Suse CEO Melissa Di Donato
Porträt

Melissa Di Donato IT-Nerd, Managerin, Rollenvorbild

Stand: 19.05.2021 16:56 Uhr

Sie ist eine der wenigen Chefinnen der stark von Männern dominierten IT-Branche. Jetzt hat Melissa Di Donato als erste Frau in Deutschland einen Milliardenkonzern an die Börse gebracht.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Melissa Di Donato hat es als "historischen Tag" bezeichnet: den Börsengang des Linux-Softwareanbieters Suse. Seit zwei Jahren ist die Managerin Chefin des Nürnberger Unternehmens. Und auch wenn dessen Aktien schwach in den Handel starteten und schließlich um ihren Ausgabepreis pendelten - Di Donato kann darauf verweisen, als erste Frau in Deutschland einen Milliardenkonzern an die Börse gebracht zu haben.

Von SAP zum deutschen Mittelstand

Die IT-Managerin sieht sich selbst als Vorbild für Mädchen, setzt sich dafür ein, dass mehr junge Frauen ihren Weg in die männlich dominierte Branche finden. Auch ihr Weg dorthin war keineswegs vorgezeichnet. In den 1990er-Jahren studierte die Amerikanerin mit italienischen Vorfahren in New York, Washington und Sankt Petersburg Politik, Russisch und Wirtschaft. Ihr Ziel: erste US-Botschafterin in Russland.

Doch dann wechselte sie in die IT-Branche und landete schließlich 2016 beim Walldorfer Softwarekonzern SAP. Dort war sie Chief Operating Officer und Chief Revenue Officer und somit verantwortlich für den weltweiten Umsatz und Gewinn sowie die Kundenzufriedenheit bei SAPs digitalen Kernprodukten. Im Sommer 2019 übernahm Di Donato schließlich den Chefposten beim deutschen Mittelständler Suse.

Suse-Technologie weit verbreitet

Suse wurde 1992 gegründet und beschäftigt heute mehr als 1700 Mitarbeiter. Das Unternehmen verdient sein Geld mit der sogenannten Open-Source-Software Linux - bei denen der Programmier-Code offen zugänglich ist und frei verändert werden kann. "Wir sind wahrscheinlich das wichtigste Tech-Unternehmen, von dem Sie noch nie gehört haben", sagte Di Donato dem "Handelsblatt". Suse-Dienste stecken etwa in der Logistik für Impfstoffe und in Fahrzeugbetriebssystemen, Daimler und BMW sind Vorzeigekunden in Deutschland.

Im Geschäftsjahr 2019/20 machte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 503 Millionen US-Dollar. Mit dem Börsengang und der Ausgabe neuer Aktien erlöste Suse brutto 1,1 Milliarden Euro. Die Bewertung des Unternehmens beläuft sich auf gut fünf Milliarden Euro. Di Donato selbst hat nach eigenen Angaben Suse-Aktien für mehr als acht Millionen Euro gezeichnet.

30 Prozent als Ziel

Dabei reicht es der heute 47-jährigen Mutter einer Patchwork-Familie mit drei Kindern nicht, selbst Karriere zu machen und damit allein durch ihren Werdegang ein Vorbild für Mädchen und Frauen zu sein, die es in der männerdominierten IT-Branche häufig schwer haben.

Die Suse-Chefin ist auch Vorsitzende des Technologie-Ausschusses des internationalen "30-Prozent-Clubs", dessen Ziel es ist, dass mindestens 30 Prozent der obersten Führungspositionen in den 100 größten börsennotierten US-Unternehmen (S&P 100) von Frauen besetzt werden.

Stiftung für junge Mädchen gegründet

An weiblichem Führungspersonal mangelt es in Di Donatos Branche nämlich besonders. "Für Frauen ist es härter in der IT-Industrie, wir haben wenige Vorbilder, wenige Mentoren", sagt die Managerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Im Sommer gründete Di Donato daher gemeinsam mit ihrem Mann Darren Roos die Stiftung Inner Wings. Sie will jungen Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren dabei helfen, Vertrauen und Mut zu entwickeln, damit sie später einmal Führungspositionen übernehmen können.

Versuch als Kinderbuch-Autorin

Warum Di Donato sich ausgerechnet diese Zielgruppe ausgesucht hat? In jungen Jahren, bereits im Alter von sechs bis sieben Jahren, setzen sich Stereotype über Jungen und Mädchen fest, ist die Managerin überzeugt. Wolle man Rollenklischees aufbrechen, müsse man in dieser Altersgruppe ansetzen.

Das versucht Di Donato auch mit ihrem 2021 erschienenen Kinderbuch. Es trägt den Titel "How Do Mermaids Poo" ("Wie Meerjungfrauen Aa machen").

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Mai 2021 um 17:26 Uhr.