Lieferdienst-App Flink auf einem Handybildschirm | dpa

Lieferdienst-Apps Flink boomt - trotz Mängel

Stand: 12.03.2021 11:02 Uhr

In Corona-Zeiten meiden viele gerne überfüllte Supermärkte. Entsprechend steil ist die Karriere, die Lieferdienst-Startups wie Flink hinlegen.

Von Bianca von der Au, hr

Der Name ist Programm: Flink. So heißt eine Supermarkt-App, die verspricht den Einkauf per Bestellung übers Smartphone nach nur zehn Minuten zu liefern - also anders als Rewe und Co., bei denen der Online-Einkauf deutlich länger braucht. Genau hier greifen die Supermarkt-Apps die großen Konkurrenten an: bei der Geschwindigkeit. Julian Dahmes, Co-Gründer von Flink, hält den deutschen Markt für überreif.

"Wir sehen die traditionellen Supermärkte als unsere Konkurrenz, weil wir im Supermarkt- im Lebensmittelbereich in Deutschland eine extrem niedrige Online-Penetration haben, wenn man das mit Fashion vergleicht." Das Ziel: "Wir wollen das Supermarkt-Erlebnis online bringen und wollen möglichst schnell flächendeckend in Deutschland präsent sein."

Achillesferse Datenschutz

Vor gerade einmal sechs Wochen ging die App in Hamburg online - und schon gibt es einen ersten Skandal: ein Datenleck. Einem Forscher-Kollektiv war es gelungen, auf rund 4000 Kundendaten der Flink-App zuzugreifen. Die Lücke ist laut Unternehmen mittlerweile geschlossen. Auch wolle man künftig mehr in Datensicherheit investieren.

Das Thema Datenschutz kann gerade bei jungen Unternehmen zum Fallstrick werden, weiß David Hanf vom Bundesverband Deutsche Startups. Häufig sei es so, dass der Datenschutz anfangs vernachlässigt werde - nicht mit Absicht, sondern weil man es nicht besser wisse: "IT-Experten kommen oft erst mit der Zeit an Bord, weil man es sich dann erst leisten kann. Und deshalb passiert das öfter mal bei jungen Unternehmen, dass die IT-Sicherheit noch nicht so hoch ist wie bei vielen anderen."

Flink hat nach eigener Aussage alle Kunden über die Sicherheitslücke informiert. Neben Hamburg bietet das Unternehmen seinen Lieferdienst erst in fünf weiteren Städten an. Das Netz ist so gespannt, dass Fahrradkuriere blitzschnell nach der Bestellung die Ware einsammeln und zum Kunden bringen können. Hier sieht IT-Experte Roland Fiege einen weiteren Knackpunkt: "Das ist natürlich ein schönes Leistungsversprechen in der Kölner, Frankfurter, Berliner Innenstadt. Aber schon in den Außenbezirken wird es schwieriger, dieses Versprechen halten zu können."

Viel Rückhalt von Investoren

Investoren glauben an die Idee. Risiko-Kapitalgeber haben erst kürzlich 43 Millionen Euro in Flink investiert; Geld, das für die geplante Expansion gebraucht wird. Denn die Konkurrenz schläft nicht - viele solcher Lieferdienste strömen derzeit
auf den Markt. Um am Ende erfolgreich zu sein, ist es wichtig, der Erste zu sein, sagt Verbandssprecher Hanf: "Bei solchen neuen Modellen ist ja häufig die Frage, wer ist der Schnellste? Wer wird am schnellsten groß? Und wenn dann viele gleichzeitig starten, dann bleiben nur ein oder zwei am Ende übrig."

So ist es für Investoren immer auch ein Risiko, denn die Erfahrung zeigt: Von zehn Startups werden am Ende höchstens zwei richtig erfolgreich. Viele werden geschluckt, andere - wie Delivery Hero oder Hellofresh - wagen aber auch den
Sprung an die Börse. Die Platzhirsche dürften auf jeden Fall aufmerksam verfolgen, wie sich die schnellen Supermarkt-Apps am Markt behaupten.