Flugzeug wird betankt | picture alliance / imageBROKER

Spar-Appell an Piloten US-Airlines ringen mit Kerosinmangel

Stand: 27.07.2021 15:54 Uhr

Weil an vielen US-Flughäfen das Kerosin knapp wird, halten US-Airlines inzwischen ihre Piloten zum Spritsparen an. Wegen Spritmangels könnten auch Flüge ausfallen.

In den USA hat die deutliche Belebung des Flugverkehrs in diesem Sommer ungewöhnliche Folgen: Der Vorrat an Kerosin ist an einigen Flughäfen so niedrig, dass Airlines Piloten zum Spritsparen auffordern und sogar Verzögerungen und der Ausfall von Verbindungen möglich scheinen. Treibstoff sparen können Piloten etwa, wenn sie nach dem Start kontinuierlich statt in Stufen aufsteigen oder ein Triebwerk beim Ausrollen nach der Landung abschalten. Allgemein spart es Kerosin, wenn etwa Warteschleifen vor der Landung vermieden werden. 

Nachschubprobleme noch mehrere Wochen

Die Fluggesellschaft American Airlines hat ihre Piloten aufgefordert, so viel Treibstoff wie möglich zu sparen. "Jede Gallone ist hilfreich", erklärte Manager John Dudley gestern. Kerosin sei in den USA aktuell knapp - hinzu komme, dass auch Tanklastwagen und Fahrer fehlten, erklärte Dudley. Er rechne noch bis Mitte August mit Nachschubschwierigkeiten.

Vor allem im Westen der USA an kleineren Flughäfen wird das Kerosin knapp. Im Bundesstaat Nevada hatte Gouverneur Steve Sisolak bereits am Samstag vor Treibstoffengpässen gewarnt. Sie könnten bei Passagier- und Frachtflügen vom Flughafen Reno-Tahoe zu Verzögerungen führen. 

Pipelines befördern mehr Benzin und Diesel

Die Fluggesellschaft Delta erklärte, Grund für die Knappheit seien die geringen Kapazitäten in den Pipelines: Während der Corona-Pandemie sei weniger Kerosin benötigt und entsprechend weniger durchgeleitet worden - dafür mehr Benzin und Diesel. 

Zugleich fehlten aber auch Tanklastwagen und sogar Lkw-Fahrer für die Tanklastzüge, um schnell für ausreichend Nachschub an Kerosin zu sorgen, berichtet der TV-Sender CNBC. Das hat ungewöhnliche Maßnahmen zur Folge: Laut dem Sprecher der Pilotengewerkschaft bei American Airlines gegenüber AFP müssen Maschinen teils mehr Kerosin tanken als bisher, um nicht auf einem kleinen Flughafen ohne Vorräte zu stranden. Das höhere Gewicht muss dann eventuell sogar durch weniger Passagiere ausgeglichen werden. 

US-Urlauber bleiben im Inland

Entstanden ist der Mangel an Nachschub in den vergangenen Wochen durch einen sprunghaft angestiegenen Inlandsflugverkehr in den USA. Dieser wiederum ist auf einen stark gestiegenen Urlaubsreiseverkehr der Amerikaner im eigenen Land zurückzuführen. Da viele von ihnen nur mit Covid-Tests oder geimpft internationale Ziele erreichen können, steuern nun mehr US-Bürger touristische Ziele im Inland an - vor allem an der Westküste. Der Bozeman Yellowstone International Airport in Montana am Rande des Yellowstone-Nationalparks etwa verzeichnete im vergangenen Monat einen Passagierzuwachs von mehr als einem Drittel im Vorjahresvergleich.