Kohlekraftwerk Datteln 4 |

Trotz Kohleausstieg Kraftwerk Datteln soll bis 2038 laufen

Stand: 30.12.2020 11:30 Uhr

Der Energiekonzern Uniper will bis 2038 an seinem umstrittenen Kohlekraftwerk Datteln festhalten. Auf diese Weise lasse sich CO2 einsparen, so der Betreiber. Doch es gibt Zweifel.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

"Datteln wird das letzte Kohlekraftwerk sein, das in Deutschland vom Netz geht. Wir wollen Datteln bis 2038 laufen lassen", sagte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck der "Rheinischen Post". Deutschland will bis spätestens 2038 aus der Kohleverstromung aussteigen. Datteln 4 ist erst seit Mai 2020 kommerziell am Netz.

Der Fortbetrieb von Datteln bis 2038 sei "in jeder Hinsicht sinnvoll, weil Datteln 4 viel CO2 einspart und ältere schmutzige Kraftwerke an seiner Stelle vorzeitig abgestellt werden können", so der Uniper-Chef.

Bundesregierung steht hinter Datteln

Dass dem Betreiber der Fortbetrieb von Datteln bis zur gesetzlichen Frist aus unternehmerischer Perspektive sinnvoll erscheint, mag kaum verwundern. Doch auch die Politik dürfte einem Fortbetrieb von Datteln - trotz nationalen Kohleausstiegs - nicht zwingend kritisch gegenüberstehen.

Tatsächlich hielt es die Bundesregierung für "sinnvoller, zunächst ältere, ineffizientere Steinkohlekraftwerke außer Betrieb zu nehmen, als das hoch moderne Kraftwerk Datteln IV nicht in Betrieb zu nehmen".

Unterstützung auch von Armin Laschet

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte das neue Kraftwerk sogar als Beitrag zum Klimaschutz begrüßt und mehr "Verstand und Rationalität" in der "emotionalen Debatte" über den Kohleausstieg gefordert.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet | dpa

Armin Laschet steht hinter Datteln 4. Bild: dpa

Die Begründung des Politikers ähnelt dabei jener des Unternehmens: Datteln 4 sei effizienter, dafür könnten andere alte Kraftwerke abgeschaltet werden - und das spare CO2. Nur stimmt das auch?

Wettbewerbsfähig auf dem Strommarkt

Laut Betreiber Uniper und Bundesumweltministerium erzeugt Datteln rund 780 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom, wie das WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks berichtet. Ältere Anlagen emittierten hingegen mehr als 900 Gramm. Damit ist Datteln in der relativen Betrachtung tatsächlich klimaschonender als ältere Kohlekraftwerke.

Doch ob durch den Betrieb von Datteln tatsächlich absolut CO2 gespart wird, ist fraglich. Denn gerade wegen seiner Effizienz ist Datteln auf dem Strommarkt weitaus wettbewerbsfähiger, könnte womöglich sogar Gaskraftwerke verdrängen. Die Auslastung von Datteln dürfte weit höher liegen als bei älteren Kohlekraftwerken. Aus diesem Grunde befürchten Umweltschutzorganisationen wie der BUND deutliche CO2-Mehremissionen durch Datteln.

Demonstranten vor Datteln 4 |

Die Inbetriebnahme von Datteln 4 hatte zahlreiche Protestaktionen hervorgerufen.

Am Ende wird man genau nachrechnen müssen. Solange aber nicht feststeht, welche Kraftwerke im Ausgleich für Datteln wann vom Netz gehen und wie hoch die Auslastung von Datteln in den kommenden Jahren sein wird, dürfte unklar bleiben, ob ein langer Weiterbetrieb von Datteln wirklich als Beitrag zum Klimaschutz gelten kann.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Dezember 2020 um 14:41 Uhr in der Wirtschaft.