Labormitarbeiter bei Synlab

Börsendebüt von Synlab Das lukrative Geschäft mit PCR-Tests

Stand: 30.04.2021 08:25 Uhr

Ob Nase, Rachen, Gurgel oder Lolli: Wenn in Deutschland ein PCR-Test gemacht wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er in den Laboren von Synlab analysiert wird. Nun geht die Kette an die Börse.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

1998 gründete der deutsche Laborarzt Bartholomäus "Bartl" Wimmer die Firma Synlab - damals noch unter dem Namen "Synlab Verbund Freier Laborärzte". Mehr als 20 Jahre später tritt er bei den Kommunalwahlen in Bayern als Landratskandidat für den Landkreis Berchtesgadener Land für die Grünen an - und scheitert. Das Unternehmen Synlab ist dagegen so erfolgreich wie nie.

20 PCR-Teststationen

Denn Synlab analysiert in seinen Laboren massenhaft PCR-Tests, aber auch Antigen- und Antikörpertests. Die Münchner Laborkette führt Testungen für medizinische Einrichtungen, Unternehmen und Pflegeheime durch und betreibt deutschlandweit in 20 seiner insgesamt 47 Labore eigene PCR-Teststationen.

Mittlerweile bietet Synlab nicht nur die Analyse von klassischen PCR-Tests an, bei denen die Probe mittels eines Nasen- oder Rachenabstrichs gewonnen wird, sondern auch die Analyse von Gurgel-Tests. Bei diesen Tests wird die Probe mittels Rachenspülwasser entnommen, was nicht nur einfacher in der Durchführung, sondern auch deutlich angenehmer ist.

Dr. Bartl Wimmer

Bartl Wimmer: Gründer von Synlab.

Lolli-Tests als Alternative?

Noch simpler sind die so genannten Lolli-Tests. Synlab hat dazu jüngst ein medizinisches Pilotprojekt gestartet und wird in den nächsten Wochen Kinder und Jugendliche in Kindertagesstätten und Schulen in Deutschland testen.

Es könnte eine Lösung sein für die von vielen Experten bislang als nicht zufriedenstellend eingestufte Test-Strategie an Schulen und Kindergärten. Denn (gepoolte) PCR-Tests versprechen nun einmal eine deutlich größere Sicherheit als Schnelltests.

Über 600 Millionen Euro Umsatz mit Corona-Tests

Das Geschäft mit Corona-Tests hat sich für Synlab als äußerst lukrativ erwiesen. So führte das Unternehmen seinem Chef Mathieu Floreani zufolge im vergangenen Jahr 11,6 Millionen PCR-Tests auf Covid-19 durch. 620 Millionen Euro Umsatz machten die Münchner mit Corona-Tests. Konzernweit beliefen sich die Erlöse auf 2,6 Milliarden Euro, ein Plus von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Jenseits von Corona-Tests bietet das Unternehmen mit seinen rund 20.000 Mitarbeitern ein breites Spektrum von mehreren Tausend Analyseverfahren in der Humanmedizin. Auch in der Veterinärmedizin hat das Unternehmen ein Standbein: Niedergelassene Tierärzte, aber auch Tierkliniken, Universitäten und Zoos nutzen die Expertise der Synlab-Labore.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die Münchner mit einem Umsatzplus von 17 Prozent auf über drei Milliarden Euro. Dabei dürfte knapp die Hälfte des geplanten Zuwachses immer noch mit der Corona-Pandemie zusammenhängen.

Wahre Konkurrenz nur im Ausland

Mit diesen Zahlen lässt Synlab die heimische Konkurrenz klar hinter sich. Die ebenfalls auf dem Gebiet der Corona-Tests aktive Bioscientia aus Ingelheim erwirtschaftete zuletzt nur einen Jahresumsatz von 280 Millionen Euro. Bioscientia wurde 2007 von dem australischen Labor-Giganten Sonic Healthcare übernommen.

Überhaupt lauert die wahre Konkurrenz für Synlab im Ausland: Die schweizerische Unilabs und die französische Eurofins Scientific zählen zu den großen europäischen Rivalen. So ist etwa Eurofins gemessen am Umsatz und Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rund doppelt so groß wie Synlab. Allerdings sind die Franzosen in Deutschland mit PCR-Testlaboren nur in Gelsenkirchen und Iserlohn präsent.

Allein im ersten Quartal erwirtschaftete Eurofins Scientific Erlöse in Höhe von 1,6 Milliarden Euro, ein Plus von 41 Prozent. An der Börse kommt Eurofins Scientific aktuell auf eine Marktbewertung von 15,8 Milliarden Euro.

Börsengang eine schwierige Geburt

Das ist knapp das Vierfache dessen, was Synlab am Aktienmarkt zunächst auf die Waage bringen wird: Synlab startet am Freitag mit einem Börsenwert von vier Milliarden Euro in den Handel. Das ist deutlich weniger als ursprünglich geplant. Die Münchner Laborkette konnte ihre Aktien nämlich nur am untersten Ende der Preisspanne von 18 bis Euro losschlagen.

Auch die Altaktionäre um Finanzinvestor Cinven, die dänische Novo Holding, der kanadische Lehrer-Pensionsfonds OTTP und Firmengründer Wimmer mussten kleinere Brötchen backen: Wegen der Zurückhaltung der Anleger verkauften sie statt der angepeilten 27,5 Millionen nur 20,7 Millionen ihrer Aktien.

Unternehmen sieht alternde Bevölkerung als Chance

Statt des erhofften Milliardenvolumens ist die Emission damit nur maximal 772 Millionen Euro schwer. Dem Unternehmen selbst sollen brutto 400 Millionen Euro zufließen. Mit dem Geld will Synlab Schulden tilgen und durch Übernahmen weiterwachsen.

"Für 2021 haben wir in Bezug auf unser organisches Wachstum bereits einen äußerst guten Start verzeichnet und seit Januar insgesamt neun Akquisitionen abgeschlossen", sagte Finanzchef Sami Badarani. Auch jenseits von Corona-Tests erwartet der Laborkonzern für die kommenden Jahre stabile Wachstumsraten: "Die Weltbevölkerung wächst und altert. Beides ist günstig für uns", erklärte Firmenchef Floreani.

Mehr Potenzial wegen niedrigem Ausgabepreis?

Dass die Firma nun mit geringeren Einnahmen durch den Börsengang leben muss, muss zumindest für Anleger kein Nachteil sein. Konstantin Oldenburger, Marktanalyst CMC Markets, sieht mit Blick auf den niedrigen Ausgabepreis in Synlab durchaus "ein interessantes Anlageobjekt". Der Bedarf nach Tests und hygienischen Artikeln sollte in den kommenden Monaten anhalten und damit der Firmenstrategie "perfekt in die Karten spielen".

Über dieses Thema berichtete B5 Börsenmeldungen am 30. April 2021 um 10:15 Uhr.