Logo des brasilianischen Fleischproduzenten JBS auf einer Fabrik in den USA | AFP

Nach Hackerangriff Fleischproduzent JBS zahlt Lösegeld

Stand: 10.06.2021 07:13 Uhr

Der weltgrößte Fleischkonzern JBS hat offenbar elf Millionen Dollar Lösegeld nach einem Cyberangriff von Hackern gezahlt. Es war ein weiterer Vorfall in einer Reihe von Erpressungen gegen Unternehmen in den USA.

Die US-Tochtergesellschaft des brasilianischen Fleischverarbeiters JBS hat nach einem Hackerangriff umgerechnet elf Millionen Dollar Lösegeld gezahlt. Die Zahlung sei erfolgt, um eine weitere Störung durch die Hacker zu verhindern und den reibungslosen Betrieb der betroffenen Standorte wiederherstellen zu können, erklärte das in Dallas ansässige Unternehmen. Laut US-Medien erfolgte die Zahlung in Bitcoin.

Nach Angaben der US-Regierung hatte das Unternehmen eine Lösegeldforderung von einer kriminellen Organisation wahrscheinlich mit Sitz in Russland erhalten. Die Attacke hatte die JBS-Produktion in Australien lahmgelegt sowie in Kanada und den USA beeinträchtigt.

"Eine schwierige Entscheidung"

"Dies war eine sehr schwierige Entscheidung für unser Unternehmen und für mich persönlich", erklärte Geschäftsführer Andre Nogueira. "Wir waren jedoch der Meinung, dass diese Entscheidung getroffen werden musste, um ein mögliches Risiko für unsere Kunden zu vermeiden."

Zwar seien die Untersuchungen noch im Gange, vorläufige Ergebnisse hätten jedoch nahegelegt, "dass keine Unternehmens-, Kunden- oder Mitarbeiterdaten kompromittiert wurden."

US-Ermittler vermuten Russland dahinter

US-Präsident Joe Biden hatte vergangene Woche gesagt, die Ermittler hätten Russland mit dem Fall JBS in Verbindung gebracht. "JBS USA stand während des gesamten Vorfalls in ständigem Kontakt mit Regierungsvertretern", erklärte das Unternehmen.

In den USA kämpfen Staat und Wirtschaft derzeit gegen eine Reihe von Angriffen mit einer Erpressungssoftware, "Ransomware" genannt. Dabei werden die Daten der angegriffenen Systeme verschlüsselt. Die Hacker verlangen Geldzahlungen in Kryptowährung, damit sie den Zugang wieder freigeben und die Daten nicht veröffentlichen.

Lösegeldzahlung in Bitcoin

Vergangenen Monat war auch das US-Versorgungsunternehmen Colonial Pipeline Opfer eines Hackerangriffs mit einem Erpressungstrojaner geworden, der das gesamte Rohrleitungsnetz vorübergehend stillgelegt hatte. Die US-Bundespolizei FBI macht eine Hackergruppe namens "Darkside" für die Attacke verantwortlich und spürte das von Colonial gezahlte Lösegeld in Höhe von 75 Bitcoin  - nach damaligem Wert 4,4 Millionen Dollar - später auf.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juni 2021 um 05:00 Uhr.