Zwei Urlauber mit Nasen-Mund-Schutz laufen zu einem Check-In-Schalter des Reiseanbieters TUI. | CATI CLADERA/EPA-EFE/Shutterstoc

Nach tiefrotem Winter TUI hofft auf einen Super-Sommer

Stand: 12.05.2021 16:31 Uhr

Der Reisekonzern TUI sieht nach einem katastrophalen Winter Grund zur Hoffnung für das Reisegeschäft. Ausgerechnet die Briten machen dem Konzern aber derzeit Sorgen. 

Deutschlands größter Reisekonzern TUI erwartet ein deutliches Wachstum für sein Sommergeschäft. Nur die Buchungen aus Großbritannien lassen derzeit zu wünschen übrig.

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2020/21, also von Oktober bis März, verbuchte TUI einen dramatischen Umsatzeinbruch 89 Prozent auf 716 Millionen Euro. Der Verlust lag bei knapp 1,5 Milliarden Euro. Zwar ist ein Minus im Winter für den Konzern normal, doch im Vergleich zum Winter 2019/20, also noch größtenteils vor der Pandemie, kletterte der Verlust um 70 Prozent. Die vergangenen Monate seien "wie erwartet durch Covid-19-Beschränkungen geprägt" gewesen, hieß es.

Doch diese Hemmnisse sollen nun Zug um Zug fallen. Die EU will bis zum Start der Feriensaison im Juni einen europäischen Impfpass einführen, mit dem Reisende ihre Impfung oder notwendige negative Covid-Tests nachweisen können. Reisebeschränkungen wie Quarantänepflichten könnten daher in den kommenden Monaten weiter gelockert werden.

"Die Perspektiven im Frühsommer 2021 stimmen mich für den Tourismus und für die TUI optimistisch. Sie sind deutlich besser als im ersten Pandemiejahr 2020", sagte TUI-Chef Fritz Joussen am Mittwoch. Nach einer Umfrage wollten 70 Prozent der Europäer verreisen und hätten zum Teil schon gebucht.

Fritz Joussen, Vorstandsvorsitzender der TUI Group | dpa

TUI-Chef Fritz Joussen sieht das aufgestockte staatliche Darlehen vor allem als Vorsorge für den Fall, dass die Nachfrage nicht spätestens ab Herbst anzieht. Bild: dpa

Briten zögern noch

Sorgen bereits Joussen aber die Entwicklung in Großbritannien. "Dass alle Urlaub machen, nur die Briten nicht, wäre nicht richtig angesichts der Impfungen und der (dort niedrigen) Inzidenz", sagte der TUI-Chef. Das hohe Impftempo in Großbritannien hatte TUI zu Jahresbeginn von einem Reiseboom träumen lassen.

Doch einen Öffnungsplan beschloss die Regierung in London erst vergangene Woche, was TUI Stornierungen einbrachte. Der Buchungsbestand sank gegenüber Februar um 200.000 auf 2,6 Millionen und liegt damit mehr als zwei Drittel unter dem zur gleichen Zeit im Jahr 2019. "Andere Länder buchen deutlich besser, hoffentlich wird Großbritannien aufholen", sagte Joussen.

TUI will rund 75 Prozent des Sommerprogramms 2019 in diesem Jahr füllen. Mit steigenden Preisen müssen die Kunden laut Joussen bislang nicht rechnen. 

Der mit Milliarden an Staatshilfen gestützte Konzern aus Hannover ist darauf angewiesen, dass es in diesem Sommer deutlich besser als im Vorjahr läuft. Derzeit verfügt TUI über liquide Mittel von 1,7 Milliarden Euro bei einem monatlichen Mittelabfluss von zuletzt 300 Millionen Euro. Das sei ein gutes Liquiditätspolster, sagte Joussen. Doch eine Prognose, ob das Unternehmen ohne weitere Staatshilfe durch die Krise kommt, wollte er nicht geben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Mai 2021 um 16:38 Uhr.