Ein Tui-Flugzeug im Landeanflug auf den Flughafen der Insel Korfu, Griechenland | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Starker Reisesommer Flughafen-Chaos vermiest TUI die Zahlen

Stand: 10.08.2022 12:22 Uhr

Europas größter Pauschalreiseanbieter TUI profitiert von der gestiegenen Reiselust. Die Nachfrage ist fast auf Vorkrisenniveau. Doch das Flugchaos bringt TUI um den ersten Gewinn seit Corona-Ausbruch.

75 Millionen Euro hat TUI das Chaos an den Flughäfen im dritten Quartal gekostet. In der Pressemeldung zu den Quartalszahlen heißt es "Unregelmäßigkeiten insbesondere im britischen Flugverkehr" hätten zu den zusätzlichen Kosten geführt. Dabei geht es um rund 200 gestrichene Flüge am Flughafen Manchester. Die TUI selbst hat nach eigener Aussage dennoch 96 Prozent aller Gäste in den Monaten Mai und Juni pünktlich beziehungsweise mit weniger als drei Stunden Verspätung an ihren Urlaubsort gebracht.

Ohne die oben genannten Zusatzkosten läge das bereinigte Konzern-EBIT bei 48 Millionen Euro und wäre damit das erste profitable Quartal für die TUI Group seit Beginn der Pandemie. Zwar konnte das Unternehmen seinen Umsatz auf 4,43 Milliarden Euro fast versiebenfachen, doch steht für die Monate April bis Juni aber erneut ein Minus vor dem bereinigten Gewinn vor Steuern: ein Verlust von 27 Millionen Euro. Der TUI-Konzern spricht von einem "annähernd ausgeglichenen Quartalsergebnis" und erwartet für das Gesamtjahr weiter eine Rückkehr in die Gewinnzone.

Grund zum Optimismus

Die übrigen Zahlen geben dem größten Pauschalreiseanbieter Europas auch allen Grund zum Optimismus. Zwischen April und Juni, dem für TUI dritten Quartal, lag die Gästezahl verglichen mit 2019 bei 84 Prozent. Somit reisten im Berichtszeitraum 5,1 Millionen Menschen mit der TUI. Für diesen Sommer zählt die TUI aktuell bereits 11,5 Millionen Urlaubsgäste. Konzernweit liegen die Buchungen bei 90 Prozent des Niveaus vom Sommer 2019. Für die Monate Juli bis August steigt dieser Wert laut TUI nochmal an.

Der Finanzvorstand und designierte TUI-Chef, Sebastian Ebel, sagte beim Vorstellen der Zahlen: "Die Menschen wollen reisen." Der Urlaub stehe bei den geplanten Ausgaben weiterhin an erster Stelle - daran hab sich nichts geändert. Insbesondere bei der TUI Deutschland sind die Buchungen seit dem letzten Update im Mai um rund 20 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Buchungsstand für den Sommer 2019 geklettert. Das heißt, die Nachfrage nach innerdeutschen Reisen ist bei der TUI sogar noch stärker als vor der Corona-Pandemie.

Deutschland beliebtes Reiseziel

Gleichzeitig vermeldet das Statistische Bundesamt für Juni ein gestiegenes Interesse an Inlands-Reisen: Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland verbuchten für den Juni 48,9 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste, ein Plus von 60,5 Prozent verglichen mit Juni 2021. Damit liegt die Zahl laut Statistischem Bundesamt wieder fast auf Vor-Corona-Niveau. Aufgrund der Pandemie wurde zeitweise ein Beherbergungsverbot für privatreisende Gäste verhängt. Im letzten Jahr wurde es Ende Mai nach sieben Monaten wieder aufgehoben.

Trotz Flughafenchaos und gestiegener Preise ist die Sehnsucht nach Urlaubsreisen bei den Deutschen also ungebrochen. Die TUI hat zwei Trends beobachtet und hält sie weiter für intakt: Urlauber buchen weiterhin eher kurzfristig und geben gleichzeitig mehr Geld für ihre Reise aus. Die Durchschnittspreise sind für Sommer 2022 mit plus 18 Prozent auf sehr hohem Niveau. Urlauber buchen laut TUI mehr Pauschalreisen und höherwertige Leistungen wie Zimmerupgrades und längere Aufenthalte.

Joussen-Nachfolger will TUI wieder profitabel machen

TUI-Manager Ebel übernimmt Ende September die Führung des Konzerns, nachdem der langjährige Chef Fritz Joussen auf eigenen Wunsch vorzeitig ausscheidet. Es seien noch nicht alle Probleme gelöst, sagte Joussen mit Blick auf die hohe Verschuldung und die Verluste, die durch Reisebeschränkungen während der Pandemie anfielen. "Aber die Krise an sich ist durchgestanden, das war mir ein Anliegen." Nachfolger Ebel erklärte, die Rückkehr zu profitablem Wachstum sei jetzt das oberste Ziel.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Niedersachsen am 10. August 2022 um 13:30 Uhr.