Corona-Impfstoff von Valneva | picture alliance / TT NYHETSBYR?

Corona-Totimpfstoff Valneva wirkt offenbar auch gegen Omikron

Stand: 20.01.2022 09:18 Uhr

Noch läuft das Zulassungsverfahren für den Corona-Impfstoff von Valneva. Eine Laborstudie weckt aber Hoffnungen: Der Totimpfstoff könnte demnach auch die Omikron-Variante des Coronavirus neutralisieren.

Der vor einer möglichen Zulassung in Europa stehende Corona-Impfstoff des österreichisch-französischen Biotechunternehmens Valneva wirkt offenbar auch gegen die Omikron-Variante. Die Ergebnisse einer ersten Laborstudie zeigten, dass Serumantikörper, die nach drei Dosen gebildet wurden, die Omikron-Variante neutralisieren, teilte der Konzern gestern Abend mit.

Unter Serum versteht man den flüssigen Teil des Blutes nach der abgeschlossenen Blutgerinnung. Das Serum erhält somit weder Blutzellen noch Gerinnungsfaktoren, aber verschiedene Arten von Proteinen, die nicht am Gerinnungsprozess beteiligt sind - einschließlich Antikörper.

87 Prozent Wirksamkeit gegen Omikron

Für die Studie wurden nun die Seren von 30 geimpften Teilnehmern einem im Labor manipulierten Virus ausgesetzt. Alle getesteten Seren zeigten dem Unternehmen zufolge neutralisierende Antikörper gegen das ursprüngliche Virus und gegen die Delta-Variante. 26 Proben (87 Prozent) zeigten überdies neutralisierende Antikörper gegen die inzwischen dominierende Omikron-Variante.

"Wir sind sehr zufrieden mit diesen Ergebnissen, die das Potential für einen breiten Schutz unseres inaktivierten, adjuvantierten Ganzvirusimpfstoffs und seine Fähigkeit, derzeit zirkulierende Varianten zu bekämpfen, bestätigen", sagte Valneva-Chefmediziner Juan Carlos Jaramillo. Die neuen Ergebnisse würden frühere Erkenntnisse einer Phase-3-Studie ergänzen, die gezeigt hätten, dass zwei Dosen eine verbesserte Immunantwort zeigen.

Wie funktioniert der Totimpfstoff von Valneva?

Dass der Valneva-Impfstoff womöglich gegen die Omikron-Variante schützt, könnte auch an seinem Design liegen: Bei dem Valneva-Vakzin handelt es sich nämlich um einen klassischen Totimpfstoff. Es enthält das komplette Sars-CoV-2-Virus - natürlich inaktiviert (abgetötet). Der Vorteil von Ganzvirus-Totimpfstoffen ist, dass sie dem Immunsystem mehr Angriffsziele als nur das Spike-Protein anbieten.

Allerdings deutet die bisherige Studienlage nicht daraufhin, dass Totimpfstoffe den millionenfach erprobten mRNA-Impfstoffen generell überlegen sind. So fanden sich etwa laut einer Studie in den Blutproben von 25 Personen, die zweimal mit dem chinesischen Totimpfstoff CoronaVac geimpft wurden, keine neutralisierenden Antikörper gegen Omikron.

Zulassung noch im ersten Quartal?

Unterdessen gestaltet sich das Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA eher holprig. Zu Wochenanfang hatte die EMA bekanntgegeben, noch auf zusätzliche Daten zu warten, um über eine Zulassung entscheiden zu können. Das hatte an der Pariser Börse für einen Kurseinbruch der Valneva-Aktie gesorgt, bei Marktteilnehmern schwanden die Hoffnungen auf eine rasche Zulassung.

Gestern nun stellte Valneva auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters klar, dass man weiterhin mit einer Zulassung des Covid-19-Impfstoffes im ersten Quartal rechne. Der Gesundheitsbehörde EMA seien bereits alle verfügbaren Daten übermittelt worden, hieß es. "Wir erwarten, dass wir die restlichen Daten in den kommenden Wochen vorlegen werden."

EU sicherte sich Millionen Valneva-Dosen

Die EU-Kommission hat bereits im November einen Vertrag mit dem österreichisch-französischen Biotechunternehmen über die Lieferung von bis zu 60 Millionen Impfdosen in den kommenden zwei Jahren abgeschlossen - vorausgesetzt, das Mittel wird zugelassen.

Angesichts der aktuellen Lage auf die Zulassung des Vakzins von Valneva zu warten, empfiehlt aber selbst der Valneva-Chef nicht: "Ich rate niemandem, auf unseren Impfstoff zu warten", sagte Thomas Lingelbach dem "Spiegel". "Das wäre ethisch inakzeptabel." Er selbst habe sich kürzlich mit dem mRNA-Vakzin von BioNTech boostern lassen.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 20. Dezember 2021 um 05:30 Uhr.