Mitarbeiter der Salzgitter AG vor einem Hochofen

Ukraine-Krieg Wie die Stahlkonzerne durch die Krise kommen

Stand: 21.03.2022 17:03 Uhr

Einerseits haben die Stahlkonzerne angesichts des Ukraine-Kriegs mit hohen Energiekosten zu kämpfen. Andererseits sind auch die Stahlpreise explodiert. Was wiegt schwerer?

Von Detlev Landmesser, tagesschau.de

Deutschlands Stahlkonzerne rechnen angesichts des Kriegs in der Ukraine mit einer Beeinträchtigung ihrer Geschäfte. So warnt Salzgitter vor "kaum quantifizierbaren Prognoserisiken" angesichts der Folgen für die Konjunktur und die Energiepreise. Thyssenkrupp verweist auf die "globalen Störungen an verschiedenen Stellen der Lieferketten", die vor allem für die Stahl- und Autozuliefergeschäfte Folgen haben werden.

Wichtigster Abnehmer der deutschen Stahlkocher ist die Autoindustrie. Zuletzt hatte etwa Volkswagen seine Produktion wegen ausbleibender Kabelbäume aus der Ukraine in einigen Werken vorübergehend stoppen müssen.

"Preise werden auf hohem Niveau bleiben"

Für Deutschlands Stahlhersteller sind die Zeiten also schwierig. Dennoch sorgt ein gewichtiger Faktor für Rückenwind. Es sind die Stahlpreise, die in den vergangenen Wochen geradezu explodiert sind. So hat sich warmgewalzter Stahl, das wichtigste Ausgangsprodukt, allein in diesem Monat um mehr als 40 Prozent verteuert.

Preistreiber seien hier nicht die Hersteller selbst, die ja vielfach durch längerfristige Kontrakte gebunden seien, sondern der kurzfristige Ausfall der Stahlproduzenten aus Russland und der Ukraine, erläutert Dirk Schlamp, Stahlexperte bei der DZ Bank. Zuletzt seien etwa 40 bis 45 Prozent der Importe nach Europa aus den GUS-Staaten gekommen.

"Diese Produzenten kommen so schnell nicht wieder an den Markt zurück", so Schlamp. Zugleich hielten Schutzmaßnahmen der EU sowie hohe Frachtraten, also Transportkosten, Importe aus Übersee in Grenzen. "Die Stahlpreise werden also nachhaltig auf einem hohen Niveau bleiben", erwartet der Experte.

Stahlkonzerne könnten insgesamt profitieren

Davon profitieren die deutschen Stahlkonzerne, auch weil sie bessere Gewinnspannen im Stahlhandel erzielen können. Die ebenfalls stark gestiegenen Energiekosten seien zwar eine Belastung, aber insgesamt beherrschbar, so Schlamp. Salzgitter beispielsweise verstrome seine bei der Produktion entstehenden Gase selbst. Der Experte verweist darauf, dass Salzgitter trotz der Prognoserisiken seine überraschend zuversichtliche Geschäftsprognose aus dem Februar bisher nicht korrigiert hat.

Der nun boomende Rüstungsbereich, der insbesondere Spezialstahle erfordere, spiele dagegen nur eine untergeordnete Rolle für die großen Hersteller. Bei Thyssenkrupp könne allerdings möglicherweise der Schiffbau von Rüstungsaufträgen profitieren, so der Stahlanalyst.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. März 2022 um 12:00 Uhr.