Tesla-Chef Elon Musk | AFP

Musk-Einstieg bei Twitter Aktien ja, Verwaltungsrat nein

Stand: 12.04.2022 12:14 Uhr

Tesla-Chef Musk wird doch keinen offiziellen Posten bei Twitter wahrnehmen. Der Einzug des größten Aktionärs in den Verwaltungsrat ist geplatzt. Was steckt hinter der Kehrtwende?

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, z. Zt. in San Francisco

Was das ganze Hin und Her sollte, ist nach wie vor unklar. Nur so viel: Am Samstag hätte Elon Musk offiziell Mitglied des Verwaltungsrates bei dem Kurznachrichtendienst werden sollen. Noch am selben Morgen aber gab Twitter-Chef Parag Agrawal bekannt, Musk habe mitgeteilt, er trete seinen Posten nun doch nicht an.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Bizarre "Tweet-Show"

Was dann begann, war eine bizarre "Tweet-Show", die sich über das ganze Wochenende hinzog. Musk begann nach Bekanntwerden der Nachricht, sich auf Twitter einzuschießen. Das ist selbst für Silicon-Valley-Verhältnisse ungewöhnlich: Immerhin besitzt der vermögendste Mann der Welt 9,2 Prozent der Anteile an dem Dienst, die rund drei Milliarden Dollar wert sind. Fast das ganze Wochenende hindurch twitterte Musk Vorschläge, Kritik und bissige Witze.

Simon Hurtz vom Social Media Watchblog meint: "Eine Sache ist ganz sicher: Wenn Musk einsteigt, bedeutet das Chaos. Das kann Twitter nicht gebrauchen, weil es in seiner sehr schwierigen Phase steckt." Erst gerade habe der Kurznachrichtendienst aus San Francisco mit Agrawal einen neuen Chef bekommen. "Für ist ihn Twitter nur ein Spielzeug - viele Twitter-Angestellte wünschen, dass er Twitter in Ruhe lässt", glaubt Hurtz.

Beißender Spott - als Verwaltungsratsmitglied undenkbar

In seinen Tweets machte sich Musk über den Dienst, den er selbst so fleißig nutzt, lustig. So schlug er vor, das Firmengebäude von Twitter in San Francisco solle zu einem Wohnheim für Obdachlose umgebaut werden, weil die Mitarbeitenden ohnehin nur noch von zu Hause arbeiteten. In einem anderen Tweet fragte er seine mehr als 81 Millionen Follower, ob man das W im Firmennamen von Twitter nicht löschen solle. Eine andere Frage von Musk lautete: Stirbt Twitter? Als Beispiel führte er die Promi-Accounts von Taylor Swift (90,3 Millionen Follower) und Justin Bieber (114,3 Millionen Follower) an. Diese twitterten kaum, bemerkte Musk.

Die spannende Frage aber ist, warum er nun doch nicht in den Verwaltungsrat einzieht. Hier lässt sich nur spekulieren. Zum einen hätte Musk sich als Verwaltungsratsmitglied dem Twitter Code of Conduct unterwerfen müssen - dann hätte er eben nicht mehr wild twittern können. Zum anderen hatte Musk in einer Vereinbarung mit Twitter zugestimmt, nicht mehr als 14,9 Prozent der Anteile zu erwerben. Auch das könnte ihm nicht geschmeckt haben. Musks Reichtum wird auf rund 270 Milliarden Dollar geschätzt. Wenn er wollte, könnte er Twitter zu 100 Prozent kaufen. Zurzeit wird die Plattform mit etwas mehr als 30 Milliarden Dollar bewertet.

Tritt die Börsenaufsicht auf den Plan?

Musks Einstieg bei Twitter könnte noch ein Thema für die Börsenaufsicht SEC werden. Der 50-Jährige hat sein Investment nur als passive Beteiligung angemeldet. Dabei hatte er mit der Twitter-Führung bereits über einen Sitz im Verwaltungsrat gesprochen. Zudem hat er den Einstieg bei dem Unternehmen offenbar auch zu spät angemeldet. Schon zehn Tage, nachdem er fünf Prozent der Anteile erworben hat, hätte er dies bei der SEC melden müssen - also am 24. März . Er teilte dies jedoch erst am 4. April mit.

Für Branchenkenner Hurtz vom Social Media Watchblog sind die Geschehnisse rund um Musk auch ein weiterer Beleg dafür, wie groß der Einfluss Einzelner auf die öffentliche Meinungsbildung ist - über den Hebel sozialer Plattformen wie Twitter oder Facebook. "Musk will ja nicht nur Einfluss nehmen, er tut es ja auch. Er ist so relevant und wichtig, dass er es wirklich ändern könnte." Es sei eine absurde Machtkonzentration, dass wenige Menschen so großen weitreichenden Einfluss haben könnten, meint Hurtz.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. April 2022 um 09:00 Uhr.