Tesla-Mitarbeiter klatschen bei der Übergabe eines im neuen Werk in Shanghai gefertigten Elektroautos. | REUTERS

Software-Probleme Teslas China-Sorgen setzen sich fort

Stand: 28.06.2021 13:35 Uhr

Rund 300.000 Tesla-Fahrzeuge der Typen Model 3 und Model Y müssen in China wegen Software-Problemen ein Update bekommen. Für den US-Elektroautobauer hatten sich zuletzt die Sorgen in China gehäuft.  

Der E-Autohersteller Tesla hat in China wegen Softwareproblemen bei knapp 300.000 Fahrzeugen Schwierigkeiten. Eine Funktion beim assistierten Fahren könne vom Fahrer versehentlich aktiviert werden, was eine plötzliche Beschleunigung nach sich ziehen könne, teilten die chinesische Behörden State Administration for Market Regulation (SAMR) mit.

Bei den Fahrzeugen solle ein kostenfreies Online-Software-Update gemacht werden, heißt es weiter. Das bedeutet, dass die meisten der Autos wohl nicht in die Werkstatt gebracht werden müssten. Der Großteil der Fahrzeuge, die das Software-Update bekommen, wurde in China gebaut.

Harter Kampf um Marktanteile

Auch wenn das Problem offenbar leicht aus der Welt geschaffen werden kann, ist es für Tesla eine unerfreuliche Situation. Denn der chinesische Markt ist für die Hersteller von Elektroautos von überragender Bedeutung. In keinem anderen Land wird die Elektromobilität so massiv vom Staat gefördert wie dort, nirgendwo sonst gibt es außerdem so viele Wettbewerber.

Und die Wachstumsraten sind riesig: Im Mai dieses Jahres wurden in China nach Daten der China Passenger Car Association (CPCA) 185.000 Elektroautos verkauft, das entspricht einem Plus von 177 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Insgesamt wuchsen die Pkw-Verkäufe lediglich um 1,1 Prozent. Die CPCA prognostiziert in China für dieses Jahr den Verkauf von 2,4 Millionen Elektroautos, darunter auch Plug-in-Hybride und andere alternative Antriebsformen.

Vor allem aber wächst die chinesische Automobilindustrie für die westlichen Hersteller im Segment Elektromobilität zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten. Das hängt damit zusammen, dass die westlichen Anbieter hier nicht im gleichen Maße über einen jahrzehntelangen technologischen Vorsprung verfügen, wie das bei den Verbrennungsmotoren der Fall ist. Gemeinsam mit den westlichen Anbietern kämpfen chinesische Autobauer wie Nio, BYD, Xpeng, JAC Motors, SAIC, BAIC und andere um Marktanteile.

Imageproblem in China?

Deshalb kann der Vorfall für Tesla auf dem wichtigen Markt zu einem Imageproblem werden. Nicht zum ersten Mal innerhalb weniger Wochen gerät der US-Konzern in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit - und das mit einem Thema, welches man kaum als gute Produktwerbung bezeichnen kann.

Für Aufsehen hatte beispielsweise ein Ereignis bei der Automesse in Shanghai im April gesorgt. Dort war eine Frau am Tesla-Stand in ein Model 3 des Herstellers gestiegen und beklagte schreiend Bremsversagen. Sie wurde von Sicherheitsleuten abgeführt, während sich die Videos im Netz verbreiteten. Die chinesische Marktaufsichtsbehörde schaltete sich daraufhin ein, in staatlichen Medien wurde eine Untersuchung bei Tesla gefordert.

 

Noch läuft es rund für Tesla

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich chinesische Konsumenten künftig die Angebote der Anbieter made in China noch genauer ansehen. Die Schwächung der internationalen Konkurrenz könnte auch im ökonomischen Interesse von Staat und Behörden liegen, jedenfalls wenn sie sich eine starke chinesische Volkswirtschaft wünschen.

Zumindest im Mai konnte sich Tesla bei den Absatzzahlen gut behaupten und verkaufte insgesamt 33.463 Autos von Model 3 und Model Y aus der Gigafactory in Shanghai. Das entspricht einem Plus von 29 Prozent verglichen mit dem Vormonat. Rund 11.500 der Fahrzeuge wurden exportiert. Wie es scheint, wirkt sich die derzeit mäßige Publicity in China noch nicht auf das Geschäft aus.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Juni 2021 um 09:36 Uhr.