Logo des Elektroautohersteller Tesla | REUTERS

Elektroauto-Hersteller Tesla verdoppelt Gewinn und enttäuscht

Stand: 20.10.2022 08:29 Uhr

Tesla hat der Inflation und schwächelnden Konjunktur getrotzt und den Gewinn im dritten Quartal mehr als verdoppelt. Auch der Umsatz des US-Autokonzerns kletterte auf einen Rekordwert - und blieb trotzdem unter den Erwartungen.

Trotz hoher Inflation und weltweiter Konjunktursorgen hat Tesla den Gewinn im dritten Quartal kräftig gesteigert. Unter dem Strich verdiente der Elektroautobauer in den drei Monaten bis Ende September 3,29 Milliarden Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Das teilte Tesla gestern nach US-Börsenschluss mit.

Die Erlöse nahmen um 56 Prozent auf den Rekordwert von 21,45 Milliarden Dollar zu, verfehlten aber die Markterwartungen. Analysten hatten mit einem Umsatz von 22 Milliarden Dollar gerechnet. Die Aktie gab daher nachbörslich um fünf Prozent nach. Seit ihrem Rekordhoch im November haben die Papiere etwa die Hälfte an Wert verloren.

Starker Dollar und Inflation belasten

Konzernangaben zufolge hat der starke Dollar das Ergebnis gedrückt. Tesla musste einen negativen Wechselkurseffekt von 250 Millionen Dollar auf seine Einnahmen hinnehmen. Das US-Unternehmen verwies zudem auf gestiegene Logistikkosten sowie Schwierigkeiten, den Transport von Fahrzeugen zu organisieren. "Die Inflation der Rohstoffkosten beeinträchtigte unsere Rentabilität zusammen mit den Ineffizienzen der neuen Fabriken in Berlin und Texas und der Produktion der neuen 4680-Batterien", teilte Tesla mit. "Es gibt noch Herausforderungen, die wir noch nicht überwunden haben. Keine Frage", sagte Geschäftsführer Andrew Baglino.

Tesla-Chef Elon Musk fügte jedoch hinzu, dass die Produktion der 4680-Batterie schnell an Fahrt aufnehme. Generell bemühte er sich bei der obligatorischen Konferenzschalte mit Finanzanalysten nach Vorlage der Quartalszahlen, Optimismus zu verbreiten. "Es sieht aus, als würden wir ein episches Jahresende erleben", verkündete der Tech-Milliardär und stellte ein "rekordbrechendes" Schlussquartal in Aussicht. Bedenken, dass eine angesichts hartnäckig hoher Teuerungsraten und steigender Zinsen drohende Rezession das Geschäft bremsen könnte, wischte Musk beiseite: "Wir haben eine exzellente Nachfrage".

"Ich würde nicht sagen, dass wir rezessionssicher sind, aber sicherlich rezessionsresistent", sagte er. Analysten zufolge wird der Abschwung der Wirtschaft allerdings nicht spurlos an dem nach Börsennotierung wertvollsten Autobauer der Welt vorbeigehen. Anzeichen dafür seien kostenträchtige Lagerbestände - ein Novum für den Elektroautopionier, der bislang immer weniger Autos produzierte als er verkaufen konnte.

Musk äußert sich optimistisch - wegen Twitter?

Musk sagte, er sehe Tesla auf Kurs, langfristig den Börsenwert von Apple und Saudi Aramco zu übertreffen - den zurzeit am höchsten gehandelten Konzernen weltweit. Zum Vergleich: Apple ist am Aktienmarkt 2,3 Billionen Dollar wert, der Ölförderkonzern Saudi Aramco hat eine Marktkapitalisierung von 2,1 Billionen Dollar. Tesla bringt es derzeit auf gut 695 Milliarden Dollar.

Musk stellte "bedeutende" Aktienrückkäufe zur Kurspflege der Tesla-Aktie in Aussicht, die in diesem Jahr bereits um 37 Prozent gesunken ist. Ein Rückkaufprogramm könnte demnach ein Volumen von fünf bis zehn Milliarden Dollar haben und im kommenden Jahr beginnen. Einen steigenden Aktienkurs könnte der reichste Mensch der Welt, der derzeit auch mit seinem SpaceX-Tochterunternehmen Starlink für Aufsehen sorgt, durchaus gut gebrauchen. Er ist der größte Aktionär - und sein Plan, Twitter zu kaufen, könnte ihn in Kürze zwingen, weitere Tesla-Aktienpakete zu Geld zu machen.

Das erwarten auch die Analysten. Sie waren daher nicht überrascht, dass sich Musk optimistisch über Tesla äußern würde. Die Frist läuft bis zum 28. Oktober, um das Twitter-Geschäft abzuschließen. Zu dem Milliarden-Deal sagte Musk, dass er und andere Investoren "offenkundig" zu viel für das Online-Netzwerk zahlten. Allerdings habe Twitter auch "unglaubliches Potenzial".

Auslieferungsziel offenbar weiter möglich

Tesla lieferte derweil im vergangenen Vierteljahr knapp 344.000 E-Autos aus und schaffte damit eine neue Bestmarke. Trotzdem scheint ungewiss, ob der Konzern sein ambitioniertes Ziel erreichen kann, die Auslieferungen 2022 gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent zu steigern.

Dafür müsste Tesla im Gesamtjahr auf über 1,4 Millionen Fahrzeuge kommen und im Schlussquartal mehr als eine halbe Million Autos an die Kundschaft ausliefern. Tesla erklärte, dass die Wachstumsrate von verschiedenen Faktoren abhänge, unter anderem der Verfügbarkeit von Bauteilen und der Stabilität der Lieferketten. Finanzchef Zach Kirkhorn betonte in der Analystenkonferenz jedoch, dass Tesla weiter davon ausgehe, das Jahresziel von 50 Prozent Wachstum zu schaffen.

Einer mögliche Energiekrise in Europa fürchte Tesla mit seiner Autofabrik in Grünheide bei Berlin nicht, sagte Kirkhorn: "Das ist nichts, worüber wir uns große Sorgen machen". Tesla will die Produktion in seinen Werken so schnell wie möglich weiter erhöhen. Logistik und Engpässe in den Lieferketten blieben zwar "unmittelbare Herausforderungen", doch die Lage bessere sich. Der Konzern hat die Versorgungsengpässe bei wichtigen Komponenten wie Computerchips bisher besser verkraftet als viele andere Hersteller. Allerdings warf ein Covid-Lockdown in China Teslas großes Autowerk in Shanghai im Vorquartal zurück.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 20. Oktober 2022 um 08:40 Uhr.