Das Logo des Reiseunternehmens TUI hängt neben einem Reisebüro | dpa

Tourismusbranche Wird der Staat zum TUI-Aktionär?

Stand: 08.02.2022 11:12 Uhr

Die Menschen reisen wieder mehr, und TUI erwartet ein starkes Sommergeschäft. Der Reisekonzern zahlt Staatshilfen teilweise zurück. Ein anderer Teil könnte laut Konzernchef Joussen zu einer Beteiligung werden.

Im vergangenen Quartal lief es für den angeschlagenen Reisekonzern TUI wieder besser. Im saisonal schwachen ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember verfünffachte sich der Umsatz auf 2,37 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Betriebsverlust ging deutlich von 676 auf 274 Millionen Euro zurück.

Hohe Nachfrage

Das Umfeld für den Tourismus habe sich deutlich verbessert, erklärte TUI. Restriktionen wegen der Corona-Pandemie seien planbarer und in einigen Märkten aufgehoben worden. Die Gästezahl bei Reisen und Kreuzfahrten habe sich im vergangenen Quartal auf 2,3 Millionen vervierfacht.

Noch besser soll es aber in der Hauptsaison laufen. "Wir erwarten einen starken Sommer 2022. Der Weg aus der Pandemie zeichnet sich immer klarer ab", erklärte TUI-Chef Fritz Joussen. Die Nachfrage nach Reisen sei über alle Märkte so hoch, dass im Sommer in etwa das Vorkrisenniveau von 2019 erreicht werden könne. Viele Kunden gönnten sich zudem höherwertige Reisen, sodass die Durchschnittspreise für den Sommer rund ein Fünftel höher seien.

Erste Rückzahlung von Staatshilfen

Nun will TUI die ersten 700 Millionen Euro Staatshilfe zum 1. April zurückzahlen. Der Konzern aus Hannover musste in der Corona-Krise mit 4,3 Milliarden Euro vor der Insolvenz bewahrt werden. Davon wurden 3,05 Milliarden Euro als Kreditlinie von der Staatsbank KfW gewährt, der Rest über zwei stille Beteiligungen und eine Wandelanleihe.

Der Staat könnte nach Einschätzung von TUI-Chef Joussen womöglich auf die Rückzahlung eines Teils der Staatshilfe verzichten und so - zumindest kurzfristig - zum Aktionär des Reisekonzerns werden. Es sei möglich, einen Teil der stillen Beteiligung, nämlich 420 Millionen Euro, in Aktien umzuwandeln. "Es ist zu vermuten, dass der Staat konvertiert", sagte Joussen heute. Aus dem Bundesfinanzministerium gab es hierzu noch keine Stellungnahme. Allerdings habe der Staat kein Interesse an einem langfristigen Einstieg beim Reisekonzern, verlautete aus Berlin.

TUI hatte in der Krise zudem zweimal das Kapital erhöht und will sich auf der heutigen Hauptversammlung grünes Licht dafür geben lassen, den Kapitalmarkt weiter anzuzapfen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Februar 2022 um 09:00 Uhr.