Die Statue der Justizia. | dpa

Klagen und Prozesse Chef sein kann teuer werden

Stand: 15.12.2021 12:34 Uhr

Viele träumen von der großen Karriere - doch an der Spitze von Unternehmen weht oft ein rauher Wind. Immer häufiger sehe sich Führungspersonal mit Klagen und Prozessen konfrontiert, warnt die Allianz-Tochter AGCS.

Chefposten versprechen Einfluss, Ansehen, Gestaltungsmöglichkeiten und ein hohes Gehalt, doch die Risiken für solche Tätigkeiten nehmen nach einer Untersuchung der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) zu.

"Interessengruppen prüfen immer kritischer, was Unternehmen und ihr Management tun und wofür sie stehen - und dies führt oft zu Klagen und Prozessen", erläutert Shanil Williams von AGCS. Der Industrieversicherer ist eine Tochter des Münchanner Versicherungsriesen Allianz; Williams' Sparte bietet Versicherungslösungen an, mit denen Unternehmen und Manager vor Vermögensschäden geschützt werden sollen. In der Branche werden solche Produkte auch "D&O"-Versicherung genannt. "D&O" steht für "Directors and Officers".

Insolvenzen Hauptursache für Klagen

Große Risiken drohen insbesondere dann, wenn Klagen wegen einer fehlerhaften Unternehmensführung erhoben werden. Laut dem Versicherer nimmt die Zahl der Haftungs- und Schadenersatzklagen zu. Traditionell seien Insolvenzen eine der Hauptursachen für D&O-Ansprüche, da die Insolvenzverwalter versuchten, die Verluste zu kompensieren, erläutert Stephan Geis von AGCS. "Es gibt viele Möglichkeiten, wie Aktionäre oder andere Interessengruppen nach einer Insolvenz gegen Geschäftsführer vorgehen können. Beispielsweise könnten Kläger behaupten, dass Führungskräfte ihr Unternehmen nicht angemessen auf eine Pandemie oder auf längere Zeiträume mit geringeren Einnahmen vorbereitet hätten."

Das Geschäft mit den D&O-Versicherungen gilt daher als schwierig; manche Versicherer haben sich wegen der hohen Risiken bereits aus dem Markt zurückgezogen oder ihre Deckungssummen reduziert. Die Allianz will aber weiter solche Produkte anbieten.

Hohe IT-Risiken

Auch die von der Pandemie getriebene Beschleunigung der Digitalisierung bedeutet für Unternehmen erhöhte Risiken im Bereich der Cybersicherheit. "IT-Systemausfälle oder Cyberangriffe könnten kostspielige Betriebsunterbrechungen und Mehrkosten verursachen", sagte Geis. Für die Manager eines von Hackern erfolgreich angegriffenen Unternehmens können demnach Regressforderungen von Kunden sehr risikoreich sein, dazu Kosten für Rechtsberatung, Umsatzrückgänge und Geldbußen.

Insbesondere in den USA steigt nach Einschätzung der AGCS die Neigung, ausländische Unternehmen zu verklagen. "Die finanziellen Hürden für eine Klage in den USA sind deutlich niedriger als in vielen anderen Ländern, und die US-Gerichte und Jurys gelten traditionell als klägerfreundlich", berichtete die Versicherung. Eine Entwicklung, von der beispielsweise der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer seit Jahren betroffen ist.

Gefahren durch SPACs

Ebenfalls aus den USA stammt ein Trend, mit Hilfe von Special Purpose Acquisition Companies (kurz SPACs) Börsengänge zu vereinfachen. Eine Gruppe von Investoren gründet dabei eine Firma und bringt diese an die Börse. Anschließend wird nach Unternehmen gesucht, die ihr Geschäft in dieses Vehikel einbringen und damit schnell an die Börse bringen wollen. Zu den möglichen Stolperfallen dabei zählen laut AGCS Betrugsversuche sowie falsche oder nicht ausreichende Finanzinformationen für Finanzaufsichtsbehörden. SPACs könnten daher Führungskräfte teuer zu stehen kommen.

Ein aktuelles Beispiel für mögliche Risiken sind die Pläne des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, dessen neu gegründete Social Media-Firma "Truth Social" über das SPAC "Digital World Aquisition Corp" an die Börse gebracht werden soll. Kurz nach Bekanntgabe der Pläne schaltete sich die US-Börsenaufsicht SEC ein, laut Medienberichten werden mögliche Unregelmäßigkeiten geprüft.

Klimawandel birgt Rechtsrisiken

Auch durch den Klimawandel sähen sich Banken und Versicherungen neuartigen Risiken gegenüber, so die Allianz-Sparte. So werde von ihnen erwartet, die Verantwortung für klimabedingte Risiken selbst zu tragen und diese angemessen und rechtzeitig zu dokumentieren und offenzulegen. Durch das sich verschärfende regulatorische Umfeld und die Aussicht auf Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Klimawandel oder "Greenwashing" könnten sich danach potenziell Rechtsrisiken ergeben.