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Zu wenig Kunden Telekom stellt De-Mail-Service ein

Stand: 31.08.2021 15:40 Uhr

Als De-Mail 2011 an den Start ging, hatte sich die Deutsche Telekom erhofft, Behördengänge damit überflüssig zu machen. Nun will das Unternehmen sein Mailsystem aus wirtschaftlichen Gründen einstellen.

Die Deutsche Telekom hat sich nach knapp zehn Jahren dazu entschlossen ihr De-Mail-Geschäft - die Mailkommunikation mit Firmen und Behörden - einzustellen. Die Gründe für die Entscheidung sind wirtschaftlicher Art, erklärte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage. Zuvor hatte der "Spiegel" darüber berichtet. Den Privat- und Geschäftskunden wird zum 31. August 2022 gekündigt, entsprechende Schreiben sollen Ende September versandt werden.

Bei De-Mail geht es um Nachrichten von Behörden und Unternehmen - die elektronischen Nachrichten werden verbindlich zugestellt und dem postalischen Brief de facto gleichgestellt. Der Kanal kann zum Beispiel für Steuerbescheide, Rentenanträge und Schreiben zu Abfallgebühren oder Wohngeld genutzt werden. Auch Schadensmeldungen bei Versicherungen, Gehaltsabrechnungen oder Vertragskündigungen werden über De-Mail verschickt.

Behördengänge sollten überflüssig gemacht werden

Ein Gesetz von 2011 war gewissermaßen der Startschuss für diesen Kommunikationsweg. Nach den gesetzlichen Vorgaben entwickelten Telekommunikationsunternehmen entsprechende Angebote, die zum Beispiel Behördengänge überflüssig machen sollten. Der Bund hatte zwar ein großes Interesse an einem Erfolg des Systems, dennoch ließen sich viele Behörden eher schleppend darauf ein.

Die Nachfrage schwächelte: Firmen bemängelten, dass die Zahl der Privatkunden und somit die Reichweite für eigene Zwecke zu gering seien, viele Verbraucher wiederum waren auch mangels weitreichender Anwendungsmöglichkeiten nicht so ganz überzeugt. Dieses "Henne-Ei-Problem hat sich bis heute nicht aufgelöst", so ein Telekom-Sprecher.

Millionen Euro für einen "toten Gaul"

Im Februar dieses Jahres sagte Telekom-Chef Tim Höttges dem Portal "Jung und naiv" über De-Mail: "Wir haben einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, aber es hat nie jemanden gegeben, der dieses Produkt genutzt hat, weil es einfach überkompliziert war." Schon damals nannte Höttges De-Mail einen "toten Gaul" - wenn man auf dem weiter reite, werde der nicht schneller. Schon damals war der Unmut groß über das Mailsystem, in das die Politik einst so große Hoffnungen gesetzt hatte. Nun zieht die Firma die Reißleine.

Ein komplettes Aus für De-Mail bedeutet das aber nicht: Die Telekom ist im Gespräch mit den anderen De-Mail-Anbietern, ob die Daten der Telekom-Kunden übertragen werden können. Über diese Möglichkeit sollen die Kunden voraussichtlich im Frühjahr 2022 informiert werden. Die Mentana Claimsoft GmbH bietet die Dienstleistung noch an. Auf ihrer Webseite bewirbt sie den digitalen Brief als "verbindlich, vertraulich und rechtssicher". Auch United Internet, das web.de und gmx.de betreibt, will weitermachen.

Staatliche Unterstützung weiterhin wichtig

Als Reaktion auf den Telekom-Rückzug sagte der Geschäftsführer von web.de und GMX, Jan Oetjen: "Wir sind vom Zukunftspotenzial der De-Mail überzeugt, denn es handelt sich um den einzigen interoperablen, breit verfügbaren Standard für die rechtsverbindliche digitale Kommunikation in Deutschland." Man prüfe die Optionen und Voraussetzungen, um den Telekom-Kunden Angebote "für die unterbrechungsfreie Fortführung ihrer De-Mail-Konten zu machen". Oetjen betonte, dass eine weitere staatliche Unterstützung ein wichtiger Faktor bleibe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. August 2021 um 14:00 Uhr.