Tesla-Fabrik Shanghai | dpa

Videos aus Fabriken Überwachungskameras bei Tesla gehackt

Stand: 10.03.2021 10:38 Uhr

Hacker sollen sich Zugang zu 150.000 Überwachungskameras eines US-Herstellers verschafft haben. Zu den Betroffenen zählen offenbar Krankenhäuser, Flughäfen, Gefängnisse - und der Elektroautobauer Tesla.

Hacker haben sich nach eigenen Aussagen Zugang zu mehr als 200 Kameras in Fabriken und Lagerhallen des Elektroauto-Konzerns Tesla verschafft. Das Video, das die Hacker der Nachrichtenagentur Bloomberg vorführten, zeigt Arbeiter an einer Fertigungsstraße in der Tesla-Fabrik in Shanghai.

Dabei ist Tesla vielleicht das prominenteste Opfer des Hackerangriffs - aber nicht das einzige. Zu insgesamt 150.000 Kameras des Herstellers Verkada sollen sich die Hacker der Nachrichtenagentur zufolge Zugang verschafft haben.

Gesichtserkennung soll für Sicherheit sorgen

Das 2016 gegründete kalifornische Start-up Verkada ist spezialisiert auf Überwachungskameras. Kunden können übers Internet auf die Kameras zugreifen. Gesichtserkennung soll dabei für zusätzliche Sicherheit sorgen.

Große Unternehmen wie Tesla und die IT-Sicherheitsfirma Cloudflare, aber auch Krankenhäuser, Flughäfen und Gefängnisse zählen zu den Kunden von Verkada. So verschafften sich die Hacker etwa auch Zugang zu 330 Sicherheitskameras im Madison County Jail in Huntsville, Alabama.

Verkada bestätigte den Vorfall. Der Hackerangriff werde derzeit intern und von einem Sicherheits-Dienstleister untersucht, teilte das Unternehmen mit. "Wir haben die Strafverfolgungsbehörden und Kunden benachrichtigt."

Verkada Überwachungskamera |

Verkada Überwachungskameras setzen auf Gesichteserkennung.

Zuvor auch Nissan und Intel gehackt

Hinter dem Angriff steckt eine Gruppe von Hackern um den Schweizer Software-Entwickler Tillie Kottmann, die sich in der Vergangenheit bereits beim Technologieunternehmen Intel und dem Autokonzern Nissan eingehackt hatte.

Der neue Hack "offenbart, wie sehr wir überwacht werden", sagte Kottmann. Zugleich zeige er, wie einfach es sei, in die Systeme einzubrechen. Es werde nur wenig Mühe darauf verwendet, die bei der Videoüberwachung genutzten Plattformen abzusichern, diese hätten nur ihren Gewinn im Sinn.

Plötzlich "Super-Administrator"

Die Hacker haben sich nach eigenen Angaben die Zugangsdaten für einen Administrator-Account mit weitreichenden Zugriffsrechten im Internet beschafft. Als "Super-Administrator" hätten sie dann eine Vielzahl von Kameras anzapfen können. Als Bloomberg bei Verkada dazu eine Anfrage stellte, hätten die Hacker den Zugang verloren.

Die Hacker hätten sich auch Zugang zum Videoarchiv der Verkada-Kunden verschafft, hieß es. Dass gespeicherte interne Aufnahmen nicht ausschließlich für das Unternehmen oder die Einrichtung selbst zugänglich sind, gilt als ungewöhnlich.

Größter Tagesgewinn seit einem Jahr

Im Vorfeld des Bloomberg-Berichts hatte die Tesla-Aktie an der US-Technologiebörse Nasdaq am Dienstag ein großes Comeback gefeiert. Mit einem Kursplus von rund 20 Prozent erzielte sie den größten Tagesgewinn seit einem Jahr. Nach Berechnungen des Finanzdaten-Anbieters Refinitiv tauschten Händler Tesla-Aktien im Wert von fast 43 Milliarden Dollar - was mehr Geschäfte waren als bei jeder anderen Aktie.

Dabei handelte es sich in erster Linie um eine Gegenreaktion nach einer ausgedehnten Verlustserie. Auch nach dem gestrigen Kursplus verblieb die Tesla-Aktie noch mehr als 20 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Januar.

Allein das hohe Volumen spricht aber auch für einen sogenannten "Short Squeeze": Der plötzliche Anstieg der Tesla-Aktie dürfte zahlreiche Anleger, die auf weitere Kursverluste spekuliert hatten, auf dem falschen Fuß erwischt haben. Sie mussten sich rasch mit Tesla-Papieren eindecken - was die Aktie nur noch weiter in die Höhe beförderte.

Tesla hält an Grünheide-Zeitplan fest

Unterdessen wurde bekannt, dass der US-Elektroautobauer an seinem ehrgeizigen Zeitplan für die neue Autofabrik in Grünheide bei Berlin offenbar festhält. Der Produktionsstart sei weiter für Juli avisiert, berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Branchenkreise.

Bislang fehlt dem Unternehmen unter anderem noch die endgültige umweltrechtliche Genehmigung für die Fabrik durch das Land Brandenburg. Eine Entscheidung darüber gilt bis Ende März oder Anfang April als möglich.