Ein Flugzeug startet am Frankfurter Flughafen in den Abendhimmel | AP

Urlaub in den Herbstferien Optimismus im Gepäck

Stand: 07.10.2021 08:11 Uhr

In den Herbstferien wollen viele Bundesbürger in die Sonne fliegen. Die Reiseveranstalter berichten von einer hohen Nachfrage nach Pauschalreisen. Wegen der Pandemie suchen aber viele nach Alternativen in Deutschland.

Von Jens Eberl, WDR

Wer sich bei Deutschlands größtem Reiseanbieter TUI die aktuellen Buchungszahlen ansieht, könnte meinen, viele Urlauber hätten die Corona-Krise bereits hinter sich gelassen. Die Reisefreude scheint zurück: Viele wollen im Herbst an sonnigen Orten Urlaub machen. "Die Top 3 belegen Antalya, Mallorca und Kreta", sagt Aage Dünhaupt von TUI. "Die Türkei ist aktuell als Hochrisikogebiet eingestuft - aber Antalya ist dennoch das beliebteste Reiseziel in den Herbstferien."

Jens Eberl

Der Mut zu Auslandsreisen habe wieder zugenommen. "Die Menschen wissen mit dem Virus umzugehen, und die wichtigen Reisedestinationen sind auch keine Risikogebiete mehr. Durch den Impffortschritt gibt es neue Freiheiten, und die werden auch umgehend genutzt", sagt Dünhaupt. Das Flugangebot sei entsprechend aufgestockt worden.

Viele Länder verlängern Saison

"Viele Länder am Mittelmeer - darunter Griechenland, Italien und Türkei - verlängern in diesem Jahr die Saison, sodass dort Hotels und Ferienanlagen länger als üblich Gäste empfangen und damit auch noch Ende Oktober und im November als Ziel in Frage kommen", berichtet Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband.

Es gibt einiges nachzuholen. Trotz eines anhaltenden Trends zu Zielen im eigenen Land und den angrenzenden Ländern bleibe auch im Herbst die Flugpauschalreise das am stärksten nachgefragte Reiseprodukt in Reisebüros und auf Reiseportalen. "Die Komplettangebote von Reiseveranstaltern mit Flug, Hotel und Transfer haben rund 70 Prozent Umsatzanteil an den Buchungen", so Heinen. "Auch Kreuzfahrten, sowohl auf dem Meer als auch auf den Flüssen, verzeichnen für die kommenden Wochen hohen Zuspruch."

Doch auch Reiseziele in Deutschland werden nach wie vor stark nachgefragt. Die klassischen Deutschland-Ziele lägen entweder an den Küsten in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein oder in den Bergen in Süddeutschland. Ansonsten seien Städtereisen nach Hamburg, Berlin oder München gefragt.

Nach wie vor weniger Buchungen in Städten

Norbert Kunz vom Deutschen Tourismus-Verband tritt ein wenig auf die Euphoriebremse. "Viele Städte müssen weiterhin pandemiebedingte Rückgänge verkraften, vor allem von internationalen Gästen und Geschäftsreisenden", sagt er. Auch wenn die Gästezahlen seit dem Sommer mancherorts gegenüber 2020 gestiegen seien, werde der Städtetourismus noch lange brauchen, um sich zu erholen. Mit Blick auf die Infektionslage im Herbst und Winter bleibe die Lage instabil und die Verunsicherung groß. Viele Betriebe seien weiterhin auf Hilfen angewiesen.

Das bestätigt auch Stephan Semmelmayr, Geschäftsführer von Chiemgau Tourismus. Kurz- und mittelfristig werde es noch einige Pleiten geben, aufgrund der Staatshilfen wohl etwas zeitverzögert. "Aber jede Krise ist eine Chance", sagt Semmelmayr. Die Pandemie habe das Reiseverhalten verändert. Wer sich jetzt anpasse, könne profitieren: "Themen wie 'bewusster Reisen' oder 'Staycation' statt möglichst viel in kurzer Zeit, das Eintauchen in die Lebenswirklichkeit der Einheimischen, wie beim Urlaub auf dem Bauernhof - all das wird zukünftig stark profitieren."

Auch im Chiemgau spüre man allerdings, dass die Urlauber wieder vermehrt ins Ausland reisen. Der Buchungsdruck sei nicht mehr so extrem. Der Chef des Chiemgau Tourismus geht allerdings davon aus, dass die Reisenden Deutschland durch die Pandemie als Reiseland dauerhaft wieder entdeckt haben.

Optimismus in den Regionen

Tonia Haag von Tourismus NRW sieht ein "zartes Pflänzchen Optimismus". "Allen Widrigkeiten zum Trotz - Corona, schlechtes Wetter und nicht zuletzt die Hochwasserkatastrophe in einigen Gebieten - war im Sommer ein Aufwärtstrend unverkennbar. Insbesondere Campingplätze, Ferienwohnungen und Bauernhöfe konnten sich über eine sehr gute Auslastung freuen." Mehrere Regionen hätten zudem deutlich längere Aufenthalte als in der Vor-Corona-Zeit registriert. Aus diesen Erfahrungen blicke man vorsichtig optimistisch auf den Herbst, auch wenn flächendeckend noch kein Vor-Corona-Niveau zu erwarten sei.

Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH hat das Reiseverhalten sogar erforschen lassen. "Wir wissen aus aktuellen Erhebungen, dass rund die Hälfte der reisewilligen Deutschen ihren Herbst- bzw. Winterurlaub in diesem Jahr innerhalb des eigenen Landes verbringen möchte", berichtet Geschäftsführer Stefan Zindler. "Erholungsreisen, Städtetrips, Wander- und Natururlaube zeichnen sich hierbei als besonders beliebte Reiseformen ab." In den rheinland-pfälzischen Regionen gebe es eine hohe Nachfrage nach Aktivitäten und Angeboten in der freien Natur, wie Wandern oder E-Bike fahren, aber auch Urlaubsangebote, die in Zusammenhang mit Genuss und Wein stünden, seien gerade im Herbst sehr beliebt.

Grundsätzlich blicke man optimistisch auf die gerade angelaufene Herbstsaison und die anstehenden Ferien. Allerdings haben einige Regionen nicht nur mit Corona zu kämpfen. Neben Teilen der Eifel ist insbesondere das Ahrtal hart von der Flut und ihren Folgen getroffen worden. Rund 60 Prozent aller Übernachtungs- und Gastronomiebetriebe haben dort direkt mit den Auswirkungen dieser Katastrophe zu kämpfen. "Doch auch hier schaffen sich Optimismus und Aufbruchsstimmung ihren Platz - die überwältigende Mehrheit der Betriebe sowie der Winzer und Weinbauschaffenden in der Region bereiten den Wiederaufbau vor", so Zindler. Und in diesen Regionen sei man mehr denn je auf Touristen angewiesen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Oktober 2021 um 07:32 Uhr.