Ex-US-Präsident Donald Trump | AFP

Börsengang über Umweg Trump-Plattform wird Spekulationsobjekt

Stand: 25.10.2021 16:40 Uhr

Der frühere US-Präsident Trump bringt sein geplantes Online-Netzwerk durch die Hintertür an die Börse. Die Aktie ist gefragt, gilt aber als hoch spekulativ, weil Investoren wenig über die Firma wissen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Er  macht wieder Wind: Mit seinen Comeback-Plänen wirbelt Donald Trump von seinem Golf-Ressort in Florida aus die New Yorker Wallstreet auf. Dort will der frühere US-Präsident sein geplantes Online-Netzwerk auf finanziellen Boden stellen. Und tatsächlich: Ehe die neue Plattform überhaupt etabliert ist, geht die damit verbundene Aktie durch die Decke. Der Handel mit Papieren der "Digital World Acquisition Corp" musste zeitweise ausgesetzt werden - so groß ist der Run der Spekulanten auf das "Trump-Papier".

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Doch das muss nicht so bleiben, meinen Börsenbeobachter. Auch Investment-Berater Oliver Pursche vom Beraterbüro Wealthspire ist skeptisch. "Es war eine Mischung aus Glück, Fähigkeit und Voraussicht", sagt er. "Wir wissen, dass Trumps Team nach einer alternativen Medienplattform gesucht hat, weil er nach wie vor von Facebook, Twitter und anderen verbannt ist. Aber es ist noch zu früh zu sagen, wie das ausgeht."

Börsengang durch die Hintertür

Seine geplante Online-Plattform "Truth Social" bringt der Ex-Präsident durch die Hintertür an die Tech-Börse Nasdaq - über eine sogenannte "Special Purpose Acquisition Company", kurz SPAC. Das ist eine leere Unternehmenshülle, die als Vehikel dient, um mit gesammeltem Kapital schnell und einfach auf den Aktienmarkt zu kommen. Voraussetzung: Ein SPAC muss dafür mit einem geeigneten Unternehmen verschmelzen. Welches das am Ende ist, wissen die Investoren vorher nicht.

Das Trump-SPAC bleibe eine große Unbekannte, sagt Wirtschaftsexperte Dan Primack von der Nachrichtenplattform Axios. "Wir wissen noch nicht einmal, wer der CEO und die anderen Manager dieser Tech-Plattform sein sollen. Wir wissen weniger über dieses SPAC über als jedes andere", so Primack. Unklar ist auch, wer genau die Investoren sind. Die zahlen zunächst blind in die SPAC-Hülle ein - und können jederzeit einen Rückzieher machen.

Erste Geldgeber sprangen wieder ab

Als Trump die Gründung seiner Medienplattform und die Fusion seines SPACS mit der "Digital World Acquisition Corp" verkündete, sprangen die ersten Finanziers dann auch schnell wieder ab. Die Marke Trump sei für viele toxischer als Rattengift, sagte Investor Eric Gordon der "New York Times".

Insbesondere große Hedgefonds wollten sich nicht die Finger damit verbrennen, meint auch Börsenexperte Pursche. "Wir sehen die natürliche Reaktion auf die Marke Trump. Seine Anhänger und Gegner sind sehr gespalten. Es ist unmöglich zu sagen: das ist eine gute oder schlechte Sache", sagt Pursche. "Sie spiegelt lediglich die Gefühle wider, die die Leute über Donald Trump haben. Da geht es nicht um den Wert der Investition."

Ausschnitt einer Seite mit dem Schriftzug der von Ex-US-Präsident Trump geplanten Online-Plattform "Truth Social" | dpa

Trumps will sein geplantes Netzwerk "Truth Social" als Gegenentwurf zur "Tyrannei" der großen Technologie-Konzerne verstanden wissen. Bild: dpa

Trump kündigte eigene Plattform wiederholt an

Trumps soziales Netzwerk soll nach seinen Worten ein Gegenentwurf zur "Tyrannei" der großen Technologie-Konzerne werden. Facebook, Twitter und Co hatten ihn wegen seiner anstachelnden Beiträge seit dem Sturm aufs Kapitol im Januar verbannt. Wiederholt hatte Trump daraufhin eine eigene Plattform angekündigt.

Der massive Kursanstieg der Digital-World-Aktie zeigt nun das Interesse von Investoren an den Plänen des Ex-Präsidenten, der mit einer erneuten Kandidatur im Jahr 2024 liebäugelt. Dennoch bleibe seine Börsen-Aktion hoch spekulativ, sagt Investment-Berater Pursche: "Unter seinen Millionen von Anhängern gibt es viel Begeisterung. Aber unter Investment-Gesichtspunkten deutet etwas, das so schnell hoch geht, darauf hin, dass es sehr gefährlich ist. Ich würde da zu großer Vorsicht raten."

Und schließlich: Das Konstrukt des SPACs sei zwar ein Renner in den USA. Doch es gebe bereits einen Rückwärtstrend. "Wir müssen uns klar machen, dass SPACs am Ende lediglich umgedrehte Fusionen sind", sagt Pursche. "Und der Trend, der Anfang des Jahres noch heiß war, hat sich inzwischen gewendet. Meiner Ansicht nach ist das etwas für Spekulanten. Etwa für solche, die lieber in die Kryptowährung Doge Coin investieren als ihr Geld ernsthaft und langfristig anzulegen."

SPACs sind unter Investoren auch deshalb so beliebt, weil sie ihren Einsatz wieder abrufen können, wenn ihnen das Akquisitionsziel nicht gefällt. Solche Rückzahlungen haben in den vergangenen Monaten einen Höchststand erreicht. Der Grund: Die fusionierten Unternehmen haben ihre Ziele verfehlt. Viele Börsenbeobachter sagen: Genau das könnte auch dem Trump-SPAC passieren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Oktober 2021 um 12:41 Uhr.

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Moderation 25.10.2021 • 21:50 Uhr

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