Etwa 2000 Menschen beteiligten sich an einer Protestaktion der Industriegewerkschaft Metall (IGM). | picture alliance/dpa

Metall- und Elektroindustrie Tarifrunde im Zeichen vieler Krisen

Stand: 12.09.2022 16:30 Uhr

Zum Auftakt der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie haben bei Seiten deutlich gemacht, wie weit ihre Positionen auseinander liegen. Lohnerhöhungen von acht Prozent hält die IG Metall für machbar - die Arbeitgeber werten sie als realitätsfern.

Unter dem Eindruck rekordhoher Kaufkraftverluste auf der einen und einer drohenden Rezession auf der anderen Seite starten in Niedersachsen die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie in die erste Runde. Zuvor machten Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihre stark unterschiedlichen Positionen deutlich: Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger bekräftigte die Forderung nach acht Prozent höheren Löhnen für zwölf Monate: "Es ist fünf vor zwölf. Der Inflationsdruck ist gewaltig, die Beschäftigten brauchen endlich eine spürbare Entlastung im Portemonnaie. Acht Prozent, das ist machbar, und das passt in die Zeit."

Der Chef des Verbands Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt, hielt dagegen, derartige Lohnerhöhungen gefährdeten angesichts ausufernder Energie- und Rohstoffkosten die Existenz vieler Firmen. Er könne verstehen, dass ein Ausgleich für die Inflation gefordert werde. "Aber das würde in dieser Höhe für viele Unternehmen das Aus bedeuten. Wir reden ja auch von Rettungsschirmen und Insolvenzwellen. Jetzt ist vor allem Pragmatismus gefragt."

Warnstreiks angekündigt

Die Gewerkschaft hat bereits Warnstreiks und weitere Aktionen angekündigt. Ihrer Ansicht nach reichen die von der Bundesregierung angekündigten Entlastungen nicht, um die hohe Inflation auszugleichen. Die Arbeitgeber sehen dagegen keinen Spielraum für dauerhafte Lohnerhöhungen und haben Einmalzahlungen ins Spiel gebracht.

Die Region Niedersachsen/Sachsen-Anhalt macht den Auftakt in dieser Tarifrunde für die bundesweit 3,8 Millionen Beschäftigten der Branche. Am Mittwoch beginnen die Verhandlungen im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg sowie in der sogenannten Mittelgruppe aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Die Arbeitgeber in Bayern, wo die Verhandlungen am Donnerstag starten, bezeichneten die Forderung der Gewerkschaft als fernab der Realitäten. Die Unternehmen befänden sich in einem nie dagewesenen Mix aus schweren Krisen: Der Ukraine-Krieg, die Inflation und explodierende Energiepreise, die Gefahr von Gasmangellagen, bestehende Lieferengpässe und ein akuter Rohstoff-, Material- und Arbeitskräftemangel sowie die weiter schwelende Corona-Pandemie belasteten die Unternehmen schwer, erklärte der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. September 2022 um 10:35 Uhr.