Menschen arbeiten am späten Nachmittag in einem Bürogebäude am Kurfürstendamm in Berlin | dpa

Steigende Energiekosten Zahlungsmoral bei Unternehmen sinkt

Stand: 11.10.2022 08:29 Uhr

Firmen können ihre Rechnungen immer häufiger nicht pünktlich zahlen, wie aus Erhebungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervorgeht. Dies könnte mehr Insolvenzen zur Folge haben.

In Deutschland ist mit mehr Firmenpleiten zu rechnen - davon geht die Auskunftei Creditreform aus, die Zahlungsvorgänge von Unternehmen erfasst. Schon jetzt werden offene Rechnungen zunehmend mit Verzug beglichen.

Vom Kleinunternehmen bis zum Großkonzern

Die sinkende Bereitschaft, offene Rechnungen zu begleichen, betreffe Unternehmen aller Branchen und Größen, so der Leiter der Wirtschaftsforschung von Creditreform, Patrik-Ludwig Hantzsch gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Dabei ist es egal, ob Kleinunternehmen, Mittelständler oder Großkonzerne, Unternehmen aller Größenklassen lassen ihre Kreditgeber zurzeit länger und über das gesetzte Zahlungsziel hinaus auf den Geldeingang warten", sagte Hantzsch.

Laut Creditreform wurden zuletzt bundesweit mehr als 2,1 Millionen überfällige Rechnungen beglichen, rund 280.000 Unternehmen zahlten dabei deutlich verspätet.

Trend zu mehr Insolvenzen

Der Wirtschaftsauskunftei zufolge sind für die schlechtere Zahlungsmoral der Firmen vor allem die gestiegenen Energiekosten verantwortlich. Das Ausfallrisiko bei den Unternehmen steige "fast wöchentlich" so Hantzsch. Der Experte sieht zwar noch keine Insolvenzwelle auf Deutschland zurollen, befürchtet aber eine "Trendwende im Insolvenzgeschehen". Für das erste Quartals 2023 geht er von einem starken Anstieg der Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen aus.

Unter den wichtigsten deutschen Branchen sei derzeit vor allem die Bauwirtschaft von verspäteten oder ausbleibenden Zahlungen betroffen, die bislang eher ein Konjunkturmotor für die deutsche Wirtschaft gewesen sei.

Bereits im September war die Zahl von Firmenpleiten laut Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) deutlich gestiegen. Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften kletterte um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 762, so eine IWH-Statistik. Neben den Kosten für Energie könnten viele Firmen auch gestiegene Löhne sowie höhere Zinsen für Kredite immer öfter nicht schultern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Oktober 2022 um 07:30 Uhr und 08:30 Uhr in den Nachrichten.