Erleuchtetes Logo des chinesischen Konzerns Tencent | REUTERS

Tencent aus China Unbekannter Gigant dominiert Spielemarkt

Stand: 10.02.2021 18:00 Uhr

Tencent gehört zu den größten Unternehmen der Welt und ist trotzdem vergleichsweise unbekannt. Doch an dem Giganten aus Shenzhen, dem chinesischen Silicon Valley, kommen Gamer kaum noch vorbei.

Von Jan-Henrik Wiebe, funk

Egal ob League of Legends, Fortnite, Clash of Clans, World of Warcraft oder Assassin's Creed: Hinter all diesen populären Spielen steckt das chinesische Unternehmen Tencent. Und nicht nur im Videospielemarkt ist Tencent präsent, sondern auch in immer mehr anderen Branchen. Erst im Januar stieg es in das deutsche Versicherungs-Startup Clark ein. Ein Großteil der Finanzierungsrunde von über 69 Millionen Euro stamme von Tencent, berichtet das Frankfurter Unternehmen Mitte Januar.

1998 beginnt es mit einem ICQ-Klon

Den Grundstein für das heutige Imperium setzte Tencent 1998 mit dem Instant Messenger QQ, einem Klon des damals populären Messenger-Dienstes ICQ. Ein paar Jahre später kamen Spiele hinzu, die am Anfang auch Kopien von Spielen aus dem Ausland waren. Erst später trat Tencent als Publisher auf und veröffentlichte Spiele aus den USA und Europa in China. Möglich war dieser Aufstieg nur, weil der chinesische Markt für ausländische Firmen in vielen Bereichen verschlossen ist oder sie mit chinesischen Firmen kooperieren müssen.

Seitdem ist das Unternehmen auf Wachstumskurs und kauft sich in ausländische Firmen ein. So ist der Computerspielehersteller Riot Games (League of Legends) seit 2015 ein Teil von Tencent, große Anteile besitzt der Internet-Gigant auch an Supercell (Clash of Clans), fast die Hälfte der Anteile an Epic Games (Fortnite) sowie kleinere Anteile an Activison Blizzard (World of Warcraft, Overwatch, Call of Duty, Candy Crush) und Ubisoft (Anno-Reihe). Zudem hat sich Tencent beim Musikstreamingdienst Spotify, der App Snapchat, beim deutschen Fintech N26, Autobauer Tesla und beim Musiklabel Universal Music Group eingekauft.

Tencents dunkle Seite

Neben den glänzenden wirtschaftlichen Zahlen gibt es auch noch eine dunkle Seite an Tencent, die im Westen nicht sichtbar ist. Mit der App WeChat hat der Konzern eine Plattform geschafften, mit der die Nutzer nicht nur chatten, sondern auch bezahlen, Dates finden, shoppen, Handyspiele spielen, den nächsten Arzttermin buchen und viele weitere Dinge; ein Einfallstor für staatliche Überwachung. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gab Tencents Messengerdiensten WeChat und QQ in einem Bericht von 2016 tatsächlich 0 von 100 Punkten, da es das einzige Unternehmen sei, dass nicht öffentlich gesagt habe, dass es keine Hintertüren in der Software für Regierungen eingebaut hat.

"Ganz stark ist die Kommunistische Partei ausgerichtet auf die konsequente Nutzung all der neuen Möglichkeiten, die digitale Technologien bieten", sagt Sebastian Heilmann dem funk-Format Simplicissimus. Der Chinaexperte der Universität Trier sieht in der Nutzung neuer digitaler Technologien durch die Kommunistische Partei Chinas eine "Techno-Autokratie": "Das ist eine neue Form des Regierens, das ist eine neue Form der Marktaufsicht und das ist eine neue Form der Kontrolle."

Peking gibt die Regeln vor

Doch es sind nicht nur WeChat und Co. - auch über Videospiele scheint die chinesische Regierung ihre Bevölkerung zu überwachen und zu kontrollieren. 2019 hat die chinesische Regierung veranlasst, dass Tencent und andere Spieleanbieter neue plattformübergreifende Klarnamen-Identifikationssysteme einführen. Um spielen zu dürfen, ist nun sogar teilweise eine Gesichtserkennung notwendig. Spieler unter 18 dürfen jetzt maximal 90 Minuten pro Tag spielen - an Feiertagen bis zu drei Stunden und zwischen 22 und 8 Uhr gar nicht.

Zudem werden in China scheinbar nur Spiele zugelassen, wenn sie den Werten der Kommunistischen Partei entsprechen. Wenn nicht, dann haben sie schlechte Chancen. So erging es dem Spiel PUBG. Die chinesische Regierung hat Tencent gedroht, PUBG in China zu sperren, weil das Spiel zu brutal und nicht sozialistisch genug sei. 2019 nahm Tencent das Spiel vom Markt und brachte dafür das Spiel Game for Peace heraus: PUBG ohne Blut und Tod - und in Anlehnung an die blauen Krieger der Luftwaffe der Volksbefreiungsarmee Chinas. Sogar die Spielstände wurden vom Original übernommen.

Über das Thema berichtet auch funk, das Content-Netzwerk von ARD und ZDF.