Symbole verschiedener Musik-Apps sind auf einem iPad zu sehen | dpa

Größter Börsengang Europas Universal setzt voll auf Streaming

Stand: 21.09.2021 14:18 Uhr

Der Börsengang der Universal Music Group scheint ein Hit zu werden. Investoren reißen sich um die Aktien, die in den Handel gestartet sind. Mit Musik-Streaming will das Unternehmen weiter gut verdienen.

Der bislang größte Börsengang in Europa ist perfekt. Die Universal Music Group (UMG) hat ihr Börsenleben in Amsterdam erfolgreich begonnen. Die Erstnotiz des weltgrößten Musiklabels lautete auf 25,05 Euro - ein Plus von rund 37 Prozent zum Referenzpreis von 18,50 Euro. Damit ist das Tochterunternehmen des französischen Mischkonzerns Vivendi rund 46 Milliarden Euro wert.

Vivendi macht Kasse

UMG hat als größtes Musiklabel Stars wie Lady Gaga, Taylor Swift und The Weeknd unter Vertrag. Der Pariser Medienkonzern Vivendi gliedert UMG aus, um Kasse zu machen. Rund 60 Prozent wandern in die Hände von Vivendi-Aktionären. Vivendi selbst wird letztlich rund zehn Prozent halten. Großaktionäre sind zudem der US-Investor Bill Ackman wie auch der chinesische Technologieriese Tencent.

Die Strategie von Universal Music und der Konzernmutter Vivendi zeigt vor allem in eine Richtung: Den Boom im Geschäft mit Musik-Streaming weiter auszunutzen und in Milliardenumsätze und -gewinne zu verwandeln. Im Geschäft über die Streaming-Dienste wie Spotify konkurriert das Unternehmen in einem Quasi-Oligopol mit dem US-Konzern Warner und Sony Music aus Japan.

Streaming dominiert den Musik-Vertrieb

Das Streaming-Geschäft hat den Musikkonzernen nach Experteneinschätzungen eine neue Wachstumswelle beschert. Im vergangenen Jahr wurden laut dem Branchenverband RIAA insgesamt mehr als 21,6 Milliarden Dollar im Musikgeschäft umgesetzt, der Anteil der Streaming-Erlöse ist bereits auf etwa 60 Prozent geklettert. Insgesamt sorgt Streaming für ein zweistelliges Wachstum in der Branche, und dürfte das auch in den kommenden Jahren tun.

Die wichtigsten Vermarktungskanäle, die Streamingdienste, werden vom schwedischen Unternehmen Spotify angeführt, das im ersten Quartal 2021 laut MEDiA Research auf einen Marktanteil von 32 Prozent kam. Danach folgen Apple Music mit 16 und Amazon Music mit 13 Prozent. Auch die chinesische Tencent gehört mit zehn Prozent Marktanteil bereits zu den wichtigen Playern in Sachen Streaming. Und Tencent hatte sich vor dem Börsengang einen 20-Prozent-Anteil an Universal gesichert.

Krisensicheres Geschäft

Die Bilanz von UMG zum ersten Halbjahr 2021 zeigt, wie dominant das Streaming-Geschäft inzwischen für den Konzern und sogar dessen Muttergesellschaft Vivendi geworden ist: Von den 3,1 Milliarden Euro, die Universal in den ersten sechs Monaten erwirtschaftet hat, stammen 2,1 Milliarden Euro aus dem Geschäftsfeld "Abonnements und Streaming", ein Zuwachs von gut 17 Prozent. Der "physische" Verkauf von Tonträgern wie CDs oder Vinylplatten steuerte nur noch gut 463 Millionen Euro bei.

Das Geschäft mit der stets verfügbaren Musik über das Internet-Streaming hatte sich in den vergangenen anderthalb Jahren zudem als krisensicher erwiesen. In der Zeit der Corona-Beschränkungen und Lockdowns sprudelten die Erlöse und Gewinne dabei eher noch kräftiger.

Schmerzhafte Transformation

Die Universal Music Group hat damit einen langwierigen und auch schmerzhaften Transformationsprozess hinter sich gebracht. Um die Jahrtausendwende hatten die Einführung des MP3-Formates und Musik-Piraterie das Geschäft mit den traditionellen Tonträgern dramatisch einbrechen lassen. In den Folgejahren musste Universal Tausende Mitarbeiter entlassen und seine Presswerke verkaufen. Danach leitete das Unternehmen aber durch geschickte Zukäufe von Musikverlagen wie EMI oder der Bertelsmann-Tochter BMG bereits eine Wende ein. Gegenüber den Künstlern, die UMG unter Vertrag hat, agiert das Unternehmen als Vermarktungsagentur. Zudem wurden in den vergangenen Jahren neue Vertriebskanäle erschlossen, etwa durch Kooperationen mit Videospieleanbietern. Um neue Hörer zu gewinnen, arbeitet Universal etwa mit TikTok und YouTube zusammen.

Der Börsengang hat sich für die Zeichner der Aktie bereits jetzt gelohnt. Der derzeitige Marktwert liegt bei etwa 46 Milliarden Euro. Die Investmentbank JPMorgan Cazenove hält eine Bewertung rund 55 Milliarden Euro für möglich. Das Musik-Geschäft könnte eine Art Wiedergeburt erleben.