Bernard Tapie | AFP
Nachruf

Bernard Tapie gestorben Der "Unverwüstliche" ist tot

Stand: 03.10.2021 19:28 Uhr

Er war Sänger, Schauspieler, Minister und wurde als schillernder Selfmade-Millionär und Fußball-Mäzen zur skandalumwitterten Legende: Bernard Tapie. Nun ist der französische Unternehmer im Alter von 78 Jahren gestorben.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Es war sicher kein Zufall, dass Bernard Tapie im Jahr 1985 einen Song aufnahm, der "réussir sa vie" - "Erfolg im Leben" - hieß. Denn alles, was der Arbeitersohn aus dem Pariser Norden anstrebte, war, sein Leben zu einem Erfolg zu machen. Tapi - viril, verführerisch, selbstbewusst - war nicht nur Sänger und Schauspieler, sondern auch Unternehmer, Selfmade-Millionär, Fußball-Präsident, Minister - und: unverwüstlich: "Es gibt nur ein Mittel, das zum Erfolg führt: das ist die Energie", beschwor er zuletzt in einem seiner selten gewordenen öffentlichen Auftritte.

Julia Borutta ARD-Studio Paris

In Marseille eine Legende

Groß zu denken, das war auch seine Devise als er Anfang der 90er-Jahre den Fußball-Verein Olympique Marseille übernahm. Mit Chuzpe, mit Trainer Franz Beckenbauer und mit kräftiger Unterstützung des Sportartikelherstellers Adidas brachte Tapie den schon totgesagten Club auf Erfolgskurs und gewann mit ihm im Mai 1993 den Europapokal der Landesmeister gegen AC Mailand.

In Marseille haben sie das bis heute nicht vergessen. Selbst als bekannt wurde, dass Tapie auf dem Weg ins Finale Bestechungsgelder an Spieler von Valenciennes gezahlt hatte und Olympique Marseille daraufhin in die zweite Liga verbannt wurde, hielten die Fans zu ihm.

Fans von Olympique Marseille verabschieden den Clubchef. | AFP

Letzter Gruß: Bei Olympique Marseille hatte Tapie einen legendären Ruf. Bild: AFP

Mehrfach vor Gericht

Der talentierte Tausendsassa trickste, verzerrte und log, wenn es ihm nur half, seine Interessen durchzusetzen. Mehrfach stand der Unternehmer vor Gericht, mehrfach wurde er verurteilt. Zuletzt ging ein jahrzehntelanger Rechtsstreit in die Verlängerung: In der sogenannten Adidas-Affäre war er wegen Betrugs und der Hinterziehung öffentlicher Gelder angeklagt.

Eine komplizierte Geschichte: Tapie hatte 1992, als er Städtebau-Minister wurde, seine Anteile an Adidas zum Schleuderpreis an eine Bank verkaufen müssen, die die Anteile sofort weiter verkaufte - zum doppelten Preis. Und sehr zum Ärger von Tapie. "Die haben mich ruiniert, gedemütigt und gezwungen, Bankrott anzumelden, um dann auf meine Kosten einen fetten Gewinn einzustreichen", sagte Tapie damals.

Engagierter Kämpfer gegen Rechtsextreme

Der Geschäftsmann forderte deshalb zunächst erfolgreich Schadensersatz, weshalb auch die spätere französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde unter Druck geriet. 2019 sprach das Gericht ihn frei. Doch es folgte ein Berufungsverfahren, das der Phönix - wie seine Freunde ihn nannten - nun nicht mehr erleben wird.

Nicht zuletzt wegen seines politischen Engagements gegen den Rechtsextremismus finden am Tag seines Todes auch namhafte Politiker anerkennende Worte. Präsident Emmanuel Macron lobte auf Twitter "den Ehrgeiz, die Energie und den Enthusiasmus" Tapies. Er habe Berge versetzen und den Mond vom Himmel holen können, schrieb der Präsident.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Oktober 2021 um 19:00 Uhr.