Tim Ringel | Tim Ringel

Von Duisburg nach New York Die Erfolgsgeschichte des Tim Ringel

Stand: 17.07.2022 13:59 Uhr

Start-up aus dem Ruhrgebiet: Angefangen hat seine Erfolgsgeschichte mit ein paar Kumpels, einem Grill und einem Kasten Bier in Duisburg. Heute gehört Tim Ringel zu den ganz großen Start-uppern und Investoren in New York.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Ganz wird ihn das Ruhrgebiet niemals loslassen. Es ist schon Ernst dabei, wenn Tim Ringel lachend sagt: "Ich bin ja stolz darauf, in Duisburg aufgewachsen zu sein. Aber es wäre halt schon cooler gewesen im Silicon Valley, glaube ich."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

So begann Ringels Erfolgsgeschichte nicht in einer Garage und ging so rasend schnell wie die von Apple-Gründer Steve Jobs. Seine begann bei der Kiste Bier mit seiner Nerd-Clique in Duisburg.

Von klein auf begeistert von Informatik

Der Überflieger bleibt am Boden - selbst wenn er auf einer Dachterrasse hoch über Big Apple steht: schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, teure Sneakers. Understatement. Mit der Schule habe er es nicht so gehabt. Statt Lernen war Zocken angesagt. "Als ich elf war, hat irgendwie jeder einen Commodore 64 gehabt oder einen Amiga, und das war natürlich die Crème de la Crème, da konntest Du ganz viel Spiele zocken, das war super. Und auf dem Schulhof wurde auch ordentlich gedealt - mit Disketten. Und ich wollte unbedingt einen Computer haben. Ich fand Spielkonsolen langweilig."

Seine Eltern kauften ihm einen PC, der zu Hause in einem extra Raum stand, in den Tim zwei Stunden täglich rein durfte. Aber: "Ich konnte ja nichts damit machen, weil kein Mensch auf dem Schulhof einen PC hatte." Also brachte Tim sich das Programmieren bei, schmiss LAN-Partys - und hatte Visionen.

Doch für ein Informatikstudium reichte die Abinote nicht. Er studierte Wirtschaft - halbherzig. "Neben der Uni habe ich Serversysteme administriert und Clients in Ratingen bei der Royal Bank of Scotland", erzählt er.

Und irgendwann habe er sich ganz nebenbei auch noch selbstständig gemacht. Fortan bauten Ringel und seine Kumpels Websites für Firmen und brachten sie in den Suchmaschinen nach vorn. "Was aber spannend war, ist, dass irgendwann mal Leute gesagt haben: 'Jetzt habt ihr uns diese Seite gebaut, die haben wir jetzt, aber da, die besucht halt keiner, da ruft jetzt keiner an!' Wir haben das dann zum Anlass genommen, uns damit auseinanderzusetzen: Wie leitet man Leute auf eine Internetseite?"

"Ich würde gerne mit Google sprechen"

Mit seinen jetzt 46 Jahren klingt der Start-upper heute wie ein Dinosaurier des Internet, der aus der Steinzeit erzählt. "Wir hießen C&R Internet Services GbR. Internet Service, das versteht ja keiner. Also damals nicht. Wir haben tatsächlich den Anruf gekriegt, da hat einer angerufen und gesagt: 'Ist da das Internet? Können Sie mir mal die Seite so und so ausdrucken?' So sei das eben gewesen Ende der 1990er.

1999 gründete er mit einem Geschäftspartner die Agentur "Metapeople" -  mitten im ersten großen Internetboom. Unter den Kunden waren bereits Große wie die Telekom und E-Plus. 2001 kam Google. Und Ringel war einer der Ersten in Deutschland, der dort für einen Kunden einen Anzeigenauftrag klarmachte. Er erinnert sich noch heute an den Anruf:

'Ja, ich würde gern mit Google sprechen.' - 'Ja, ja, ein Moment.' - Und dann ging jemand ran. Und da waren es gerade fünf Mitarbeiter in Deutschland bei Google. Und die haben gerade Ikea-Möbel zusammengeschraubt, als ich angerufen habe. Und dann habe ich tatsächlich als einer der Ersten in Europa eine Werbebuchung bei Google gemacht. Darüber ist eine sehr interessante Dynamik entstanden.
Tim Ringel und Marco Ciachera | Tim Ringel

Tim Ringel (rechts) und seinen Geschäftspartner Marco Ciachera, mit dem er 1999 in Duisburg die Agentur Metapeople gründete. Bild: Tim Ringel

Geschäftsgründung in Big Apple

Google lud sie ins Silicon Valley ein. Ringel schaute sich Unternehmenskultur ab. Sein Team brainstormte lieber am Grill als im Büro. Sein Studium schmisst er: keine Zeit. Aus zehn Nerds des Leistungskurses Informatik einer Duisburger Gesamtschule wurde ein Laden mit 320 Leuten. Aus einer Internetagentur wurde eine Online-Agentur mit Standorten in Deutschland, London, Paris und San Francisco.

2011 verkaufte Ringel die Agentur mit zehn bis zwölf Millionen Euro Umsatz an Netbooster nach Frankreich. Er ging mit Frau und zwei Kindern nach New York, wollte etwas gründen. Er wurde CEO einer Agenturgruppe und dann Chef der Spring Studios, die unter anderem die New York Fashion Week veranstalten.

Nach der Corona-Pause gründete Ringel dann seine eigene Werbeagentur Meet the People. "Unser Modell ist relativ simpel. Wir sagen, wir machen das transparent. Wir müssen in der Mitte kein Geld verdienen. Es sind keine Zwischenhändler, sondern wir liefern Leistung", erklärt er seine Geschäftsidee. "Der Kunde bezahlt dafür, und die Plattformen mögen uns. Und wir aggregieren die ganzen verschiedenen Services dazwischen, die ganze Dienstleistung, und versuchen, integrierte Werbekampagnen oder integrierte Werbung zu machen." Egal, ob sich ein Kunde eine Marke ausdenke oder bei TikTok Werbung schalten wolle: "Das muss eigentlich alles aus einer Hand kommen."

 

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 10. Juli 2022 um 15:23 Uhr.