Neuwagen von Tesla stehen in einem Showroom in Berlin | JENS SCHLUETER/EPA-EFE/Shutterst

Elektroauto-Hersteller Für Tesla wird es härter

Stand: 28.01.2021 16:26 Uhr

Der E-Autobauer Tesla hat erstmals ein gesamtes Kalenderjahr mit Gewinn abgeschlossen. Doch die Aussichten für die kommenden Monate bleiben vage. Das US-Unternehmen sieht sich wachsender Konkurrenz ausgesetzt.

Seit der Gründung im Sommer 2003 hat Tesla ein Jahr erstmals mit einem Gewinn abgeschlossen. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 721 Millionen Dollar, nachdem im Vorjahr noch ein Milliardenverlust angefallen war. Auch die Einnahmen kletterten um fast ein Drittel auf gut 27 Milliarden Dollar. Die Zahl der ausgelieferten Autos erreichte fast eine halbe Million.

Das klingt nach vielen guten Nachrichten. Dennoch reagierten die verwöhnten Anleger enttäuscht und schickten die Tesla-Aktie auf Talfahrt. Denn die Investoren hatten noch bessere Zahlen erwartet. Auch war ihnen der Ausblick auf das laufende Jahr zu vage. Dabei hat Firmenchef Elon Musk eine Steigerung der Auslieferungen von durchschnittlich 50 Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt. In diesem Jahr dürften es sogar noch mehr werden.

Weiteres entscheidendes Jahr

Ein konkretes Ziel nannte Musk aber nicht, zu groß sind die Unwägbarkeiten wegen der anhaltenden Pandemie und dem damit verbundenen Chipmangel, der der Branche derzeit weltweit zu schaffen macht. Teslas Finanzchef Zachary Kirkhorn sagte, das Unternehmen arbeite "extrem hart", um den Engpass an Halbleitern zu bewältigen. Details zu den Auswirkungen nannte er nicht.

Im Oktober hatte Musk auf Fragen von Analysten, ob das Unternehmen 2021 zwischen 840.000 und einer Million Fahrzeuge ausliefern wolle, geantwortet, das Ziel liege "in dieser Nähe". Im vergangenen Jahr hatte Tesla die versprochenen 500.000 Auslieferungen nur knapp verfehlt. Bei einer Steigerung um 50 Prozent wären es in diesem Jahr also 750.000, also weniger als noch im Herbst letzten Jahres angepeilt.

Wachsende Konkurrenz

Doch unabhängig vom Chipmangel und der Pandemie steht Tesla zunehmend vor ganz anderen Herausforderungen. Branchenexperten verweisen dabei in erster Linie auf die wachsende Konkurrenz. Schon sind die E-Autos von Volkswagen an Tesla vorbeigezogen und haben die Amerikaner beim Marktanteil in Europa auf den zweiten Platz verwiesen. Auch andere traditionelle Autohersteller wie Renault, BMW oder GM wollen in diesem Jahr neue E-Modelle auf den Markt bringen. In China versuchen gleich mehrere Konkurrenten wie Lucid Motors, Nio oder XPeng den Tesla-Modellen Paroli zu bieten.

Die Luft für Tesla wird also dünner. Wegen der wachsenden Konkurrenz ist im letzten Jahr auch der durchschnittliche Verkaufspreis je Fahrzeug gesunken, und zwar um elf Prozent. Tesla hatte zuletzt in China die Preise für sein meistverkauftes Model 3 gesenkt, zudem sank der Absatz der alternden, höherpreisigen Modelle S und X.

Hohe Einnahmen durch Abgaszertifikate

Zwar steigerte Tesla die Zahl der Auslieferungen insgesamt, doch vielen Verbrauchern sind die Wagen des Herstellers immer noch zu teuer. Sie suchen deshalb nach günstigeren Alternativen. Für Tesla hat der wachsende Preisdruck zur Folge, dass der Konzern im Schnitt weniger pro Auto verdient als zuvor.

Bekannt ist auch, dass der Konzern noch immer einen wesentlichen Teil seines Gewinns mit dem Handel von Abgaszertifikaten erwirtschaftet und nicht mit dem eigentlichen Auto-Geschäft. Tatsächlich benötigen die anderen Hersteller die Zertifikate, um ihre Emissionsbilanz auszugleichen und so gesetzliche Vorgaben etwa in Kalifornien oder Europa zu erfüllen. Stattliche 1,6 Milliarden hat Tesla im vergangenen Jahr damit eingenommen. Ohne diese Erlöse hätte das Unternehmen kein Geld verdient.

Die Experten der US-Investmentbank Morgan Stanley glauben deshalb, dass Tesla immer noch ein Unternehmen ist, an das man entweder glaube oder nicht. Tesla wolle so schnell wie möglich wachsen, "wahrscheinlich viel schneller als der Markt denkt." Aber das werde auf dem Weg dorthin auch kurzfristige Schwankungen bei den Gewinnen mit sich bringen.

Batterietechnik bleibt wichtiger Vorteil

Doch Tesla verfüge noch über einen entscheidenden Vorteil, sagt der Experte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Er verweist auf die aus seiner Sicht überlegene Batterietechnik und die Software. Der Aufholprozess der Konkurrenz werde deshalb noch einige Zeit dauern.

Auch ist das Unternehmen mit den Arbeiten an der neuen "Gigafactory" bei Berlin bislang im Zeitplan - wenngleich immer noch eine Baugenehmigung fehlt. Eigenen Angaben zufolge werden bereits erste Maschinen in die Anlage transportiert. Sowohl dort als auch in dem neuen Werk in Austin im US-Bundesstaat Texas, das gerade gebaut wird, soll in diesem Jahr die Produktion beginnen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2021 um 13:46 Uhr.