Opel | dpa

Autokonzern Stellantis Und was wird aus Opel?

Stand: 15.04.2021 18:15 Uhr

Nach der Fusion des Peugeot-Konzerns PSA mit Fiat-Chrysler im Januar stellt sich die Frage nach der Zukunft von Opel, der einzigen deutschen Marke des neuen Autogiganten Stellantis.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Schon 2017, bald nach der Übernahme durch PSA, gab es in der Konzernzentrale von Opel Büroflächen im Überfluss. Denn die Franzosen unterzogen den defizitären deutschen Hersteller einem strengen Sparkurs, dem Tausende Stellen zum Opfer fielen. Die Leere währte allerdings nur kurz. Schon bald nach der Übernahme zog die Deutschlandzentrale der Marken Peugeot, Citroën und DS von Köln nach Rüsselsheim. Nun wurde bekannt, dass auch die deutsche Niederlassung von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) in die Opel-Räumlichkeiten wechselt. Von dort aus will der im Januar entstandene Autokonzern Stellantis sein Geschäft in Deutschland steuern.

Während die Büroflächen zu neuem Leben erweckt werden, bleibt die Frage, welchen Platz Opel in dem 14 Marken umfassenden, weltweit viertgrößten Autokonzern künftig noch haben wird. Noch ist es zu früh, diese Frage zu beantworten. Eine gute Nachricht gibt es aber: Die geplante Batteriefertigung im Opel-Werk Kaiserslautern ist gesichert. Wie Stellantis-Chef Carlos Tavares auf der heutigen Hauptversammlung mitteilte, soll die Produktion Ende 2025 anlaufen, zwei Jahre nach dem Start einer ähnlichen Anlage in Frankreich. "Die Versorgung mit Batterien wird strategisch entscheidend sein", sagte Tavares. Nach früheren Aussagen von Opel-Chef Michael Lohscheller werden in Kaiserslautern 2000 Arbeitsplätze geschaffen.

Dennoch ist in der Opel-Belegschaft die Verunsicherung groß. Denn Experten befürchten, dass der Marke mittelfristig das gleiche Schicksal droht wie den einstigen deutschen TV-Herstellern Grundig oder Telefunken: Die Marken gibt es noch, dahinter stehen aber längst Eigentümer aus der Türkei, wo die Geräte auch hergestellt werden.

Experten befürchten neue Stellenstreichungen

Auch Opel musste bereits eines (Bochum) seiner einst vier Werke in Deutschland schließen. Und in den vergangenen Jahren schrumpfte der Marktanteil des Unternehmens kräftig zusammen. Wurden in den besten Zeiten jährlich 1,5 Millionen Fahrzeuge verkauft, waren es im vergangenen Jahr nur noch 630.000, und das einschließlich von der britischen Schwestermarke Vauxhall. Immerhin schreibt Opel wieder schwarze Zahlen - eine wichtige Trendwende nach Jahren voller Verluste.

Doch Stellantis muss weiter auf Rendite getrimmt werden. Fünf Milliarden Euro sollen jährlich eingespart werden - drei Viertel davon bis Ende 2024. Dazu müssten möglichst viele gleiche Teile für möglichst viele Modelle verwendet, werden, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er befürchtet deshalb weitere Stellenstreichungen. Auch Frank Schwope, Branchenbeobachter bei der Norddeutschen Landesbank, ist überzeugt, dass nur mit einem Abbau der gewaltigen Überkapazitäten im gesamten Konzern verhindert werden könne, dass aus Stellantis nicht Atlantis werde.

Reicht die Qualität "Made in Germany"?

Insider vermuten deshalb, dass die Fertigung in einzelnen Fabriken eingestellt werden könnte - etwa am Standort Eisenach, wo der Stadtgeländewagen Grandland X gebaut wird. Das Stammwerk in Rüsselsheim könnte zu einem Montagestandort für diverse Stellantis-Marken degradiert werden. Dort wird neben dem Opel Flaggschiff Insignia bald auch ein Fahrzeug der Marke DS, der DS 4 von Citroen, gebaut.

Im Gespräch mit der Zeitschrift "Capital" verweist Opel-Chef Lohscheller auf die Qualität der Fahrzeuge "Made in Germany". Als einzige deutsche Marke in dem Konzern helfe das in der Wahrnehmung. Auch sei es den Ingenieuren gelungen, trotz einheitlicher Plattform, aus den Modellen Corsa und Mokka einen "richtigen Opel" zu bauen. Einer "der sich so anfühlt, so aussieht und sich auch so fährt".

Opel will auch in China Autos verkaufen

Zudem hofft Lohscheller, endlich auch Opel-Fahrzeuge in China verkaufen zu dürfen. Dort ist die Marke mit dem Blitz wie auch viele andere Marken des Stellantis-Konzerns kaum vertreten. Dabei ist China der größte Automarkt der Welt. Konzernchef Tavares sprach zuletzt von einem enttäuschenden Auftritt in der Volksrepublik, der sich bessern müsse.

Genau hier sieht Lohscheller eine Chance. "Ich habe die große Hoffnung, dass wir einen Weg finden, dass Opel nach China kommt, weil es der größte Automarkt weltweit ist", sagte er im Gespräch mit der Zeitschrift "Capital". Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, wie und ob Opel bei der geplanten China-Strategie dabei sein werde.

Muss das "Herz" von Opel weiter bluten?

Ungelöst ist auch die Frage des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim, gern als das "Herz" von Opel bezeichnet. Schon jetzt sind von den 7000 hochqualifizierten Mitarbeitern nach einem Teilverkauf nur noch 4500 übrig. Immer noch zuviel, glauben Experten, weil sowohl PSA als auch FCA jeweils gut 18.000 Ingenieure in der Entwicklung beschäftigen. Fachmann Dudenhöffer hält deshalb mindestens ein Drittel der 36.000 Stellen für obsolet, denn kein Autokonzern brauche vier große Entwicklungszentren in den USA, Turin, Paris und Rüsselsheim, so der Experte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Opel-Chef Lohscheller antwortet ausweichend auf die Frage nach der Zukunft des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums. In einem großen Konzern gebe es immer internen Wettbewerb, sagte er Mitte März. Das löse eine Menge an Motivation und Energie aus. Fast trotzig wiederholte er: "Unser Entwicklungszentrum ist und bleibt das Herz der Marke Opel".

Über dieses Thema berichtete MDR Thühringen - Radio am 28. August 2018 um 14:00 Uhr in den Regionalnachrichten.