Krankenschwestern bereiten ein Bett vor

Erhebung zu Corona-Fällen Soziale Berufe besonders gefährdet

Stand: 07.03.2021 12:02 Uhr

Pflegekräfte und Kita-Beschäftigte waren 2020 deutlich häufiger aufgrund einer Corona-Infektion krank geschrieben als der Durchschnitt der Berufstätigen. Das geht aus Zahlen der Techniker Krankenkasse hervor.

Von Annette Deutskens, NDR

Die bundesweit größte gesetzliche Krankenversicherung, die Techniker Krankenkasse (TK), hat alle Corona-Diagnosen der erwerbstätigen Mitglieder ausgewertet, insgesamt knapp 28.000. Das Ergebnis der Erhebung liegt dem NDR vor. Die TK-Erhebung enthält erstmals die Corona-Diagnosen für die Berufstätigen einer Kasse für das komplette Jahr 2020. Die Techniker Krankenkasse hat fast elf Millionen Versicherte.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsgruppen bei der TK sind extrem: Während im Durchschnitt von 100.000 Erwerbstätigen knapp 500 aufgrund einer Corona-Infektion krank geschrieben wurden, waren es bei ambulanten und stationären Altenpflegekräften mit gut 1200 mehr als doppelt so viele. Danach kommen Kita-Beschäftigte, gefolgt von Krankenschwestern und -pflegern.

Medizinische Berufe gefährdet - Friseure liegen im Schnitt

Ebenfalls unter den besonders betroffenen Berufsgruppen: Ergo- und Physiotherapeuten, medizinische Fachangestellte wie Arzthelferinnen sowie Sonderpädagoginnen und -pädagogen, Ärztinnen und Ärzte. "Wir sehen in unseren Daten, dass vor allem Menschen in sozialen Berufen mit engem Kontakt zu anderen Menschen mit der Diagnose Covid-19 krankgeschrieben werden", sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.

Besonders selten erhielten dagegen diejenigen berufstätigen Versicherten eine Corona-Diagnose, die in der Wissenschaft und Forschung arbeiten: Dort waren es nur knapp 200 pro 100.000 Erwerbstätige. Auch Mitarbeiter im Controlling und in der IT waren selten betroffen. Die viel diskutierten Friseurinnen und Friseure waren in etwa so häufig aufgrund einer Corona-Infektion arbeitsunfähig wie der Durchschnitt der Berufstätigen.

Vor allem Erzieherinnen und Erzieher waren in der Pandemie vergleichsweise spät in den Fokus der Politik gerückt. Während Altenpflegekräfte beim Impfen von Anfang an in den Gruppen mit der höchsten Priorität eingeordnet wurden, sollten Kita-Kräfte ursprünglich deutlich später geimpft werden. Mittlerweile sind sie vorgerückt, aber immer noch sind die meisten nicht geimpft - und es fehlt vielerorts an einer Schnelltest-Strategie. Lehrkräfte und Polizisten kommen in der Studie der TK nicht vor, da sie als Beamte nicht Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung sind.

Frauen mit höherem Risiko als Männer

Frauen erkrankten über alle Berufsgruppen hinweg im Schnitt deutlich häufiger an Covid-19 als Männer. Das liegt vor allem an den Berufen an der Spitze des Rankings: Der Frauenanteil ist dort, wo überdurchschnittlich viele Beschäftigte eine Corona-Diagnose erhielten, besonders hoch, teilweise beträgt er bis zu 88 Prozent. In den drei am wenigsten betroffenen Berufsgruppen ist dagegen der Männeranteil mit bis zu 86 Prozent sehr hoch.

Dass Frauen und Männer von der Corona-Pandemie unterschiedlich betroffen sind, darauf weisen Gewerkschaften auch anlässlich des morgigen internationalen Frauentags hin. "Frauen tragen die große Last der Corona-Pandemie", heißt es beispielsweise bei der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Ähnlich äußert sich der Deutsche Gewerkschaftsbund. Vor allem Frauen arbeiteten in systemrelevanten und zugleich unterbezahlten Berufen. Die AOK hatte für den Zeitraum bis Oktober 2020 ebenfalls die Corona-Diagnosen ihrer berufstätigen Mitglieder ausgewertet und war zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen.

Über dieses Thema berichtete der NDR in Hallo Niedersachsen am 07. März 2021 um 19:30 Uhr.