Das Twitter-Logo ist auf einem Smartphone zusammen mit dem offiziellen Twitter-Profil von Elon Musk zu sehen. | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Übernahme geplatzt Musk bläst Twitter-Kauf ab

Stand: 09.07.2022 07:35 Uhr

Der Unternehmer Musk tritt vom Kauf des Kurznachrichtendienstes Twitter zurück. Es ist das vorläufige Ende einer geplanten Übernahme voller Höhen und Tiefen. Muss Musk nun eine Milliarde zahlen?

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Eine echte Liebesbeziehung war es von Beginn an nicht: Elon Musk kritisierte, dass Twitter keine echte Meinungsfreiheit zulasse, zudem gebe es zu viele Spam - und Fake Accounts. Bei Twitter sorgte der geplante Deal bei einigen Angestellten für schlechte Stimmung.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Nun hat Musk in einem Brief mitteilen lassen, dass er die Übernahme doch nicht durchziehen wolle. Die Begründung laut seiner Anwälte: Twitter habe keine vollständigen Informationen zur Zahl von Fake-Accounts mitgeteilt. In der Vergangenheit hatte Twitter die Zahl auf weniger als fünf Prozent geschätzt.

"Den Siedepunkt erreicht"

Er sei nicht überrascht, dass die Übernahme zu platzen droht, sagte Wirtschaftsreporter Kurt Wagner bei Bloomberg: "Wir haben gesehen, dass es sich in diese Richtung entwickelt. Elon Musk schien die Kosten des Deals senken zu wollen. Ich habe nicht erwartet, dass er sich komplett verabschiedet, ich dachte er versucht, neu zu verhandeln. Vielleicht ist es eine Form von Neuverhandlung? Jedenfalls köchelte diese Problem schon eine Weile vor sich hin und hat wohl nun den Siedepunkt erreicht."

Kaufpreis: 44 Milliarden Dollar

Im April hatte Musk angekündigt, er wolle Twitter für mehr als 44 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 43 Milliarden Euro) kaufen. Zur Bedingung macht er, dass das Unternehmen die Zahl von Bots und Fake-Accounts öffentlich machen müsse. Einige Beobachter hatten darin den Versuch gesehen, den Preis der Übernahme zu drücken. Bereits damals wurde spekuliert, ob die Übernahme überhaupt zustande kommen würde.

Der geplante Kauf hatte wochenlang die Wirtschafts- und Technachrichten beherrscht. Manche Beobachter waren regelrecht genervt davon. CNN-Wirtschaftsjournalist Brian Stelter mutmaßte, dass es Musk mehr Spaß mache zu verhandeln, als Twitter wirklich zu führen.

Twitter-Aktie im Minus  

Nach der Ankündigung ging die Aktie zunächst auf Talfahrt. Sie büßte am Freitag fünf Prozent ein und lag mit 36,81 weit unter dem Preis von 54,20 Dollar, die Musk ursprünglich für Twitter geboten hat.

Gut oder schlecht für Twitter?

Analystin Julie Biel sagte bei CNBC, auf lange Sicht sei dies ihrer Meinung nach eine bessere Variante für Twitter:

Die Twitter-Mitarbeiter hatten kein Vertrauen in Elons Fähigkeiten so eine Firma zu führen, wenn er mit Tesla und SpaceX gleichzeitig noch zwei Unternehmen führt, die groß und komplex sind. Kurzfristig ist es nicht so gut, es wird keinen anderen Käufer geben, das wissen wir. Und die Werbeeinnahmen werden leiden. Ich mache mir deswegen etwas Sorgen um die Aktie - aber langfristig wird es für die Firma gut sein.

Twitter und Musk haben eine Vereinbarung unterschrieben, wonach jede Seite eine Milliarde Dollar Strafe zahlen muss, sollte der Deal nicht zustande kommen. Twitter möchte nun offenbar an der Übernahme festhalten und plant, vor Gericht zu ziehen. Möglicherweise droht nun ein teures und langfristiges Gerichtsverfahren.

 

Über dieses Thema berichtete am 09. Juli 2022 MDR Aktuell um 07:05 Uhr und die tagesschau um 09:48 Uhr.