Bahn-Mitarbeiter der Deutschen Bahn stehen auf einem Triebfahrzeug zur Instandhaltung von Oberleitungen und reparieren. | dpa

Bilanz nach zwei Stürmen Schäden bei der Bahn größer als angenommen

Stand: 21.02.2022 04:01 Uhr

Besonders schlimm sieht es auf der ICE-Strecke zwischen Hamburg und Hannover aus. Aber auch anderswo sind die Schäden größer als angenommen. In NRW, Berlin und Brandenburg wird der Bahnverkehr wegen eines neuen Sturmtiefs wieder eingestellt.

Die schweren Stürme "Ylenia" und "Zeynep" haben in den vergangenen Tagen im Streckennetz der Bahn deutliche Schäden hinterlassen. "Die anhaltende Sturmserie hat die Deutsche Bahn noch härter getroffen als wir es zwischenzeitlich gesehen haben", sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß.

"Wir haben auf einer Länge von etwa 6000 Kilometern enorme Schäden an den Bahnstrecken gehabt." Das hätten weiteren Erkundungsfahrten und Helikopter-Flüge ergeben. "Aktuell sind etwa 900 Kilometer unseres Streckennetzes nicht befahrbar, so Stauß weiter.

Einschränkungen bis mindestens Montagnachmittag

Die Bahn riet dazu, Reisen von und nach Hamburg möglichst zu verschieben. Es verkehrten keine Fernverkehrszüge zwischen Hamburg und Berlin, zwischen Berlin/Hamburg und Rostock/Stralsund, sowie zwischen Norddeich Mole/Emden und Köln/Hannover, hieß es am Sonntag. Andere Strecken wurden dagegen wieder freigegeben. Eine sichere Prognose zum weiteren Verlauf sei - auch wegen des nahenden weiteren Sturmtiefs "Antonia" - nicht möglich.

Erwartet wurden Beeinträchtigungen bis mindestens Montagnachmittag. "Aktuell können wir etwa drei Viertel des Fernverkehrs in Deutschland fahren, aber der Norden und Nordosten ist weiterhin stark getroffen und wird das auch am Montag sein", sagte Stauß. Auch im Regionalverkehr gibt es nach Bahn-Angaben noch viele Zugausfälle.

Die Bahn riet Fahrgästen vor dem Fahrtantritt, sich bei der kostenlosen Hotline unter 08000 99 66 33 zu informieren. Der Zeitraum für die Kulanzregelung, die eine kostenlose Stornierung oder flexible Nutzung bereits gekaufter Fahrkarten bis sieben Tage nach Ende der Störungen erlaubt, war bereits auf bis einschließlich Montag gültige Tickets verlängert worden.

2000 Einsatzkräfte für Schadensbeseitigung im Einsatz

Laut Bahn sind rund 2000 Einsatzkräfte rund um die Uhr im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren. Dies könne aber angesichts der Menge nur Schritt für Schritt erfolgen. "Die Räumtrupps sind seit der Sturmserie praktisch unermüdlich im Einsatz, um Strecken zu reparieren", so Stauß. Behindert würden diese Arbeiten durch widrige Wetterverhältnisse. "Wir tun alles dafür, die Schäden so schnell wie möglich zu beseitigen", betonte er.

"Extreme Schäden gibt es auf der Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg. Dort hat der Sturm besonders hart zugeschlagen. Oberleitungsmasten sind dort nicht nur beschädigt, sondern zum Teil mit ihren Betonfundamenten aus der Verankerung gerissen worden. Dort müssen wir die Masten komplett neu setzen", so Stauß.

Bahn stellt Regionalverkehr in NRW ein

Wegen des neuen Sturmtiefs "Antonia" stellte die Bahn in Nordrhein-Westfalen den Regionalverkehr am Sonntagabend abermals ein. Am Montagmorgen sollen S-Bahnen und Regionalzüge wieder fahren, allerdings müssten vorher die Strecken auf Schäden untersucht werden. Fahrgäste sollten sich deshalb unbedingt aktuell über ihre Verbindungen informieren, hieß es von der Bahn.

Metronom stellt Zugverkehr schrittweise wieder ein

Mit Beeinträchtigungen bis Montagnachmittag rechnet die Bahn außerdem für den Regionalverkehr in Nordbaden, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Auch in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bleibt der Bahnverkehr bis voraussichtlich Montagnachmittag eingeschränkt. Wegen des erwarteten Unwetters in Teilen Bayerns und Einschränkungen im Zugverkehr soll im unterfränkischen Landkreis Miltenberg an diesem Montag teils der Unterricht ausfallen. Hintergrund sei, dass die Westfrankenbahn von Sonntagabend bis Montagmorgen den Zugverkehr im gesamten Streckennetz einstelle, teilte das Bayerische Kultusministerium mit.

Auch in Niedersachsen gibt es neue Einschränkungen: Die Eisenbahngesellschaft Metronom teilte mit, dass ab Sonntagabend 21.00 Uhr keine Züge von Metronom, Enno und Erixx mehr unterwegs seien. Das Unternehmen bedient vor allem Strecken in Niedersachsen. Voraussichtlich bis Montagnachmittag sei ein Bus-Notverkehr geplant.

Kein Regionalverkehr in Berlin in der Nacht

Auch in Berlin und Brandenburg stellt die Bahn den Regionalverkehr am Sonntagabend erneut ganz ein, hieß es. Der Grund ist auch hier Sturmtief "Antonia".

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Orkan "Zeynep" wütet über Deutschland

In den vergangenen Tagen hatten die Orkantiefs "Ylenia" und "Zeynep" tödliche Unfälle und immense Schäden verursacht. Die beiden Stürme dürften die Versicherer nach ersten Schätzungen mehr als 1,4 Milliarden Euro kosten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Februar 2022 um 17:45 Uhr.