Steinkohlekraftwerk Heyden | picture alliance / JOKER

Uniper-Standort in NRW Kohlekraftwerk soll wieder Strom liefern

Stand: 23.08.2022 12:03 Uhr

Das nordrhein-westfälische Steinkohlekraftwerk Heyden 4 soll wieder Energie für den Strommarkt produzieren. Es ist bereits die zweite vergleichbare Anlage, die aus der Reserve geholt wird - um Gas einzusparen.

Ab kommenden Montag soll das Steinkohlekraftwerk Heyden 4 im nordrhein-westfälischen Petershagen wieder Strom erzeugen. Wie der Energiekonzern Uniper mitteilte, werde das Kraftwerk voraussichtlich bis Ende April 2023 wieder in den Markt zurückkehren und so "zur Sicherstellung der Stromversorgung in Deutschland" beitragen.

Mit einer Leistung von 875 Megawatt ist Heyden 4 laut Uniper eines der leistungsstärksten Kohlekraftwerke Deutschlands. Es ist seit Mitte 2021 ein Reserve-Kraftwerk, produziert also nur zeitweise Strom für die Netzstabilität.

Weitere Kraftwerke folgen

Der Essener Energieversorger STEAG kündigte heute ebenfalls an, zwei Kohlekraftwerke aus der Reserve zu holen. Voraussichtlich Anfang November werde man die beiden Kohlekraftwerke Quierschied und Bexbach im Saarland wieder in Betrieb nehmen. Technisch und personell wäre es sogar möglich, dass die Kraftwerke noch früher wieder ans Netz gehen, so STEAG.

Das Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz (EKBG) schreibe aber vor, dass am Kraftwerk ein Steinkohlevorrat für 30 Tage Volllastbetrieb vorhanden sein müsse. Das sei "wegen der aktuell angespannten Logistiksituation beim Schienenverkehr" wohl vorher nicht zu schaffen. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, das Steinkohlekraftwerk im saarländischen Völklingen-Fenne über die eigentlich geplante Stilllegung Ende Oktober hinaus weiter zu betreiben.

Zuvor war außerdem das Steinkohlekraftwerk Mehrum im niedersächsischen Hohenhameln, das dem tschechischen Energiekonzern EPH gehört, ans Netz zurückgekehrt. Seit Anfang August produziert das Kraftwerk mit einer Leistung von 690 Megawatt nun wieder regulär Strom.

Für Kraftwerksbetreiber attraktiv

Mitte Juli hatte die Bundesregierung beschlossen, mit Steinkohle oder Öl betriebenen Kraftwerken aus der sogenannten Netzreserve wieder den Betrieb zu erlauben, um so Erdgas einzusparen. Die Verordnung gilt vorerst bis Ende April 2023. Im Juli lag der Gasanteil an der Stromerzeugung laut Bundesnetzagentur bei 9,8 Prozent.

Das Wiederanfahren für mehrere Monate ist für Kraftwerksbetreiber derzeit wegen der hohen Strompreise wirtschaftlich interessant. Zumal auf dem Weltmarkt ausreichend Steinkohle vorhanden ist. STEAG beispielsweise beschafft die Steinkohle in Nord- und Südamerika, Südafrika und Australien. Die in den Überseehäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen ankommende Kohle wird dann per Bahn an die Standorte an der Saar transportiert.

Niedrige Pegelstände sind ein Problem

Auch Uniper stellte wegen der Transportengpässe mögliche Einschränkungen der Stromproduktion in Aussicht. Denn zu den begrenzten Kapazitäten der Bahn kommen die niedrigen Pegelstände der Flüsse als Schwierigkeit hinzu. Hiervon sind mehrere Kraftwerksbetreiber betroffen. Dadurch wird der Transport der Kohle zu den Kraftwerken erschwert und verzögert.

Neben der bereits gültigen Verordnung für Steinkohle- und Ölkraftwerke bereitet der Bund für Anfang Oktober auch eine Verordnung für das Wiederanfahren von bereits stillgelegten Braunkohlekraftwerken vor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. August 2022 um 06:00 Uhr.