Elon Musk Twitter Account | picture alliance / NurPhoto

Musk will "niedrigeres Gebot" Gerangel um Twitter-Übernahme

Stand: 17.05.2022 09:55 Uhr

Der Kauf des Kurzmitteilungsdienstes Twitter durch Tesla-Chef Elon Musk steht auf der Kippe. Musk hat inzwischen öffentlich ein niedrigeres Gebot ins Spiel gebracht und kritisiert die Twitter-Führung.

Die Übernahme von Twitter scheint für Multimilliardär und Tesla-Chef Elon Musk immer problematischer zu werden. Nachdem Musk bereits am Wochenende den Übernahme-Deal vorläufig auf Eis gelegt hatte, will er nun offenbar beim Preis nachverhandeln.

Musk hat "größere Sorgen"

Ein Deal zu einem niedrigeren Gebot sei "nicht außer Frage", äußerte sich Musk gestern Abend in einem Video-Interview bei einer Konferenz. "Je mehr Fragen ich stelle, desto größer werden meine Sorgen", sagte Musk. Er schätzte, dass Fake-Profile mindestens ein Fünftel aller Twitter-Accounts ausmachten - nannte aber keine Basis dafür. Heute legte er nach: Damit ein Deal zustande kommen könne, müsse Twitter die Anzahl der "Spam-Accounts" nachweislich auf maximal fünf Prozent begrenzen. Eine vertiefte Prüfung der Twitter-Bücher vor dem Übernahme-Deal hatte Musk abgelehnt.

Auch das Verhältnis zu Twitter-Chef Parag Agrawal scheint sich einzutrüben. Dieser hatte versucht, die Methodik des Dienstes bei den Schätzungen der Zahl von Spam- und Bot-Accounts in einer Serie von Tweets zu erläutern. Er schrieb dabei auch, dass solche Schätzungen von außerhalb des Unternehmens schwer anzustellen seien. Musk beantwortete die Erklärungen Agrawals mit einem Kothaufen-Emoji auf Twitter und fragte unter anderem, ob Twitter versucht habe, Nutzer mit verdächtig aussehenden Accounts einfach anzurufen.

Kann Musk die Übernahme platzen lassen?

Am Wochenende hatte Musk bereits ein erstes Signal dafür gesendet, dass die Twitter-Übernahme so, wie er sie zunächst geplant hatte, nicht über die Bühne gehen dürfte. Er hatte den Deal zum Twitter-Kauf für "vorläufig ausgesetzt" erklärt. Als Begründung nannte er bereits hier die hohe Zahl von Accounts, hinter denen keine echten Nutzer steckten.

Ob der Tesla-Chef aus rechtlicher Sicht seine Vereinbarung mit dem Twitter-Verwaltungsrat überhaupt stoppen kann, ist unklar. Musk sagte bei der gestrigen Konferenz, aus seiner Sicht sei ein deutlich höherer Anteil von Bot-Accounts als gemeldet eine schwerwiegende Falschinformation. Die Vereinbarung mit Twitter sieht vor, dass beide Seiten bei massiven Abweichungen vom Deal zurücktreten können.

Finanzierung könnte wackeln

In seinem Gebot für die Übernahme von Twitter hatte Musk 54,20 Dollar je Twitter-Aktie vorgesehen. Damit hätte der Kauf ein Volumen von rund 44 Milliarden Dollar. Musk dürfte auch wegen des zuletzt deutlich gesunkenen Kurses der Tesla-Aktie an einem günstigeren Einstieg bei Twitter interessiert sein.

Das Papier des Elektroautobauers, zu dessen größten Aktionären Musk gehört, hatte - wie der gesamte Tech-Sektor - deutlich an Wert eingebüßt. Musk muss deshalb voraussichtlich weitere Anteile verkaufen, um den Twitter-Deal finanzieren zu können. Ende April hatte er bereits Tesla-Aktien im Wert von rund vier Milliarden Dollar veräußert.

An der Börse wird die Twitter-Übernahme, zumindest zum ursprünglichen Preis, als immer unwahrscheinlicher eingeschätzt. Das zeigt der aktuelle Kurs der Twitter-Aktie. Sie sank gestern Abend um weitere acht Prozent auf 37,38 Dollar. Damit ist sie bereits fast 30 Prozent vom ursprünglichen Übernahmeangebot entfernt.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 13. Mai 2022 um 21:45 Uhr.