Arbeiter im Stahlwerk der Salzgitter AG in Salzgitter | REUTERS

Tarifeinigung Stahlkocher erhalten Corona-Prämie

Stand: 27.03.2021 12:05 Uhr

Erstmal nicht mehr Gehalt, dafür sichere Arbeitsplätze und einige Einmalzahlungen: Bei den Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie haben sich Arbeitgeber und IG Metall in NRW geeinigt. Das könnte Signalwirkung haben.

Bei den Tarifverhandlungen für die nordwestdeutsche Stahlindustrie gibt es eine Einigung über einen neuen Tarifvertrag. Arbeitgeber und IG Metall vereinbarten Einmalzahlungen für die etwa 70.000 Beschäftigten der Branche in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen, wie beide Seiten mitteilten.

Arbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich auf eine Einmalzahlung von 600 Euro, die zunächst in Teilbeträgen überwiesen und ab 2023 jedes Jahr ausgezahlt wird. Diese wiederkehrenden Zahlungen können zur Beschäftigungssicherung in Freizeit umgewandelt werden. Außerdem haben die Parteien eine Corona-Beihilfe von 500 Euro beschlossen, die schon Ende Juni ausgezahlt werden soll. Der Tarifvertrag habe eine Laufzeit von 15 Monaten, hieß es in einer Erklärung des Arbeitgeberverbandes Stahl.

"Fairer Kompromiss"

Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach einer Tariferhöhung im Volumen von vier Prozent in die Verhandlungen gegangen. In Betrieben mit schlechter Auftragslage sollte das Geld auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden können. Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, nannte die Einigung "einen verantwortungsvollen und fairen Kompromiss". Die Löhne und Gehälter stiegen durch den neuen Tarifvertrag dauerhaft.

Positiv sei auch, dass die Auszubildenden und die unteren Entgeltgruppen überproportional von diesem Verhandlungsergebnis profitierten. Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Stahl, Heinz Jörg Fuhrmann, sagte, der Tarifvertrag diene dem Erhalt der finanziellen Handlungsfähigkeit der Unternehmen angesichts der existenzbedrohenden Substanzverluste in der Corona-Krise.

Signalwirkung für andere Länder?

Nachdem nun in Nordrhein-Westfalen eine Einigung beim Lohn für die Stahlbauer gelungen ist, könnte der Abschluss bundesweit von anderen Tarifgebieten übernommen werden. Am Montag gehen die Verhandlungen für die Elektro - und Metallindustrie weiter. In diese Tarifverhandlungen war die IG Metall mit ähnlichen Forderungen gegangen. Bundesweit geht es um mehr als 3,8 Millionen Beschäftigte der Branche.

"Wir erwarten jetzt einen deutlichen Sprung von der Arbeitgeberseite", sagte der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler nach der Einigung für die Stahlkocher. "Und dann sind auch Lösungen für Metall- und Elektro möglich." Bei den qualitativen Themen seien beide Seiten ein ganzes Stück zusammengerückt. Aber am Ende müsse es auch ein Volumen geben, das dazu diene, Beschäftigung zu sichern und eine Steigerung der Einkommen ermögliche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. März 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.