Die Baustelle der Tesla Gigafactory in Grünheide | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Tesla-Betriebsratswahlen Ohne Kandidaten aus der Produktion

Stand: 27.01.2022 15:02 Uhr

Ende Februar wird die Belegschaft des deutschen Tesla-Werks erstmals ihre Betriebsräte wählen. Zu früh, moniert die Gewerkschaft IG Metall, denn es gibt noch gar keine Kandidaten aus der Produktion.

Die IG Metall hat weiter Bedenken, dass die für den 28. Februar anberaumten Betriebsratswahlen im deutschen Tesla-Werk in Grünheide nahe Berlin zu früh stattfinden. Denn Kandidaten konnten nur bis zum 26. Januar aufgestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt habe es aber noch keine Beschäftigten in der Produktion gegeben, sondern nur Personen, die dem Management zuzuordnen seien, erklärte IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner. Damit repräsentierten die künftigen Arbeitnehmervertreter nicht die Belegschaft, wie sie bei beginnender oder erst recht bei voller Produktion aussehen wird.

Für den Betriebsrat dürfen nur Beschäftigte kandidieren, die am Wahltag bereits sechs Monate in dem Unternehmen beschäftigt waren. Das trifft auf die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Fertigung nicht zu. Sie werden erst nach und nach eingestellt, am Ende aber die Mehrheit der Beschäftigten in dem Werk stellen. Deshalb handelt es sich bei den Kandidaten für die ersten Betriebsratswahlen überwiegend um leitende Angestellte aus der Verwaltung sowie um Ingenieure. Arbeiter seien keine dabei. Der Betriebsrat würde damit nicht die Belegschaft repräsentieren.

IG Metall wirbt um Beschäftigte

Schon im November hatten Tesla-Angestellte die Wahl eines Betriebsrats angestoßen, obwohl zu diesem Zeitpunkt erst ein Bruchteil der geplanten Mitarbeiter angestellt war. Gewerkschaftsangaben zufolge arbeiten derzeit zwischen 2000 und 2300 Menschen auf dem Gelände. Künftig sollen etwa 12.000 Mitarbeiter in Grünheide bis zu 500.000 Elektroautos im Jahr bauen.

Die IG Metall verweist darauf, dass rechtlich gesehen eine Betriebsratswahl nach zwei Jahren wiederholt werden muss, wenn sich die Zahl der Beschäftigten nach der Ausschreibung für die ersten Wahlen deutlich erhöht.

Die IG Metall ist daran gelegen, möglichst viele Tesla-Beschäftigte zu vertreten, auch um sicher zu gehen, dass die Mitarbeiter nach Tarifverträgen bezahlt werden. Zudem soll verhindert werden, dass Tesla sich über die Arbeitskosten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den deutschen Autobauern verschafft. Die Gewerkschaft hat eigens ein Büro in der Nähe des Werksgeländes eröffnet. Damit will sie den Mitarbeitern Unterstützung signalisieren, egal ob es um Vorstellungsgespräche, Arbeitsverträge, die Arbeitsbedingungen oder die Entgelte geht, wie sie sagt.

Start der Serienproduktion im März?

Tesla-Chef Elon Musk hatte gehofft, dass die ersten Autos in Grünheide spätestens im Dezember 2021 von den Bändern rollen können. Doch es gab Verzögerungen wegen umweltrechtlicher Genehmigungen. Nun gibt es Gerüchte, dass die Serienproduktion im März diesen Jahres starten könnte. Erste Autos rollen zu Testzwecken schon vom Band. Internen Mails zufolge könnte die Auslieferung des in Grünheide gefertigten Model Y Ende März beginnen.

Musk will Mitte Februar nach Berlin reisen, wie er vor Kurzem per Twitter mitteilte. Der Konzernchef begleitet den Bau der neuen Fabrik eng und fordert die deutschen Behörden immer wieder zu mehr Schnelligkeit auf. Als Gegenbeispiel gilt die Gigafactory 3 im chinesischen Shanghai, die bereits nach einem Jahr Bauzeit Autos produzierte. In Grünheide sollte Produktion ursprünglich im Juli vorigen Jahres beginnen.

Über dieses Thema berichtete Antenne Brandenburg Regionalnachrichten am 24. November 2021 um 14:40 Uhr.