Tommy Hilfiger | picture alliance / abaca

Tommy Hilfiger wird 70 Es gibt ihn tatsächlich

Stand: 24.03.2021 14:28 Uhr

Seine Mode kennt jeder - und doch wissen viele nicht, dass hinter dem Namen eine real existierende Person steckt: Tommy Hilfiger. Heute feiert der US-Designer seinen 70. Geburtstag.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Ja, es gibt ihn wirklich, diesen Tommy Hilfiger. Auch wenn das die junge Kundschaft in einer Buzzfeed-Story kaum glauben mag. In der liest der Designer die erstaunten Posts seiner Fans vor, von denen einige geglaubt haben, Hilfiger stamme aus dem 19. Jahrhundert und sei längst nicht mehr am Leben. Ist er aber - und er feiert heute seinen 70. Geburtstag.

Peter Mücke ARD-Studio New York

Inspiriert von der Popkultur der 1960er

Hilfiger, der vielleicht amerikanischste aller Modedesigner. Blau, weiß und rot - wie die US-Flagge - sind die Farben seiner Marke. Seinen Stil nennt er ganz unbescheiden "All-American". Und seine Aufstiegsgeschichte klingt natürlich wie der American Dream, der amerikanische Traum. Sie beginnt in dem kleinen Städtchen Elmira in Upstate New York, wo Thomas Jacob Hilfiger als Sohn eines deutsch-schweizerischen Uhrmachers mit acht Geschwistern aufwächst.

"Mitte der 60er-Jahre war ich besessen von Musik: Die Beatles kamen nach Amerika, die Rolling Stones, The Who, Led Zeppelin, Hendrix. Woodstock. Das war eine Mode-Musik-Revolution. Und ich wollte Teil davon sein", erzählt Hilfiger. All das ist in dem von Äckern umgebenen Kaff Elmira aber nicht so einfach. Kaufen konnte man die Klamotten der Idole dort nicht.

Auf den schnellen Erfolg folgt die Pleite

Und so entschließt sich Hilfiger, diese Mode hierher zu bringen: "Ich habe 150 Dollar genommen, die ich mir bei Nachtschichten an einer Tankstelle verdient habe, und habe 20 Schlaghosen-Jeans in New York City gekauft, die ich dann an meine Freunde verkauft habe." Mit sattem Gewinn natürlich. Logische Konsequenz: Mit 18 eröffnet er seinen erste eigenen Laden. Hilfiger blickt zurück: "Ich habe ihn 'People's Place' genannt und schwarz angemalt. Dort habe ich Musik gespielt, Räucherstäbchen angezündet und coole Klamotten verkauft."

Klamotten, die er aus dem New Yorker East Village besorgt und manchmal nach eigenen Ideen noch ein bisschen aufpeppt. Das Konzept geht auf. Hilfiger macht weitere Läden auf, fährt Porsche und chartert Flugzeuge - und ist mit Mitte 20 pleite: "Wir haben es damals übertrieben", räumt er heute ein.

Aber: "Der Bankrott war für mich wie ein Uni-Abschluss in Betriebswirtschaft. Ich habe gemerkt, dass ich keine Ahnung von Wirtschaft hatte. Und ich habe gelernt, wenn ich erfolgreich eine eigene Marke aufbauen will, dann muss ich mehr von Wirtschaft verstehen." Hilfiger geht nach New York. Mode oder Design hat er nie studiert - trotzdem bekommt er Jobs in der Branche.

Logo von Tommy Hilfiger | picture alliance / abaca

Tommy Hilfiger-Store im französischen Cannes: Filialen der Marke gibt es weltweit. Bild: picture alliance / abaca

"Was glaubt er, wer er ist?"

1985 macht er seinen Traum wahr und gründet sein eigenes Label, das er ganz unbescheiden nach sich selbst nennt und in der ersten Werbekampagne gleich mit Ralph Lauren, Perry Ellis und Calvin Klein vergleicht.

Das Echo darauf habe ihn erschreckt, erzählt er heute: "Der Tag danach war der erste und einzige, an dem ich darüber nachgedacht habe, die Branche zu verlassen. Die Kampagne hat einen solchen Aufschrei ausgelöst. Überall in den Medien haben sie mir vorgeworfen: 'Was glaubt dieser Kerl eigentlich, wer er ist?'"

Tommy Hilfiger - und über Nacht kennt jeder den Namen und das blau-weiß-rote Logo der Marke, die vor allem in Deutschland beliebt ist. Sein Firma hat Hilfiger längst an Finanzinvestoren verkauft. Das letzte Wort für die Kollektionen, mit denen er sich selbst bis heute fast komplett einkleidet, hat er jedoch weiterhin. Auch wenn immer noch viele gar nicht wissen, dass hinter der Marke ein echter Mensch steckt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. März 2021 um 12:54 Uhr.