Brandenburg, Grünheide: Die Baustelle der Tesla Gigafactory (Luftaufnahme mit einer Drohne).  | dpa

Teslas Werk in Grünheide Planen, bauen, beantragen

Stand: 30.03.2021 18:15 Uhr

In wenigen Monaten sollen die ersten E-Autos von Tesla in Brandenburg vom Band laufen. Doch viele Bau- und Infrastrukturfragen sind noch nicht bis ins Detail geklärt und manche Genehmigung nur vorläufig erteilt.

Von Iris Marx, rbb

Das neue Tesla-Werk im Brandenburgischen Grünheide wächst unaufhaltsam. Nicht mega, sondern giga soll Elon Musks Fabrik werden. Die Kommunen arbeiten zur Zeit mit Hochdruck daran, den großen Wachstumsschub, der auf die Region sehr wahrscheinlich zukommen wird, in den Griff zu bekommen.

Iris Marx

Brandenburg plant mit mehr als 40.000 Beschäftigten

So stellte Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) nun ein Konzept vor, wo und wie das Land die geschätzten 40.000 Beschäftigten der Tesla-"Gigafactory" unterbringen werde. "Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass das Mercedes-Werk in Sindelfingen 35.000 Beschäftigte hat", vergleich Beermann stolz. In Grünheide entstehe gerade eines der größten Autowerke Deutschlands. Profitieren würde auch der umliegende Einzelhandel- und Dienstleistungssektor.

Aber auch weitere Zuliefererbetriebe würden sich in der Folge der "Gigafactory" ansiedeln. Womöglich kommen viele der künftigen Tesla-Beschäftigten aus Berlin oder Frankfurt/Oder und bleiben dann auch dort wohnen. Umso wichtiger wäre eine gute Bahnanbindung: Schon jetzt fährt die Regionalbahn RE1 öfter als früher, der Bahnhof Fangschleuse rückt womöglich näher an das Werk heran. 

Viele neue Impulse für das Land 

Aber viele der neuen Tesla-Mitarbeiter werden auch mit Sack und Pack und Familie in die Region ziehen. "Wir haben sprichwörtlich jeden Stein umgedreht, um Wohnungsflächen zu identifizieren", sagte Beermann. Ein Jahr lang habe man an einem Konzept gearbeitet, an dem 22 Brandenburger Städte und Gemeinden sowie auch der Berliner Bezirk Treptow-Köpenick mitgewirkt habe.

"In Summe sind für die Schaffung von neuem Wohnraum mehr als 900 Hektar Bauflächen kurz- bis mittelfristig aktivierbar. Das entspricht bei Zugrundelegung der bestehenden ortsüblichen Baudichten über 40.000 zusätzliche Wohneinheiten", berichtet Beermann. Je nach Szenario rechne man mit dem Zuzug zwischen 11.600 und 36.400 zuziehenden Arbeitskräften. Fünf bis sechs Jahre werde die Umsetzung brauchen. Für Brandenburg eine riesige Chance. Zumal Musk auch noch angekündigt hat, hier zusätzlich die weltgrößte Batteriefabrik zu bauen.

Fünf Kilometer Abwasserleitung in drei Monaten?

Giga wird nicht nur die Fabrik, sondern wohl auch der Wasserverbrauch für den Bau der geplanten 500.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr. Ganze 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser wird Tesla in der ersten Ausbaustufe benötigen. Das entspräche dem Verbrauch einer 40.000 Einwohner großen Stadt, schätzt der für die Versorgung zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE). Der Verbrauch könne sogar auf 3,6 Millionen Kubikmeter steigen. Das Umweltministerium ist dabei, jetzt ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten. Für Tesla könnte ein neues Wasserwerk in der Gemeinde entstehen. Doch auch ein Abwasseranschluss fehlt offenbar.

Der Bau der Leitung ist nicht unkompliziert und der Zeitplan durchaus ambitioniert. Die gesamte Leitung von etwa fünf Kilometern müsste etwa unter einer Bahntrasse und einem Autobahnabschnitt gebaut werden. Gerade für Letzteres bräuchte Tesla die Genehmigung des Fernstraßen-Bundesamts, das dafür allerdings noch nicht einmal einen entsprechenden Antrag vorliegen habe, teilt die Behörde auf Anfrage von tagesschau.de mit.

Doch für Tesla werde zur Zeit auch viel möglich gemacht, was vorher unmöglich schien, deutet der Wasserverband WSE an. "In den für uns als Unternehmen der Daseinsvorsorge geltenden Genehmigungsgeschwindigkeiten wäre das Vorhaben für uns kaum realisierbar gewesen", sagt die Sprecherin der WSE, Sandra Ponesky, zu tagesschau.de. Das sorge durchaus auch für Unmut anderer Unternehmen.

Gesamtgenehmigung steht noch aus

Allerdings steht eines nach wie vor ebenfalls noch aus: die Gesamtgenehmigung für das Vorhaben. Der bisherige Bau erfolgt auf Grundlage einzelner Baugenehmigungen, die aber nur auf eigene Gefahr einer Gesamtgenehmigung erteilt wird. Sollte die versagt werden, müsste Tesla den ursprünglichen Zustand wiederherstellen. Für dieses Risiko hatte das Unternehmen Anfang des Jahres eine sogenannte Patronatserklärung  abgegeben.

Naturschützer und Anwohner haben große Bedenken geäußert, dass die Autofabrik negative Folgen auf die Umwelt haben könnte. Doch der Landrat von Oder-Spree, Rolf Lindemann, machte heute auch eines klar: dass Teslas Aufwand wohl nicht vergebens sei. Klar ist: Das Projekt "Gigagfactory" wird von der Politik gewollt und unterstützt.

Über dieses Thema berichtete rbb Fernsehen am 30. März 2021 um 17:00 Uhr in der Sendung "rbb24".