Blick auf die Firmenzentrale von Thyssenkrupp in Essen | picture alliance/dpa

Stahlhersteller Thyssenkrupp erholt sich

Stand: 18.11.2021 13:17 Uhr

Mehr Aufträge, mehr Umsatz und ein deutlicher Gewinn vor Steuern: Bei Thyssenkrupp geht es aufwärts. Der Konzern blickt positiv in die Zukunft. Was aus der Stahlsparte wird, ist aber weiter offen.

Die Lage beim Industrie- und Stahlkonzern Thyssenkrupp hat sich gegenüber dem pandemiebedingt schwächeren Vorjahr spürbar verbessert. Von Oktober 2020 bis September 2021 verzeichnete das Unternehmen Auftragseingänge von 39,6 Milliarden Euro: ein Plus von 41 Prozent. Der Umsatz ist um 18 Prozent gestiegen. Und der Gewinn vor Steuern und Zinsen lag im vergangenen Geschäftsjahr bei knapp 800 Millionen Euro nach einem Minus von fast 1,8 Milliarden Euro im coronabedingt schwachen Vorjahr.

Dennoch beendet der Konzern das abgelaufene Geschäftsjahr unter dem Strich mit einem kleinen Verlust von 19 Millionen Euro - eine deutliche Verbesserung zum Vorjahr, als noch ein Fehlbetrag von 5,5 Milliarden Euro angefallen war. Auf eine Dividende müssen Aktionäre weiter warten.

Zu dieser aktuellen Entwicklung haben laut Konzernmitteilung alle Segmente beigetragen, mit zum Teil deutlich verbesserten Ergebnissen. Insbesondere die Materialgeschäfte profitierten von steigenden Verkaufsmengen und Preisen.

Vorstandschefin sieht Trendwende

Die gesamtwirtschaftliche Erholung sowie Fortschritte beim Umbau lassen den angeschlagene Traditionskonzern positiv in die Zukunft blicken. "Nach gut zwei Jahren intensiver Transformation können wir heute sagen: Die Trendwende ist erkennbar, es geht in die richtige Richtung bei Thyssen-Krupp", erklärte die Vorstandsvorsitzende Martina Merz. Doch blieben insbesondere aufgrund des Halbleitermangels und der Unsicherheiten wegen der Corona-Pandemie noch große Herausforderungen bestehen.

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz | AFP

"Die Trendwende ist erkennbar" - Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz. Bild: AFP

Höchster Überschuss seit dem Geschäftsjahr 2007/08

Dennoch blickt der Konzern optimistisch auf die kommenden Monate. Unterm Strich peilt Thyssenkrupp für das im Oktober begonnene Geschäftsjahr 2021/22 sogar einen Jahresüberschuss von mindestens einer Milliarde Euro an - dies wäre der höchste Gewinn seit dem Geschäftsjahr 2007/08.

Zukunft der Stahlsparte offen

Spannend für die weitere Entwicklung des einstigen Industrie-Schwergewichts ist die Zukunft der Stahlsparte. Mit einem operativen Gewinn von 116 Millionen Euro schnitt sie deutlich besser ab als im Vorjahr, als sie mit einem Verlust von 820 Millionen Euro den Gesamtkonzern belastete. Ob und wie lange die zuletzt kriselnde und verlustträchtige Sparte noch im Konzern bleibt, ist offen. Nachdem Konzern-Chefin Merz im vergangenen Jahr schon die lukrative Aufzugsparte verkauft hatte, ist eine Abspaltung der Stahlsparte weiter ein Thema. Dies sei jedoch ein sehr komplexes Vorhaben. Das ehemalige Herzstück des Revierkonzerns wird derzeit massiv umgebaut, was auch den Abbau von 3750 Stellen bis 2026 bedeutet. Mehr als die Hälfte der Stellen seien bereits sozialverträglich abgebaut worden.

Zukunftsthema grüner Wasserstoff

Für seine Wasserstoff-Tochter Uhde Chrlorine Engineers (UCE) strebt Thyssenkrupp möglichst schon im Frühjahr nächsten Jahres einen Börsengang an und will eine Mehrheit am Geschäft behalten. Damit will Thyssenkrupp von der starken Nachfrage nach grünem Wasserstoff profitieren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. November 2021 um 09:38 Uhr.