Tesla-Werk in Fremont | picture alliance / San Jose Merc

Kalifornien reicht Klage ein Rassismusvorwürfe gegen Tesla

Stand: 11.02.2022 09:01 Uhr

Hunderte Beschäftigte eines Tesla-Werks bei San Francisco werfen dem Unternehmen Rassismus vor. Jetzt verklagt der Staat Kalifornien Tesla direkt.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der US-Staat Kalifornien hat das Unternehmen Tesla wegen angeblicher Diskriminierung und Belästigung schwarzer Mitarbeiter in seinem Werk in der San Francisco Bay Area verklagt. Hunderte von Beschwerden von Arbeitnehmern hätten die Klage bewirkt, sagte Kevin Kish, Leiter der kalifornischen Behörde für faire Beschäftigung und Wohnen.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Owen Diaz kommen die neuen Vorwürfe nur allzu bekannt vor. Auch, wenn sein Gerichtsverfahren schon im Herbst vergangenen Jahres abgeschlossen wurde. Diaz ist Afro-Amerikaner und hat im Jahr 2015 im Tesla-Hauptwerk in Fremont als Aufzugführer gearbeitet. Über seine damaligen Kollegen sagt er: "Sie haben mich Boy genannt, und die Batterien aus dem Aufzug entfernt." Manchmal hätten sie auch das "N-Wort" benutzt und gesagt: "...drück den Knopf'." 

Auf seine Arbeit sei er stolz gewesen, erzählt Diaz heute. Vor allem darauf, für ein Unternehmen zu arbeiten, das sich für den Umweltschutz einsetze. Er unterstütze nach wie vor die Mission von Tesla-Chef Elon Musk - was er aber nicht gut heißen könne, sei die Art und Weise, wie sie erreicht werde, so Diaz. "Als ich mich bei den Vorgesetzten über die Beschimpfungen beschwert habe, hat mich man zum Feind Nummer 1 erklärt."

137 Millionen Dollar Schadensersatz

Nach neun Monaten rassistischer Beschimpfungen hat Diaz aufgegeben und den Automobilhersteller auf 101 Millionen US-Dollar Schadensersatz verklagt. Eine Geschworenen-Jury in San Francisco sprach ihm im Herbst aber nicht die 101 Millionen zu, sondern 137 Millionen Dollar. Diaz' Anwalt Larry Organ sagt: "Die Jury hat ihm mehr Geld zugesprochen als wir ursprünglich gefordert hatten. Ich glaube, weil die Geschworenen entsetzt waren, wie man bei Tesla solch ein rassistisches Gebaren erlauben konnte." 

Dass Owen kein Einzelfall im Werk in Fremont mit gut 10.000 Beschäftigten ist, belegen weitere Klagen aus den vergangenen Wochen: mehr als ein halbes Dutzend Frauen - aktuelle und ehemalige Tesla-Beschäftigte - haben eine weitere Klage eingereicht. In dieser erklären sie, das Unternehmen habe keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um sie vor sexueller Belästigung zu schützen. 

Neue Klage nach Hunderten Beschwerden

Die kalifornische Behörde für faire Beschäftigung und Wohnen, die die jüngste Klage gegen den Autobauer eingebracht hat, erklärt, es hätten sie Hunderte Beschwerden aus dem Werk in Fremont erreicht. Die Behörde teilte mit, sie habe Beweise gefunden, dass es "bei Tesla nach Rassen getrennte Arbeitsplätze" gebe. Außerdem: Mitarbeitende schwarzer Hautfarbe seien rassistischen Beleidigungen ausgesetzt und sie würden bei der Zuweisung von Tätigkeiten, bei der Bezahlung und bei der Beförderung benachteiligt werden.

Tesla-Geschäftsführer und SpaceX-Gründer Elon Musk. | REUTERS

Tesla-Geschäftsführer und SpaceX-Gründer Elon Musk. Bild: REUTERS

Der Autobauer teilte zu den Vorwürfen unter anderem mit: "Ein Unternehmen wie Tesla anzugreifen, das so viel Gutes für Kalifornien getan hat, sollte nicht das vorrangige Ziel einer staatlichen Behörde sein." Die mehr als dreijährige Untersuchung der Behörde bezeichnete das Unternehmen als wenig glaubwürdig und versuchte sie als Publicity-Gag darzustellen.

Dass das Verhältnis zwischen Tesla-Chef Musk, dem Stand Februar reichsten Menschen der Welt, und Kalifornien zerrüttet ist, hat sich schon im vergangenen Jahr gezeigt. Da hatte Musk bekannt gegeben, den Firmensitz vom liberalen Kalifornien ins konservative Texas zu verlegen. Ein Grund war wohl, dass er wenige Wochen nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 das Werk in Fremont wieder öffnen wollte. Die kalifornischen Behörden hatten ihm das damals aber verwehrt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Februar 2022 um 23:59 Uhr.