Die Tesla-Gigafactory-Baustelle in Grünheide | dpa

Tesla in Grünheide Es wird wohl eher spät im Jahr

Stand: 01.05.2021 10:51 Uhr

Es wird wohl eher Winter als Sommer: Der Bau der Tesla-"Gigafactory" in Grünheide verzögert sich - und damit auch der Produktionsstart. Eigentlich hatte es im Juli losgehen sollen, doch es hakt gleich an mehreren Stellen.

Von Andreas König und Philipp Barnstorf, rbb

Wann startet die Tesla-"Gigafactory" in Brandenburg? Der US-Konzern spricht in seinem aktuellen Quartalsbericht von einem Produktionsstart "spät im Jahr 2021". Bisher baut Tesla auf eigenes Risiko mit einer Reihe von Vorabzulassungen - die endgültige umweltrechtliche Genehmigung für das Projekt steht noch aus.

Nun soll noch eine Batteriefabrik dazukommen. Die soll einmal die größte der Welt werden, wie Tesla-Chef Elon Musk angekündigt hat - und auch die muss erst noch genehmigt werden. Der Antrag dazu muss ebenfalls öffentlich ausgelegt werden, das ist Vorschrift. Anwohner, Umweltverbände und andere Interessierte können sich mit den Plänen des Investors vertraut machen, Bedenken äußern und Einsprüche erheben. Das alles wird dann aller Voraussicht nach erörtert und bewertet werden - und so etwas dauert in der Regel mehrere Monate. Ein Vierteljahr hält Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach für denkbar - mindestens so lange könnte sich die Fertigstellung der Fabrik also verzögern.

Dennoch geht auch nach Ansicht von Ministerpräsident Dietmar Woidke Gründlichkeit vor Schnelligkeit: "Wir sind gut beraten, alles dafür zu tun, dass die gesamte Genehmigung für die Autoproduktion in Grünheide rechtssicher läuft", sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur dpa.

Baukosten in Milliardenhöhe

Seit der Ankündigung Musks im November 2019, eine Tesla-Fabrik in Berlin-Brandenburg zu bauen, hat die Landesregierung das Großprojekt nach Kräften unterstützt - allein schon mit den Vorab-Zulassungen vom Umweltministerium, die es ermöglichten, dass das Unternehmen auf eigenes Risiko Bäume fällen und bereits Produktionshallen bauen konnte. Denn das Image von Tesla als Elektroautobauer, der etwas gegen den Klimawandel tut, passt in den Zeitgeist.

Auch ein Antrag des Investors auf Fördermittel wird laut der Brandenburger Landesinvestitionsbank noch bearbeitet. Dabei gehe es um weit mehr als 100 Millionen Euro, hieß es von Seiten der Bank, dafür sei auch ein Notifizierungsverfahren durch die EU nötig. Insgesamt rechnet Tesla mit Baukosten von rund einer Milliarde Euro.

Kritik von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen

Umweltverbände und Bürgerinitiativen sehen das Bauprojekt nach wie vor kritisch. Hauptsächlich geht es dabei um Wasser: Das ist knapp in der Region. Dass die Gigafactory ausgerechnet in einem Trinkwasserschutzgebiet errichtet wird, sorgte von Anfang an für Proteste. Nach zähen Verhandlungen einigten sich Tesla und der zuständige Wasserzweckverband im September 2020 darauf, dass die Fabrik künftig bis zu 1,45 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr verbrauchen darf. Das entspricht ungefähr dem Jahresverbrauch einer Stadt mit 30.000 Einwohnern. Für Erweiterungen wie etwa die Batteriefabrik kann dem Verband zufolge frühestens in fünf Jahren zusätzlich Wasser geliefert werden. Bis dahin soll ein bislang ungenutztes Reservoir erschlossen und ein Wasserwerk gebaut werden. Tesla, so heißt es aus Behördenkreisen, wolle mit der jetzt bewilligten Wassermenge auskommen.

Doch die Umweltverbände bleiben besorgt, rechnet die Region doch neben der Fabrik auch mit einem erheblichen Zuzug an Menschen: Allein Tesla spricht von 7000 Mitarbeitenden, die der Konzern mit Fertigstellung des Werkes hier beschäftigen will. Und wenn das Wasser noch knapper wird, befürchten die Naturschützer, dass besonders schützenswerte Lebensräume in der Umgebung gefährdet werden könnten.

Auch bei einer erneuten Auslegung der Planungsunterlagen für die Auto- und die Batteriefabrik wollen die Kritiker genau auf mögliche negative Auswirkungen für die Umwelt achten. Nach Ansicht des Naturschutzbundes Brandenburg und der Grünen Liga sei die Neuauslegung der Pläne auch ohne die Batteriefabrik erforderlich, da es bereits sehr viele Änderungen an dem Vorhaben gegeben habe.

Ist der Widerstand Wasser auf Teslas Mühlen?

Umgekehrt ruft der Widerstand aus der Region Kritik bei Tesla hervor. Anfang April äußerte der Elektroautobauer schriftlich seinen Unmut darüber, dass das Genehmigungsverfahren für die Fabrik in Grünheide so langsam vorankomme. "Der deutsche Genehmigungsrahmen für Industrie- und Infrastrukturprojekte sowie für die Raumplanung steht in direktem Gegensatz zu der für die Bekämpfung des Klimawandels notwendigen Dringlichkeit der Planung und Realisierung solcher Projekte", so die Kritik der Amerikaner.

Besonderen Anstoß scheint Tesla dabei am Widerstand von Umweltverbänden und Anwohnerinitiativen zu nehmen. Das "eklatanteste Problem" sei, so heißt es in dem Schreiben, dass in aktuellen Verfahren und Gesetzen Projekte, die den Klimawandel bekämpften, und solche, die ihn beschleunigten, gleichbehandelt würden. Gleichzeitig unterbreitete Tesla Vorschläge, wie es schneller gehen könnte mit den Genehmigungen: etwa beschleunigte Verfahren für nachhaltige Projekte sowie die Berücksichtigung auch indirekter Auswirkungen auf die Umwelt.

Doch zunächst werden die Elektroautobauer erst einmal warten müsse, wann und wie die öffentliche Auslegung und wahrscheinliche Erörterung der geänderten Planunterlagen vonstatten gehen. Und von deren Ausgang wird wohl abhängen, wann nun der erste der jährlich 500.000 geplanten Teslas vom Band rollen wird: ob Ende dieses Jahres - oder sogar erst im nächsten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Mai 2021 um 07:01 Uhr.