Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist das Twitter-Profil von Elon Musk zu sehen. | AFP

Schwache Quartalszahlen Twitter sieht Schuld bei Musk

Stand: 22.07.2022 16:17 Uhr

Twitter hat im vergangenen Quartal einen hohen Verlust erlitten. Der US-Kurznachrichtendienst begründet das mit dem schwächelnden Werbemarkt - und mit dem Rückzug von Elon Musk.

Twitter hat im vergangenen Quartal rund um den turbulenten Übernahmeversuch durch Elon Musk einen Umsatzrückgang und einen hohen Verlust verbucht. Dafür macht der US-Kurznachrichtendienst das Hin und Her rund um die Pläne des Tech-Milliardärs verantwortlich. Die Gründe seien Unsicherheiten im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme durch den milliardenschweren Tesla-Chef und ein schwächelnder digitaler Werbemarkt gewesen, teilte der Konzern heute mit.

Klage soll Übernahme erzwingen

Twitter meldete für das zweite Quartal einen Nettoverlust von 270 Millionen Dollar oder 35 Cents pro Aktie - nach einem Gewinn von 65,6 Millionen Dollar oder 8 Cents pro Aktie im Vorjahr. Der Quartalsumsatz sei leicht auf 1,18 Milliarden Dollar von 1,19 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr gesunken, hieß es. Analysten hatten Twitter eigentlich mehr zugetraut. Sie waren von einem bereinigten Gewinn von 14 Cent pro Aktie und einem Umsatzanstieg auf 1,32 Milliarden Dollar ausgegangen.

Musk hatte im April angekündigt, Twitter für rund 44 Milliarden Dollar zu kaufen. Wenige Wochen später erklärte er den Deal jedoch einseitig für ausgesetzt. Anfang Juli, kurz nach Quartalsende, machte er schließlich eine 180-Grad-Wende und zog sein Angebot zurück. Zur Begründung verwies er auf seine bisher nicht belegten Behauptungen, dass Twitter deutlich mehr Fake-Accounts habe als die vom Unternehmen stets genannte Schätzung von weniger als fünf Prozent. Beobachter halten dies für unbegründet.

Aufkündigung "ungültig und unrechtmäßig"

Mit einer Klage will das in San Francisco ansässige Social-Media-Unternehmen Musk nun zwingen, die Fusion wie vereinbart durchzuziehen. Die Twitter-Anwälte hielten in einem Brief an Musks Rechtsvertreter fest, seine Aufkündigung des Deals sei aus Sicht des Unternehmens "ungültig und unrechtmäßig". Twitter habe - anders als von Musk behauptet - nicht gegen die Übernahmevereinbarung verstoßen. Hingegen verletze der Milliardär mit seinem Rückzieher die Übereinkunft wissentlich und absichtlich.

Laut Twitter addierten sich die Kosten rund um den Übernahmedeal im vergangenen Quartal auf 33 Millionen Dollar. Der vereinbarte Übernahmepreis lag bei 54,20 Dollar je Aktie. Zum Auftakt des US-Handels gab der Kurs heute nach Vorlage der Zahlen um über ein Prozent auf gut 39 Dollar nach.

Werbeeinnahmen gehen zurück

Die Zahl der täglich aktiven Nutzer, die Twitter mit seiner Werbung erreichen kann, weil sie die hauseigene App oder die Web-Version nutzen, stieg derweil binnen drei Monaten lediglich von 229 Millionen auf 237,8 Millionen. Im ersten Quartal hatte der Dienst noch gut 14 Millionen Nutzer dazugewonnen.

Der Druck auf den Twitter-Umsatz kommt nicht ganz überraschend: Angesichts der Inflation und schwachen Konjunktur fahren viele Unternehmen ihre Werbeausgaben zurück. So meldete die Firma hinter der Foto-App Snapchat im zweiten Quartal ihr bisher schwächstes Umsatzwachstum mit einem Plus von 13 Prozent. Die Snapchat-Aktie sackte im frühen US-Handel um mehr als ein Drittel ab.

Unter Verweis auf Musks Übernahmeversuch ließ Twitter zum zweiten Mal in Folge die bei US-Unternehmen übliche Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen ausfallen, in der Analysten das Top-Management zu Details der Geschäftsentwicklung befragen können.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 22. Juli 2022 um 18:41 Uhr.