Teilnehmer einer Kundgebung der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) stehen mit einem Transparent vor dem Hauptbahnhof in Leipzig.  | dpa

Streik geht weiter Bahn wirft GDL Blockadehaltung vor

Stand: 03.09.2021 10:06 Uhr

In erster Instanz ist die Bahn mit einem Eilantrag gegen den Streik der GDL gescheitert. Der Konzern geht in Berufung und spricht von einer "Blockadehaltung" der Gewerkschaft. Die lässt weiter streiken.

Nach der Niederlage der Deutschen Bahn vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt geht der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) weiter. Die geplante Fortsetzung der Arbeitsniederlegung bestätigte die GDL am Freitagmorgen.

Am Donnerstag hatte das Arbeitsgericht einen Eilantrag der Bahn gegen den GDL-Streik abgewiesen. Eine Gerichtssprecherin begründete das damit, dass "nicht mit hinreichender Sicherheit" habe festgestellt werden können, dass mit dem Streik "unzulässige tarifpolitische Ziele verfolgt werden".

Bahn nennt Streik "unsäglich" und "völlig überzogen"

Dieses Urteil will die Bahn nun in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht Hessen prüfen lassen. "Egal wie das jetzt heute ausgeht, wir müssen das versuchen", sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß über die Berufung im ARD-Morgenmagazin. "Denn dieser Streik ist unsäglich, er ist völlig überzogen - auch in seiner Länge." Die GDL-Spitze müsse dringend ihre Blockadehaltung aufgeben und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Stauß verwies auch auf die schlechte finanzielle Situation der Bahn, die den Streik schwierig mache.

GDL bleibt zuversichtlich

GDL-Chef Claus Weselsky sagte nach der ersten Gerichtsentscheidung am Donnerstag, die Kammer habe klar gemacht: "Die Arbeitskampfmaßnahme ist rechtmäßig, sie ist zulässig und sie ist auch verhältnismäßig." Mit Blick auf eine zweite Gerichtsverhandlung zeigte er sich zuversichtlich: "Wir sind, glaube ich, auch mit unserer Argumentation und mit unseren Handlungen auf dem rechten Weg. So, wie sich das gehört", sagte Weselsky. "Wir setzen den Arbeitskampf fort und zwar solange, bis diese Deutsche Bahn AG ein materiell vernünftiges Angebot macht", so der GDL-Chef. "Wir sind immer zu Verhandlungen bereit, wenn die Bahn ein Angebot macht."

Ein verbessertes Angebot der Konzernleitung vom Mittwoch hatte die GDL zurückgewiesen und Verhandlungen abgelehnt. Einer der Hauptgründe für die Ablehnung ist der Umstand, dass das Angebot der Bahn nicht für alle GDL-Mitglieder gelten sollte. Laut GDL-Chef Weselsky hatte die Bahn vor, den Geltungsbereich eines neuen Tarifvertrags wie bislang auf das Fahrpersonal zu begrenzen. "Damit wird klar erkennbar, dass die DB einem Teil der GDL-Mitglieder ihre verfassungsgemäßen Rechte entziehen will", sagte der Gewerkschafter dem "Spiegel". Damit drohe eine Spaltung der Gewerkschaft mit Mitgliedern erster und zweiter Klasse.

Notfahrplan im Fernverkehr soll ausgeweitet werden

Vorerst geht der Streik also weiter: Im Regional- und S-Bahnverkehr sind rund 40 Prozent der Züge unterwegs, teilte die Deutsche Bahn mit. Aufgrund der unterschiedlichen Streikbeteiligung schwanke das Angebot regional: Stärkere Einschränkungen könne es - ähnlich wie bei den vergangenen Streiks - in den östlichen Bundesländern und einigen Metropolregionen geben.

Für das Wochenende rechnet die Bahn mit einer leichten Ausweitung des Fahrplanangebots im Fernverkehr von 25 auf 30 Prozent. Am Samstag und Sonntag sollen so auch Fernzüge zwischen Rostock, Berlin und Dresden unterwegs sein. Fest steht: Reisende müssen laut Bahn in den kommenden Tagen mit Einschränkungen und vollen Zügen rechnen. Kunden seien daher gut beraten, Reisen zu verschieben.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 03. September 2021 um 05:38 Uhr und 07:38 Uhr.