Spotify-Logo am Gebäude des New Yorker Firmensitzes | picture alliance / Daniel Kalker

Nach Corona-Podcast-Streit Neuer Schlag für Spotify

Stand: 03.02.2022 15:46 Uhr

Die Musik-Plattform kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht raus. Die Aktie bricht nach einem schwachen Ausblick ein. Und auch die Kontroverse um den Corona-Podcast scheint für den Konzern noch lange nicht ausgestanden.

Der Musikstreaming-Anbieter Spotify sorgt abermals für Aufruhr. Diesmal ist es ein schwacher Ausblick, der das Unternehmen in ein schlechtes Licht rückt. Spotify stellte gestern Abend nach US-Börsenschluss in Aussicht, dass die Bruttogewinnmarge im ersten Quartal 2022 von 26,6 auf 25 Prozent sinken werde. Außerdem rechnet Spotify für diesen Zeitraum mit einem Zuwachs von nur drei Millionen Premium-Abonnenten.

Spotify-Aktie bricht ein

Mit diesen Vorhersagen schickte die Musik-Plattform ihre Aktien tief ins Minus. Im nachbörslichen Handel brach die Spotify-Aktie um 10,9 Prozent ein, zeitweise lag das Minus sogar bei 22 Prozent.

Selbst Umsatz- und Gewinnzahlen, die über den Erwartungen lagen, konnten die Anleger nicht besänftigen. Die Erlöse kletterten im abgelaufenen vierten Quartal um 24 Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro und übertrafen damit den Marktkonsens von 2,65 Milliarden Euro. Unterm Strich sank der Quartalsverlust auf 39 Millionen Euro von 125 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Wird Spotify zum Radiosender?

Ohne eine nennenswerte Anzahl neuer Premium-Abonnenten wird Spotifys Geschäft jedoch immer abhängiger von Werbeerlösen, warnen Branchenkenner. Das Geschäftsmodell ähnele zunehmend dem eines Radiobetreibers - und weniger dem eines schnell wachsenden Abonnenten-Unternehmens. Werbeanzeigen machten zuletzt 15 Prozent der Spotify-Umsätze aus - so viel wie noch nie.

Doch auch exklusiver Content bietet so seine Risiken, wie Spotify in den vergangenen Wochen auf die harte Tour erfahren musste. Der Podcast von Joe Rogan, den Spotify für geschätzte 100 Millionen Dollar eingekauft hat, erweist sich für den Konzern als veritabler Kapitalvernichter und Image-Zerstörer.

Späte Reaktion auf Corona-Kontroverse

Rogans Meinung zu Corona-Fragen rief die Kritik von Gesundheitsexperten hervor. Prominente Musiker wie Neil Young und Joni Mitchell kündigten ihren Rückzug von der Plattform an. Sie warfen Spotify vor, zu wenig gegen Fehlinformationen in der Coronapandemie zu tun. Auch Youngs ehemalige Bandmitglieder, die Musiker David Crosby, Graham Nash and Stephen Stills, verlassen den Streaminganbieter. "Wir unterstützen Neil und stimmen ihm zu, dass gefährliche Falschinformationen in Spotifys Joe-Rogan-Podcast ausgestrahlt werden", hieß es in einer Stellungnahme.

Spotify-Chef Daniel Ek kündigte an, Hörern von Corona-Podcasts künftig einen Hinweis zu weiterführenden Informationen über die Pandemie anzubieten. Gestern verteidigte Ek die späte Reaktion seines Unternehmens. "Wir versuchen, ein Gleichgewicht zwischen kreativem Ausdruck und der Sicherheit unserer Nutzer herzustellen", sagte er. Rogan sicherte außerdem zu, künftig ausgewogenere Informationen über die Coronapandemie präsentieren zu wollen.

Aktie im Abwärtstrend

Ob das aber ausreichen wird, um die Kritiker zu besänftigen und die Anleger nachhaltig zu beruhigen? Ek selbst musste gestern zugeben, es sei "zu früh", um die Auswirkungen der Rogan-Kontroverse auf sein Geschäft zu beurteilen.

Ein Blick auf den Aktien-Chart verrät derweil, dass die Spotify-Aktie durchaus noch Abwärtspotenzial hat. Erst im Januar war die Spotify-Aktie bis auf 164,41 Dollar gerauscht und damit den tiefsten Stand seit Sommer 2020. Seit ihrem Rekordhoch im März 2021 befindet sich der NYSE-Titel in einem Abwärtstrend. Neue Tiefs scheinen da programmiert.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Februar 2022 um 11:37 Uhr.