Morach hat das Potenzial berechnet. "Wir glauben, dass über die nächsten zehn bis 15 Jahre ungefähr jede zehnte Portion an Proteinen - sei es in der Spaghetti Bolognese bis hin zur Pizza oder dem Stück Fleisch - ersetzt wird durch alternative Proteine", sagt Morach. "Und wir haben schon auch gesehen, dass das Phänomen nicht nur bei den Vegetariern oder Veganern stattfinden wird, sondern auch im breiten Massenmarkt ankommen wird."

Doch dazu - auch das ein Ergebnis der Studie - müssen vegane Produkte geschmacklich und preislich konkurrenzfähig werden. Genau das könnte der Knackpunkt sein, glaubt Kapitalmarktanalyst Stefan Riße von der privaten Vermögensverwaltung Acatis: "Das wird dauern, bis das wirklich ein Massenmarkt wird und vor allem, bis man damit Geld verdient. Die Erzeugung solcher Fleischersatzprodukte ist halt teurer als Fleisch."

Ein wachsender Trend im Angesicht des Klimawandels

Immer mehr Menschen kaufen vegane Produkte, das belegen auch Zahlen des Statistischen Bundesamts. Zwar ist der Anteil echter Veganer mit gut einer Million Menschen in Deutschland immer noch sehr gering. Doch immerhin sei die Zielgruppe schon deutlich größer als vor zehn Jahren bei der Gründung von Veganz. "Das war für eine ganz kleine Nische von Menschen, die eher Tierschutz oder durch Ernährung den Protest an der Gesellschaft ausgedrückt haben", erinnert sich Bredack. "Zwischenzeitlich war es auch mal Lifestyle. Inzwischen ist es aber so, dass Umweltbewusstsein und Klima im Kontext der Ernährung schon durchschlägt."

Vielleicht hilft das auch dem Unternehmen, das im Übrigen als veganer Supermarkt mit eigenen Filialen gestartet war. Diese mussten allerdings schon nach kurzer Zeit wieder schließen. 2017 meldete Veganz Insolvenz an. Nun also als nächster Schritt der Börsengang - nicht als vegane Supermarktkette, sondern als Produzent von veganem Fisch, Fleisch und Käse. Produkte, die Veganz immerhin schon in 28 Länder der Welt vertreibt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. November 2021 um 13:37 Uhr.